Speicherkrise, Mainboards

Speicherkrise: Mainboards 57% billiger, DDR5 explodiert

23.06.2026 - 03:14:42 | boerse-global.de

KI-Boom treibt Speicherkosten in die Höhe, während Mainboard-Hersteller mit Rabatten um Kunden kämpfen. DDR2 erlebt ein unerwartetes Comeback.

PC-Markt im Wandel: Mainboard-Rabatte treffen auf explodierende RAM-Preise
Speicherkrise - Close-up of a computer motherboard with glowing RAM sticks, symbolizing the divergence in hardware component pricing. 23.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Die Computerbranche erlebt eine paradoxe Preisentwicklung: Während High-End-Mainboards mit Rabatten von bis zu 57 Prozent locken, treiben KI-Bedarf und Speicherknappheit die RAM-Preise in schwindelerregende Höhen.

Mainboard-Schnäppchen als Lockmittel

Am 22. Juni 2026 veröffentlichte Branchenanalysen zeigen einen schwächelnden Mainboard-Markt. Hersteller reagieren mit drastischen Preisnachlässen auf die nachlassende Nachfrage nach neuen PC-Bauten. Der Grund: Die Gesamtkosten für ein komplettes System bleiben trotz der günstigen Mainboards hoch.

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Ein aktuelles Beispiel verdeutlicht das Dilemma: Ein Bundle mit AMDs Ryzen 7 9800X3D und einem hochwertigen MSI B850-Mainboard kostete am 21. Juni rund 1.000 Euro. Während Prozessor und Mainboard durch Aktionen verbilligt wurden, macht der Arbeitsspeicher – 32 Gigabyte DDR5 – weiterhin einen erheblichen Kostenblock aus.

DDR2 erlebt unerwartetes Comeback

Der Haupttreiber der Marktinstabilität ist ein struktureller DRAM-Mangel. Laut aktuellen Daten von TrendForce hat die Knappheit inzwischen selbst veraltete Speicherstandards erfasst. DDR2-Vertragspreise stiegen im zweiten Quartal 2026 um 55 bis 60 Prozent, für das dritte Quartal werden weitere 35 bis 40 Prozent erwartet.

Dieser „Retro-RAM"-Preisschub hat einen klaren Grund: Die großen Hersteller Samsung, SK Hynix und Micron haben ihre Produktionskapazitäten massiv auf High-Bandwidth-Memory (HBM) umgestellt. Der Grund ist die enorme Nachfrage aus dem KI-Sektor. Rechenzentren verschlingen inzwischen rund 70 Prozent der gesamten Speicherproduktion.

Die Folgen sind dramatisch: Hersteller von Industrie- und Originalequipment müssen ihre Designs anpassen. Um die horrenden DDR5-Preise oder die Knappheit von DDR4 zu umgehen, setzen einige Firmen wieder auf DDR3 oder sogar DDR2. Das hat die ohnehin begrenzte Produktion von Nischenherstellern wie Winbond und ESMT komplett ausgereizt.

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Branchengrößen schlagen Alarm

Die explodierenden Speicherkosten hinterlassen Spuren in den Geschäftszahlen der Halbleiterbranche. AMD meldete für das erste Quartal 2026 zwar einen Umsatz von 3,7 Milliarden Euro in den Segmenten Client und Gaming – ein Plus von 23 Prozent im Jahresvergleich. Doch die Konzernführung warnt vor einem deutlichen Einbruch in der zweiten Jahreshälfte. AMD erwartet einen Rückgang der Gaming-Erlöse um 20 Prozent im zweiten Halbjahr. Hauptgrund: die hohen RAM-Preise, die Kunden vom Kauf abhalten.

Auch andere Unternehmen äußern sich besorgt:

  • Valve: Der Spieleentwickler beschreibt Verhandlungen mit Speicherlieferanten als zunehmend schwierig. Anbieter diktierten die Preise monatlich – ohne Verhandlungsspielraum.
  • GoPro: Der Kamerahersteller musste eine Bestandsgefährdung melden, nachdem die Speicherpreise um 80 bis 115 Prozent gestiegen waren.
  • Unterhaltungselektronik: Sony und Microsoft haben bereits die Preise für Spielkonsolen erhöht. Apple verlangt für einige MacBook-Konfigurationen bis zu 370 Euro mehr.

Lichtblick bei SSDs – aber nur kurz

Während DRAM teuer bleibt, zeigt der NAND-Flash-Markt eine vorübergehende Entspannung. Zur Amazon-Prime-Day-Aktion Ende Juni 2025 erreichten einige Hochleistungs-SSDs Rekordtiefststände. Eine Samsung 990 Pro mit 2 Terabyte kostete zeitweise nur 345 Euro – ein Minus von 42 Prozent gegenüber dem Höchststand.

Doch Marktforscher von Gartner warnen: Diese Entspannung könnte trügerisch sein. Sie prognostizieren, dass die kombinierten Preise für DRAM und SSDs bis Ende 2026 um 130 Prozent steigen könnten. Die Unternehmen rüsten sich bereits: IBM passt zum 1. Juli 2026 die Preise für seine Power-Systeme und Speicherlösungen an. FlashSystem wird 40 Prozent teurer, Power-Server kosten 17 Prozent mehr.

Branchenanalysten von IDC erwarten, dass die anhaltende Speicherknappheit bis Jahresende zu Preissteigerungen von 10 bis 20 Prozent bei Smartphones, PCs und Tablets führen wird. Neue Produktionskapazitäten von Micron werden frühestens 2027 oder 2028 erwartet. Einige Prognosen gehen davon aus, dass das Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage bis 2030 anhalten könnte.

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