Spear-Phishing: Zielgerichtete Angriffe nehmen um 41,1 Prozent zu
Veröffentlicht am: 30.10.2026 um 22:24 Uhr | Redaktion boerse-global.deSicherheitsexperten schlagen Alarm: Kriminelle setzen zunehmend auf künstliche Intelligenz, um Phishing-Angriffe in bislang unerreichter Geschwindigkeit und Präzision zu skalieren.
Vor dieser Entwicklung warnen IT-Sicherheitsunternehmen wie Avast und KnowBe4 ebenso wie Microsoft Threat Intelligence und das Büro der Vereinten Nationen für Drogen- und Verbrechensbekämpfung (UNODC). Durch den Einsatz von KI-Agenten verändern sich die Angriffsmuster grundlegend, da Routineaufgaben im Betrugsprozess vollautomatisiert ablaufen.
Alexander Vukcevic, Director CyberSafety Technology bei Avast, hebt hervor, dass ein KI-Agent weder schlafe noch aufgebe und tausende Ziele gleichzeitig attackieren könne. Kriminelle nutzen nach Angaben von Avast vermehrt aktuelle Sicherheitsvorfälle als Köder und speisen erbeutete Datensätze direkt in automatisierte Betrugsversuche ein.
Nach einer kritischen Sicherheitslücke in der Skriptsprache PHP Mitte Oktober 2026, von der Millionen Websites betroffen waren, warnte Avast vor einer zweiten Angriffswelle.
Bei den damaligen Vorfällen entwendeten Angreifer sensible Daten wie Namen, Adressen und Warenkörbe, teils sogar echte Zertifikatsschlüssel. Ein digitales Vorhängeschloss im Browser biete daher keinen verlässlichen Schutz mehr vor gefälschten Seiten, die auf Zugangsdaten für Online-Banking und E-Mail-Konten abzielen.
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Starker Anstieg bei zielgerichteten Angriffen
Dass die Bedrohungslage spürbar anzieht, belegen aktuelle Erhebungen von KnowBe4 in der achten Ausgabe des Berichts zu Phishing-Trends. Demnach legte das gesamte Phishing-Volumen im Jahresvergleich um 29,8 Prozent zu. Im Schnitt handelte es sich bei einer von 733 empfangenen E-Mails um eine schädliche Nachricht.
Besonders zielgerichtete Angriffe verzeichnen Zuwächse: Das Spear-Phishing kletterte um 41,1 Prozent, während das Ausspähen im Vorfeld eines Angriffs um 33,7 Prozent zunahm. Zudem wuchs der Einsatz von Phishing-Baukästen um 54 Prozent und machte 29,2 Prozent aller eingehenden Schad-E-Mails aus. Angreifer reagieren laut den Erhebungen 5,4-mal schneller auf aktuelle Nachrichten als noch 2022.
Auch staatliche Akteure greifen auf die Technologie zurück. Berichten von Microsoft Threat Intelligence zufolge nutzen nordkoreanische Hackergruppen KI für Phishing, Identitätsdiebstahl sowie das Erstellen von Schadsoftware. Von acht untersuchten Gruppierungen befinden sich bereits drei auf der höchsten Stufe der operativen Nutzung.
Im August und September 2026 erstellte eine dieser Gruppen über 100 gefälschte PDF-Dokumente, teils Dutzende innerhalb weniger Minuten. Seit Ende Oktober 2026 setzen die Gruppen Onyx Sleet und Pearl Sleet zudem das Open-Source-KI-Framework ARTEX ein, auch wenn vollkommen autonome Angriffe bislang noch nicht beobachtet wurden.
UNODC mahnt zweigleisigen Schutzansatz an
Nach Einschätzung des UNODC senkt KI die technischen Hürden für Cyberkriminelle erheblich. Die Technologie erleichtere das Verfassen glaubwürdiger Texte, die Erstellung manipulierter Bild-, Audio- oder Videoaufnahmen und erlaube weitreichendes Social Engineering in großem Maßstab.
Die Organisation drängt daher auf einen zweigleisigen Ansatz aus technischer Cybersicherheit und aktiver Prävention. Neben robusten Zugriffskontrollen und fortlaufender Schwachstellenüberwachung seien Aufklärung und Meldesysteme unverzichtbar. Gleichzeitig könne künstliche Intelligenz auch auf der Verteidigerseite wertvolle Dienste leisten, um verdächtige Muster frühzeitig aufzuspüren.
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Sicherheitsexperten von Avast raten Nutzerinnen und Nutzern angesichts der automatisierten Angriffe zu gesteigerter Wachsamkeit. Zugriffsrechte von externen Anwendungen und KI-Werkzeugen in Mail-, Apple- oder Google-Konten sollten regelmäßig überprüft und veraltete Verknüpfungen konsequent gelöscht werden.
Zudem sollten für sensible Konten stets separate Passwörter zum Einsatz kommen und Bankgeschäfte ausschließlich über die offiziellen Apps oder manuell eingegebene Webadressen abgewickelt werden. Seriöse Dienstleister fordern Zugangsdaten niemals über mitgesendete Links an.
