Sportmilliarde: Förderprogramm ist 21-fach überzeichnet, Kommunen warnen
Veröffentlicht am: 24.09.2026 um 01:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
In einer öffentlichen Sitzung des Sportausschusses des Bundestages haben die kommunalen Spitzenverbände am Mittwoch eindringlich vor den Risiken für die Breitensportförderung gewarnt. Der Deutsche Landkreistag, der Deutsche Städtetag sowie der Deutsche Städte- und Gemeindebund verwiesen auf die prekäre finanzielle Lage der Kommunen, die notwendige Investitionen in die Sportinfrastruktur zunehmend erschwere.
Milliarden-Defizite belasten die kommunalen Haushalte
Nach Angaben des Deutschen Landkreistages beläuft sich das kommunale Defizit im Jahr 2026 auf 29,7 Mrd. Euro. Als Hauptursache für diese Entwicklung wurden bundesgesetzliche Sozialvorgaben angeführt. Der Deutsche Städte- und Gemeindebund bezifferte den bundesweiten Investitionsrückstand der Kommunen auf rund 231 Mrd. Euro.
Die angespannte Haushaltslage wirkt sich unmittelbar auf die Sportförderung aus. Wie die Spitzenverbände berichteten, ist das Förderprogramm der sogenannten Sportmilliarde derzeit 21-fach überzeichnet. Burkhard Hintzsche vom Deutschen Städtetag betonte in diesem Zusammenhang, dass Sportliegenschaften einen erheblichen Modernisierungsbedarf aufwiesen. Er mahnte zudem an, dass eine mögliche Olympiabewerbung den Breitensport nicht verdrängen dürfe.
Sanierungsstau bei Schwimmbädern und Sportanlagen
Ein besonderer Schwerpunkt der Warnungen lag auf der Situation der Schwimmbäder. Alexander Averhoff vom Deutschen Städte- und Gemeindebund erklärte, dass der Sanierungsstau in diesem Bereich den Schwimmunterricht gefährde. Besonders in ländlichen Regionen drohten Angebote bei Schließungen dauerhaft verloren zu gehen.
Trotz der schwierigen Gesamtlage bewilligte der Haushaltsausschuss des Bundestages jüngst Mittel aus dem Programm „Sanierung kommunaler Sportstätten – Schwimmbäder“. In Ostwestfalen-Lippe werden fünf Projekte mit insgesamt rund 9,8 Mio. Euro gefördert.
Dazu gehören der Ersatzneubau des Hallen- und Freibads in Löhne sowie Sanierungen in Marienmünster, Rahden, Schlangen und Werther. Die Bundestagsabgeordneten Wiebke Esdar und Stefan Schwartze unterstrichen dabei den strukturellen Charakter des Investitionsbedarfs.
Auch für das Hallenbad in Rastede gab der Abgeordnete Dennis Rohde eine Bundesförderung in Höhe von rund 1 Mio. Euro bekannt. Die Gesamtkosten für die energetische Erneuerung, Technikmodernisierung und Barrierefreiheit des 1981 eröffneten Bads werden auf rund 3 Mio. Euro geschätzt. Rastedes Bürgermeister Lars Krause wies darauf hin, dass die Förderung etwa ein Drittel des Volumens abdecke.
Die kommunalen Spitzenverbände haben im Sportausschuss des Bundestages deutlich gemacht, wie angespannt die Lage ist: Das kommunale Defizit liegt laut Deutschem Landkreistag bei 29,7 Mrd. Euro, der Investitionsrückstand der Kommunen bei rund 231 Mrd. Euro — und das Förderprogramm der Sportmilliarde ist derzeit 21-fach überzeichnet. Wer trotzdem Fördermittel für Schwimmbad oder Sportanlage sichern will, braucht einen belastbaren Antrag. Kostenlosen Leitfaden zur Sportstätten-Förderung anfordern
Regionale Krisenherde in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen
Besonders deutlich zeigt sich die Finanzkrise in Nordrhein-Westfalen. Laut einer Umfrage des Städte- und Gemeindebundes NRW unter 396 Kommunen verzeichnen die Städte und Gemeinden das größte Haushaltsdefizit der Nachkriegszeit.
Mehr als zwei Drittel der Kommunen bewerten ihre Finanzlage als mangelhaft, und 85 Prozent erwarten keine Besserung in den kommenden fünf Jahren. Im Jahr 2026 können lediglich sieben Kommunen in NRW ihre laufenden Aufwendungen durch Einnahmen decken. Die Zahl der Kommunen in der Haushaltssicherung stieg gegenüber dem Vorjahr um 68 Prozent auf 89 an.
In Niedersachsen stieg der kommunale Schuldenstand im Jahr 2025 auf rund 21,6 Mrd. Euro, was einer Pro-Kopf-Verschuldung von 2.703 Euro entspricht. Dies stellt eine Steigerung von 21,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr dar. Nur elf von 442 erfassten Kommunen waren in diesem Zeitraum schuldenfrei.
Infrastrukturmängel und soziale Lasten in Berlin und Essen
In Berlin belastet vor allem der Bereich der Sozialleistungen den Haushalt. Rund 10 Mrd. Euro, etwa jeder vierte Euro der Landesausgaben, fließen in diesen Sektor. Für das Jahr 2026 wird ein Defizit von über 5 Mrd. Euro erwartet.
Der Sanierungsstau bei Schwimmbädern gefährdet den Schwimmunterricht — in ländlichen Regionen drohen Angebote bei Schließungen dauerhaft verloren zu gehen. Bund und Länder fördern zwar, doch die Mittel sind begrenzt und die Antragswege komplex. Unser Leitfaden zeigt, wie Kommunen Sanierungsbedarf dokumentieren, Kosten realistisch kalkulieren und Förderfähigkeit prüfen. Checkliste Sanierungsantrag Schwimmbad jetzt sichern
Ein konkretes Beispiel für den Verfall der Sportinfrastruktur ist ein Sportplatz im Bezirk Mitte, der bereits Ende 2024 wegen Verletzungsgefahr gesperrt werden musste. Die geschätzten Sanierungskosten stiegen dort von ursprünglich maximal 300.000 Euro auf mittlerweile 470.000 Euro, wobei die Finanzierung weiterhin ungeklärt ist.
Auch aus Essen wurden drastische Beispiele gemeldet. Oberbürgermeister Thomas Kufen berichtete, dass defekte Spielplatzgeräte teils bis zu zwei Jahre auf eine Reparatur oder einen Ersatz warten müssten. Zudem stünden in den kommenden Jahren Sanierungen an 100 Brücken an, für die es jedoch an Fachpersonal fehle.
