Speichel-Biomarker, Forscher

Speichel-Biomarker: Forscher erkennen Schlafentzug zuverlässig

21.06.2026 - 22:49:22 | boerse-global.de

Forscher der Uni Zürich weisen akuten Schlafentzug mittels zehn Biomarkern im Speichel nach. Ein Schnelltest für Verkehr und Arbeitswelt ist geplant.

Speicheltest entlarvt Schlafmangel: Zürcher Forscher identifizieren zehn Biomarker
Speichel-Biomarker - Eine ältere Person erwacht sanft in einem ruhigen Schlafzimmer, mit weichem Morgenlicht, das ihr Gesicht beleuchtet. 21.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Forscher der Universität Zürich haben zehn Biomarker im Speichel identifiziert, die akuten Schlafentzug zuverlässig nachweisen. Die am 21. Juni 2026 vorgestellte Studie nutzte Massenspektrometrie und maschinelles Lernen, um die Speichelproben von 20 gesunden Männern zu analysieren. Das Ergebnis: Starke Übermüdung beeinflusst rund zehn Prozent aller Biomoleküle im Speichel.

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Das patentierte Biomarker-Set soll nun in einer internationalen Feldstudie getestet werden. Langfristig wollen die Forscher einen Schnelltest für den Straßenverkehr und die Arbeitswelt entwickeln. Das wäre dringend nötig: Rund 25 Prozent der Deutschen berichten über Schlafstörungen, so die Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin. Ein Wachzustand von 17 bis 19 Stunden entspricht dabei einer Leistungsfähigkeit von 0,5 Promille Blutalkohol, 24 Stunden ohne Schlaf sogar 1,0 Promille.

Tagesschläfrigkeit als Warnsignal für Demenz

Doch nicht nur akuter Schlafmangel ist gefährlich. Auch das Schlafverhalten älterer Menschen gibt wichtige Hinweise: Eine deutliche Zunahme der Tagesschläfrigkeit kann ein frühes Warnsignal für kognitiven Abbau oder Demenz sein. Kurze Nickerchen von 20 bis 30 Minuten sind normal. Wer aber deutlich länger schläft und gleichzeitig vergesslicher wird, sollte das ärztlich abklären lassen.

Neben Alterungsprozessen kommen auch Schlafapnoe, Depressionen oder Medikamentennebenwirkungen als Ursachen infrage. Parallel dazu untersucht die Berkeley-Studie „PLASTICITY“ die Wirkung von Psilocybin auf das Gehirn von 60- bis 85-Jährigen. Die Forscher prüfen neuronale Plastizität und Stressregulation – ein wissenschaftlicher Nachweis für Schutz gegen das Altern liegt aber noch nicht vor.

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Schlaf als vierte Säule der Longevity

In der Longevity-Forschung gilt Schlaf neben Ernährung, Bewegung und Stressmanagement als eine der vier wesentlichen Säulen für ein langes, gesundes Leben. Medizinische Analysen definieren zwölf Merkmale des Alterns – darunter mitochondrialer Dysfunktion und chronische Entzündungen. Schlafentzug erhöht das Risiko für Bluthochdruck, Herzinfarkt, Diabetes und Depressionen.

Mediziner wie Stephan Barth betonen: Nahrungsergänzungsmittel können einen ungesunden Lebensstil nicht kompensieren. Eine Supplementierung mit Coenzym Q10 ab etwa 30 Jahren könne aber die Mitochondrien unterstützen. Auch die Genetik spielt eine Rolle: Eine Studie in „Nature Communications“ belegt, dass ein genetisch bedingter Morgen-Chronotyp mit geringerem Brustkrebsrisiko zusammenhängt. Fünf spezifische Proteine wurden als Mediatoren identifiziert.

Soziale Ungleichheit beschleunigt Alterung

Metaanalysen mit über 66.000 Teilnehmenden zeigen: Soziale Ungleichheit und Diskriminierung können die biologische Alterung beschleunigen – bereits im Kindesalter im Epigenom nachweisbar. Besonders deutlich wird das bei epigenetischen Uhren der dritten Generation, die das Alterungstempo messen.

Zur Behandlung von Schlafstörungen stehen digitale und pharmazeutische Optionen bereit. Digitale Gesundheitsanwendungen wie „somnio“ oder „HelloBetter Schlafen“ werden bei diagnostizierter Insomnie von Krankenkassen erstattet. Sie basieren auf kognitiver Verhaltenstherapie. Ein spanischer Konsens empfiehlt für Kinder und Jugendliche mit Autismus bei unzureichendem Erfolg von Schlafhygiene den Einsatz von Melatonin.

In der Alzheimer-Prävention zeigen Daten der University Florida: SGLT2-Inhibitoren senken das Risiko um 43 Prozent, GLP-1-Präparate um 33 Prozent. Vorsicht dagegen bei Glucosamin: Bei bestehender leichter kognitiver Beeinträchtigung erhöht die regelmäßige Einnahme das Alzheimer-Risiko um 25 Prozent. Ein neuer Bluttest (p-Tau217) ermöglicht mittlerweile eine Diagnose mit über 90-prozentiger Genauigkeit innerhalb von 17 Minuten.

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