Sprachverstehen, Lärm

Sprachverstehen im Lärm: Musiktraining verzögert den Abbau um zehn Jahre

Veröffentlicht am: 17.10.2026 um 01:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Eine Studie des AIISH Mysore verbindet musikalische Aktivität mit späterem Rückgang beim Sprachverstehen in lauter Umgebung; Kausalität bleibt offen.
Ein einsamer Konzertflügel steht in einem lichtdurchfluteten, minimalistischen Raum auf einem Holzboden. Illustration mit AI erstellt.

Musikalische Praxis kann den altersbedingten Abbau bei der Sprachwahrnehmung in lauter Umgebung offenbar deutlich hinauszögern. Dies belegen Untersuchungen des All India Institute of Speech and Hearing (AIISH Mysore), die im April 2025 in der Fachzeitschrift „Journal of Otology“ veröffentlicht wurden.

Der Analyse zufolge tritt das Nachlassen der sogenannten Sprachwahrnehmung im Störgeräusch bei musikalisch aktiven Menschen um rund zehn Jahre später auf als bei Personen ohne entsprechende Vorbildung.

Deutlicher Vorsprung bei Störgeräuschen

Das Verstehen von gesprochener Sprache in lauter Umgebung stellt mit zunehmendem Alter für viele Menschen eine wachsende Herausforderung dar. Die Forschungsarbeit des AIISH Mysore untersuchte diesen Prozess systematisch anhand von zwei Vergleichsgruppen. Insgesamt nahmen 75 Musiker und 75 Nicht-Musiker im Alter von 10 bis 50 Jahren an den Tests teil. Voraussetzung für alle Probanden war ein normales Ergebnis beim standardisierten Hörtest.

Die Auswertungen zeigten bei grundlegenden Messungen keine Abweichungen zwischen beiden Gruppen. Sowohl beim reinen Tonhören als auch hinsichtlich der Funktion des Innenohrs ergaben sich keine messbaren Unterschiede zwischen Musikern und Nicht-Musikern.

Signifikante Divergenzen traten jedoch zutage, sobald Sprache vor einer Geräuschkulisse wahrgenommen werden musste. Bei dieser Sprachwahrnehmung im Störgeräusch lagen die Musiker in sämtlichen erfassten Altersgruppen vor den Nicht-Musikern.

Zeitlicher Versatz beim Leistungsabfall

Besonders auffällig zeigte sich der zeitliche Verlauf der Hörleistung im mittleren Lebensalter. Bei den Probanden ohne musikalische Ausbildung stellten die Wissenschaftler des Instituts einen deutlichen Rückgang der Sprachwahrnehmung im Störgeräusch ab den 40er-Jahren fest.

Im Gegensatz dazu blieb diese Fähigkeit bei den untersuchten Musikern länger stabil. Ein entsprechender Leistungsabfall setzte bei ihnen erst ab den 50er-Jahren ein. Die Daten deuten somit darauf hin, dass das Gehirn durch musikalisches Training über längere Zeit in der Lage ist, relevante akustische Sprachsignale effizient aus störendem Hintergrundlärm herauszufiltern.

Anzeige

Wer sich mit dem Erhalt der kognitiven Fähigkeiten befasst, findet in diesem kostenlosen Ratgeber wertvolle Übungen für die geistige Fitness. Erfahren Sie, wie Sie Ihre Konzentration und Ihr Gedächtnis mit einfachen Alltagstipps nachhaltig stärken können. 11 praktische Gehirn-Jogging-Übungen kostenlos sichern

Einschränkungen durch das Querschnittsdesign

Trotz der deutlichen Unterschiede weisen die Forscher des AIISH Mysore auf methodische Grenzen der Studie hin. Die Untersuchung wurde als Querschnittsstudie konzipiert, bei der Daten verschiedener Altersgruppen zu einem bestimmten Zeitpunkt erhoben und miteinander verglichen wurden. Längsschnittdaten, welche dieselben Personen über mehrere Jahrzehnte hinweg begleiten und beobachten, liegen im Rahmen dieser Arbeit nicht vor.

Anzeige

Neben der Sprachverarbeitung spielt das allgemeine Hörverständnis eine zentrale Rolle für die mentale Gesundheit im Alter. Dieser kostenlose Leitfaden zeigt Ihnen spezielle Methoden, mit denen Sie Ihren Gedächtnisabbau aktiv verlangsamen können. Kostenlosen PDF-Report zum Gehirn-Hörtraining anfordern

Aus diesem Grund kann eine direkte Kausalität zwischen dem aktiven Musizieren und der langfristigen Erhaltung der Sprachverarbeitung im Störgeräusch anhand dieser Ergebnisse wissenschaftlich noch nicht zweifelsfrei belegt werden. Dennoch liefern die Befunde wichtige Ansatzpunkte für die auditive Forschung und das Verständnis präventiver Faktoren beim sensorischen Altern.

Disclaimer...
de | wissenschaft | 70345269 |