Spanien, Millionen

Spanien: 600 Millionen Euro für KI-Förderung kleiner Unternehmen

Veröffentlicht am: 21.09.2026 um 23:43 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Spaniens Regierung plant 600 Millionen Euro für KI in kleinen Betrieben und fordert Haftung der Anbieter sowie stärkere öffentliche Aufsicht.

Sánchez legt Spaniens Plan für kontrollierte KI-Nutzung vor
Die neoklassizistische Fassade des Palacio de la Moncloa in Madrid bei Tageslicht. Illustration mit AI erstellt.

Spaniens Premierminister Pedro Sánchez hat sich in Madrid mit deutlichen Worten gegen eine unkontrollierte Entwicklung der Künstlichen Intelligenz ausgesprochen. Die Branche könne nicht sich selbst überlassen werden, da reine Selbstregulierung nicht funktioniere.

Eine Konzentration dieser Technologie in den Händen weniger Konzerne und Staaten bezeichnete der Regierungschef als großes Risiko für den gemeinsamen Wohlstand sowie für demokratische Institutionen. Zudem kritisierte er Vertreter führender Technologiekonzerne, die blindes Vertrauen einforderten, und verlangte stattdessen klare, von der Allgemeinheit kontrollierte Regeln.

In diesem Rahmen präsentierte Sánchez im Regierungssitz La Moncloa den zwölfmonatigen Aktionsplan „IA360: Plan für eine verantwortungsvolle KI-Einführung“.

Die Initiative sieht unter anderem vor, dass Technologieunternehmen künftig rechtlich und finanziell für die Auswirkungen ihrer Algorithmen haften müssen. Das betrifft insbesondere Risiken durch Deepfakes, Gefährdungen der psychischen Gesundheit von Jugendlichen sowie den Diebstahl geistigen Eigentums.

Milliardenförderung und Infrastrukturausbau

Ein zentraler Bestandteil des Vorhabens ist die wirtschaftliche Unterstützung von kleineren Betrieben. Über das Gutscheinprogramm „Bono Inteligencia Artificial“ sollen 600 Millionen Euro für kleine und mittlere Unternehmen sowie Selbstständige bereitgestellt werden.

Ein erster Testlauf ist für das erste Halbjahr 2027 geplant, gefolgt von einer allgemeinen Ausschreibung vor Ende 2027. Das übergeordnete Ziel der Regierung lautet, dass bis zum Jahr 2030 mehr als 50 Prozent der spanischen Unternehmen KI-Technologien anwenden.

Anzeige

Wer sich mit der rechtssicheren Einführung von Algorithmen befasst, benötigt einen klaren Überblick über die neuen gesetzlichen Rahmenbedingungen. Dieser kostenlose Umsetzungsleitfaden erklärt kompakt alle relevanten Fristen, Pflichten und Risikoklassen der aktuellen EU-KI-Verordnung. EU AI Act in 5 Schritten verstehen

Nach Angaben des Nationalen Statistikamts setzten im ersten Quartal 2025 rund 21,1 Prozent der Unternehmen mit mindestens zehn Beschäftigten entsprechende Systeme ein.

Ergänzend umfasst der Plan den Aufbau einer sogenannten KI-Gigafactory und die Entwicklung spezialisierter Modelle in Zusammenarbeit mit dem Barcelona Supercomputing Center in Bereichen wie Klima, Energie und Gesundheit.

Geplante Rechenzentren sollen hohen Umwelt- und Energiestandards genügen und zur Datenautonomie beitragen. Gleichzeitig kündigte Sánchez an, die Lehrpläne der Sekundar- und Berufsbildung anpassen zu lassen, um den verantwortungsvollen Umgang mit den Technologien zu schulen.

Institutionelle Aufsicht und internationaler Rahmen

Für Oktober kündigte der Premierminister Gespräche mit Gewerkschaften und Arbeitgeberverbänden an. Ziel sei ein nationales Abkommen im Sinne eines Sozialvertrags, der die Risiken der Technologie für den Arbeitsmarkt und die Beschäftigungssicherheit adressiert.

Anzeige

Da die regulatorischen Anforderungen an künstliche Intelligenz stetig wachsen, stehen viele Unternehmen vor neuen Compliance-Herausforderungen. Erfahren Sie in diesem kostenlosen Report, welche Systeme konkret als Hochrisiko eingestuft werden und welche Dokumentationspflichten jetzt auf Sie zukommen. Kostenlosen KI-Umsetzungsleitfaden herunterladen

Auf institutioneller Ebene stützt sich die Strategie auf Spaniens erste dedizierte KI-Aufsichtsbehörde AESIA in A Coruña, an der ein Sicherheitsinstitut für offensive Frontier-Modelle entstehen soll.

Der nationale Gesetzentwurf zur Regulierung war im Mai vom Kabinett an das Parlament übermittelt worden; mit einer Verabschiedung wird jedoch nicht vor Ende 2027 gerechnet. Eine gänzlich neue internationale Aufsichtsbehörde lehnte Sánchez ab und sprach sich stattdessen für eine Stärkung des KI-Büros der Europäischen Union sowie des UN-Gremiums aus.

Vor seiner Abreise zur UN-Generalversammlung in die USA betonte Sánchez die Relevanz des Themas für das Land: Fast die Hälfte der spanischen Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter nutze generative KI, und Spanien belege in Erhebungen der Stanford University die Ränge sechs oder sieben.

In den USA vertritt die Führung unter Präsident Donald Trump derweil einen gegensätzlichen Kurs; dort wurden Bedenken hinsichtlich existenzieller Gefahren durch KI zurückgewiesen und strengere Kontrollen abgelehnt.

Disclaimer...

de | wissenschaft | 70147585 |