Speiseröhrenkrebs: Sehr heiße Getränke erhöhen Risiko um 217%
Veröffentlicht am: 13.09.2026 um 06:03 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Aktuelle wissenschaftliche Untersuchungen der Universität Oxford werfen ein neues Licht auf den Zusammenhang zwischen dem Konsum heißer Getränke und dem Risiko für Speiseröhrenkrebs.
In einer groß angelegten Analyse, die unter anderem Daten der „Million Women Study“ und der „UK Biobank“ umfasst, wurden fast eine Million Erwachsene über einen Zeitraum von mehr als zehn Jahren beobachtet. Die Ergebnisse, die im „International Journal of Cancer“ veröffentlicht wurden, differenzieren dabei deutlich zwischen verschiedenen Krebsarten und Konsumgewohnheiten.
Signifikante Risikoerhöhung bei Plattenepithelkarzinomen
Die Untersuchung stützt sich auf die Daten von 977.282 Erwachsenen im Vereinigten Königreich. Über einen Beobachtungszeitraum von durchschnittlich 11 bis 14 Jahren identifizierten die Forscher 2.348 Fälle von Speiseröhrenkrebs. Davon entfielen 1.045 Fälle auf Plattenepithelkarzinome (SCC) und 1.303 auf Adenokarzinome.
Ein wesentliches Ergebnis der Analyse ist, dass die Temperatur der konsumierten Getränke einen erheblichen Einfluss auf das Risiko für Plattenepithelkarzinome hat. Laut Berichten vom September 2026 ist das Risiko für diese Krebsart bei Konsumenten, die ihre Getränke als „sehr heiß“ einstuften, 3,17-mal höher als bei jenen, die warme Getränke bevorzugen.
Auch bei der Einstufung als „heiß“ (jedoch nicht „sehr heiß“) wurde ein 1,7-fach erhöhtes Risiko festgestellt. Ein Zusammenhang zwischen der Getränketemperatur und Adenokarzinomen der Speiseröhre konnte hingegen nicht nachgewiesen werden.
Konsumhäufigkeit und subjektive Temperatureinschätzung
Neben der gefühlten Hitze spielt offenbar auch die Menge eine Rolle. Den Studiendaten zufolge erhöht der Konsum von sechs oder mehr Heißgetränken pro Tag das Risiko für Plattenepithelkarzinome um 71 Prozent. Dabei ist zu beachten, dass die Temperaturangaben in der Studie auf Selbstauskünften der Teilnehmer basieren und nicht objektiv gemessen wurden.
Die Universität Oxford hat fast eine Million Erwachsene über mehr als zehn Jahre beobachtet — und dabei einen deutlichen Zusammenhang zwischen der Trinktemperatur und Speiseröhrenkrebs gefunden. Wer seine Getränke als sehr heiß einstuft, trägt ein 3,17-fach erhöhtes Risiko für Plattenepithelkarzinome. Die gute Nachricht: Schon ein einfaches Abkühlen gilt als wirksame Maßnahme. Kostenlosen Ratgeber mit Temperatur-Checkliste anfordern
Obwohl nur etwa 15 Prozent der Studienteilnehmer angaben, sehr heiße Getränke zu bevorzugen, entfielen auf diese Gruppe rund 26 Prozent der SCC-Fälle. Experten gehen davon aus, dass im Vereinigten Königreich etwa 440 Fälle pro Jahr vermieden werden könnten, wenn Konsumenten von „sehr heißen“ auf lediglich „heiße“ Getränke umstellen würden. Dies entspräche einer Reduktion der SCC-Fälle um rund 14 Prozent.
Einordnung in internationale Richtlinien
Bereits im Jahr 2016 stufte die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) Getränke mit einer Temperatur von über 65 Grad Celsius als „wahrscheinlich krebserregend“ (Gruppe 2A) ein. Die Forscher aus Oxford merken dazu an, dass die übliche Temperatur von Tee und Kaffee in der Regel zwischen 50 und 60 Grad Celsius liegt und damit unterhalb dieser kritischen Grenze bleibt.
Fachleute weisen darauf hin, dass heiße Flüssigkeiten die Schleimhautzellen der Speiseröhre schädigen können, was die Entstehung von Tumoren begünstigen kann. Ein einfaches Abkühlen der Getränke gelte daher als effektive Maßnahme zur Risikosenkung. Eine Medizinerin des Erasmus MC verwies in diesem Kontext auf frühere Untersuchungen mit objektiven Messungen, die eine kritische Grenze bei etwa 60 Grad Celsius nahelegten.
Bedeutung anderer Lebensstilfaktoren
Trotz der Erkenntnisse zur Getränketemperatur betonen Organisationen wie Cancer Research UK, dass andere Faktoren für die Krebsprävention weiterhin eine übergeordnete Rolle spielen. Das lebenslange Risiko, an einem Plattenepithelkarzinom der Speiseröhre zu erkranken, liegt im Vereinigten Königreich bei etwa 1 Prozent. Ein Rauchstopp sowie die Reduktion des Alkoholkonsums gelten weiterhin als die wichtigsten Maßnahmen zur Senkung des Gesamtrisikos.
Speiseröhrenkrebs bleibt oft lange symptomlos — und die kritische Temperaturgrenze von 65 Grad Celsius ist im Alltag kaum einzuschätzen. Die IARC stuft Getränke oberhalb dieser Grenze seit 2016 als wahrscheinlich krebserregend ein. Unser Ratgeber zeigt Ihnen fünf konkrete Regeln, mit denen Sie Ihr Risiko senken, ohne auf Kaffee und Tee zu verzichten. 5 Regeln jetzt kostenlos sichern
Daten aus den Niederlanden untermauern diese Einschätzung. Dort treten jährlich weniger als 6 Fälle von Speiseröhrenkrebs pro 100.000 Einwohner auf, was insgesamt etwa 600 Neuerkrankungen pro Jahr entspricht.
Da in den Niederlanden rund 75 Prozent der Tumoren Adenokarzinome sind, für die kein Zusammenhang mit der Temperatur gefunden wurde, wird der Anteil der durch den Verzicht auf zu heiße Getränke vermeidbaren Fälle dort auf lediglich 1 bis 2 von 10 Erkrankungen geschätzt.
