Spenderlebern, Maschinenperfusion

Spenderlebern: Maschinenperfusion senkt biologisches Alter um rund 30 Prozent

Veröffentlicht am: 05.10.2026 um 23:51 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Untersuchungen verbinden die Perfusion mit geringerem biologischem Alter und weniger frühen Funktionsstörungen; Langzeitfolgen und Kosten bleiben ungeklärt.

Maschinenperfusion: Spenderlebern zeigen ein niedrigeres biologisches Alter
Medizinisches Labor mit sterilen Edelstahlflächen und transparenten Schläuchen in einer klinischen Umgebung. Illustration mit AI erstellt.

In der Transplantationsmedizin gewinnen neuartige Verfahren zur Konservierung von Spenderorganen zunehmend an Bedeutung. Traditionell werden entnommene Organe meist auf Eis gekühlt transportiert, um den zellulären Stoffwechsel zu verlangsamen.

Neuere wissenschaftliche Untersuchungen zur sogenannten Maschinenperfusion liefern nun Hinweise darauf, dass eine kontinuierliche Durchspülung mit Nährstoffen nicht nur die Funktionsfähigkeit verbessert, sondern auch das biologische Alter des Gewebes messbar beeinflussen kann.

Eine unveröffentlichte Analyse eines Forschungsteams um Jesse Poganik, Heidi Yeh und Alban Longchamp veranschaulicht diesen Effekt am Beispiel von Spenderlebern.

Epigenetische Uhren belegen molekulare Veränderungen

Die Forschergruppe analysierte, wie sich die Perfusion im Vergleich zur herkömmlichen Kaltlagerung auf molekularer Ebene auswirkt. Für die Untersuchung zogen die Wissenschaftler zwei verschiedene Messmethoden heran: Anhand von 37 Gewebeproben aus 19 Lebern wurden sogenannte epigenetische Uhren ausgewertet, während Genaktivitätsuhren an 208 Proben aus 103 Lebern untersucht wurden.

Nach einer rechnerischen Anpassung an das chronologische Alter der Spender ergab sich ein messbarer Unterschied zwischen den Konservierungsmethoden. Das biologische Alter der perfundierten Organe lag demnach um rund 30 Prozent unter dem der kalt gelagerten Kontrollgruppe.

Während der Perfusion werden die Spenderlebern in dafür entwickelten Spezialgeräten über einen Zeitraum von 6 bis 12 Stunden mit Nährstoffen versorgt. Gleichzeitig werden anfallende Abfallprodukte aus dem Gewebe entfernt, was den Organen eine Erholungsphase vor dem eigentlichen Eingriff ermöglicht.

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Verringertes Risiko früher Funktionsstörungen

Neben den molekularbiologischen Merkmalen untersuchten die Wissenschaftler auch die funktionellen Auswirkungen nach dem chirurgischen Eingriff. In einer randomisierten Studie mit 293 Patienten verglichen die Forscher die Organfunktion nach der Implantation.

Dabei zeigte sich, dass eine frühe Transplantatfunktionsstörung bei 31 Prozent der zuvor kalt gelagerten Organe auftrat. Bei Lebern, die vor der Transplantation einer normothermen Maschinenperfusion unterzogen worden waren, lag dieser Wert bei 18 Prozent. Diese klinischen Daten sind bislang nicht durch ein formales Peer-Review-Verfahren begutachtet worden. Sie stützen jedoch die Beobachtung, dass die Aufbereitung im warmen Nährstoffstrom zu einer verbesserten Funktionsfähigkeit nach der Operation beiträgt.

Chancen für vorgeschädigte Organe und offene Fragen

Besondere Relevanz besitzt das Verfahren für Spenderorgane, deren Ausgangszustand suboptimal ist. Den Berichten zufolge zeigen sich die funktionellen Vorteile der 6 bis 12 Stunden dauernden Behandlung besonders ausgeprägt bei Organen, die sich vor der Entnahme in einem schlechten Zustand befanden. Durch die kontrollierte Zirkulation können sich vorgeschädigte Gewebe erholen, was den Pool an nutzbaren Spenderlebern potenziell vergrößern könnte.

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Trotz der dokumentierten Verbesserungen bei der unmittelbaren Nachsorge bleiben wesentliche Aspekte Gegenstand weiterer Forschung. So sind die langfristigen Auswirkungen der Perfusion auf das langfristige Transplantatüberleben derzeit noch offen.

Darüber hinaus erfordert der Einsatz der Spezialgeräte einen hohen logistischen sowie apparativen Aufwand, weshalb auch die genauen wirtschaftlichen Kosten der Technologie bislang nicht abschließend beziffert sind.

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