Spam-Rekord, Anrufe

Spam-Rekord Juni: 626.555 Anrufe und KI-Betrug nehmen zu

Veröffentlicht: 13.07.2026 um 19:44 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Die Bundesnetzagentur meldet 13 Prozent mehr Beschwerden über unerlaubte Werbeanrufe. KI-gestützte Betrugsmethoden wie Vishing nehmen rasant zu.

KI-Telefonbetrug: Rekord bei Spam-Anrufen im ersten Halbjahr 2026
Ein Smartphone-Bildschirm zeigt eine Benachrichtigung über einen blockierten Anruf, im Hintergrund eine unscharfe, besorgte Person. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Betrüger setzen zunehmend auf künstliche Intelligenz und perfide psychologische Tricks.

Die Bundesnetzagentur registrierte von Januar bis Juni 21.552 Beschwerden über unerlaubte Telefonwerbung. Das sind 13 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Besonders häufig meldeten Verbraucher Anrufe zu angeblichen Gewinnspielen – sie machten knapp 30 Prozent der Fälle aus. Dahinter folgen Dienstleistungsangebote und Energieversorger.

Die Behörde kann bei Verstößen Bußgelder von bis zu 300.000 Euro verhängen. Allein 2025 setzte sie Strafen in Höhe von 1,1 Millionen Euro fest.

Rekordwert im Juni: Über 626.000 Spam-Anrufe

Private Analysedienste wie Clever Dialer bestätigen den Trend. Im Juni 2026 registrierte der Dienst 626.555 Spam-Anrufe – ein Plus von 19,5 Prozent gegenüber Mai. Besonders auffällig: Eine Nummer aus dem Düsseldorfer Raum wurde allein im Juni über 49.000 Mal blockiert.

Die Methode dahinter heißt „Number Cycling“. Betrüger wechseln ständig ihre Rufnummern, um Sperrlisten zu umgehen.

Die „Ja-Masche“ lebt – KI macht sie gefährlicher

Eine altbekannte Betrugsmasche erlebt ein Comeback: Täter provozieren am Telefon ein einfaches „Ja“. Sie tarnen sich als Umfrageinstitute und fragen nach Namen, Aufzeichnungserlaubnis oder Immobilienbesitz. Ziel ist es, die Tonaufnahme später in fingierte Vertragsabschlüsse hineinzuschneiden.

Eine Fachanwältin stellt klar: Auf diese Weise kommt kein rechtswirksamer Vertrag zustande. Die Beweispflicht für einen wirksamen Abschluss liegt beim Anrufer.

Doch die eigentliche Gefahr geht von KI aus. Sogenannte Vishing-Angriffe – Betrugsversuche über IP-Telefonie – nahmen im Jahresvergleich um 442 Prozent zu. Besonders perfide: KI-generierte Stimmen. Laut Marktbeobachtungen verloren 77 Prozent der Opfer solcher Deep-Fake-Anrufe Geld.

Auch beim Phishing zeigt sich die neue Effizienz. KI-generierte Mails erreichen eine Klickrate von 54 Prozent. Klassische Betrugsmails liegen gerade einmal bei 12 Prozent.

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Sparkassen-Kunden im Visier

Aktuelle Betrugswellen zielen verstärkt auf Kunden der DKB, Sparkassen und Volksbanken. Bei den Sparkassen nutzen Angreifer eine laufende Systemumstellung aus. Die S-ID-Check-App wird bis Ende Januar 2027 eingestellt und durch die S-pushTAN-App ersetzt. Betrüger versenden gefälschte Nachrichten zur Re-Authentifizierung.

Sicherheitsexperten beobachten zudem neue Schadsoftware. „PromptSpy“ zielt speziell auf Android-Geräte ab und nutzt Funktionen der Gemini-KI. Ein autonomer Ransomware-Angriff namens „JADEPUFFER“ markiert eine neue Eskalationsstufe bei KI-gestützten Cyber-Attacken.

Ermittler erzielen Erfolge

Trotz steigender Fallzahlen gibt es Erfolge im Kampf gegen die organisierte Kriminalität. In der internationalen Aktion „Operation First Light“ nahmen Ermittler 5.800 Verdächtige fest und sicherten Vermögenswerte in Höhe von 270 Millionen Euro.

Auf regionaler Ebene schalteten die Kriminalpolizei Freiburg und das Landeskriminalamt Baden-Württemberg rund 50 betrügerische Webseiten ab. Die Täter gaben sich als „Betrugsexperten“ aus und versprachen Opfern von Anlagebetrug die Rückholung ihres Geldes – gegen eine Anzahlung. Die Methode ist als „Recovery Scam“ bekannt.

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So schützen Sie sich

Verbraucherschützer und Polizei raten zu erhöhter Vorsicht. Melden Sie sich am Telefon nur mit einem neutralen „Hallo“. Beantworten Sie Fragen stets in vollständigen Sätzen, um das Wort „Ja“ zu vermeiden.

Bei verdächtigen Anrufen: Legen Sie sofort auf und melden Sie die Nummer der Bundesnetzagentur oder der Polizei.

Eine Tech-Journalistin weist zudem darauf hin, dass Banken bei ungewöhnlichen Überweisungen eigene Schutzmaßnahmen verstärken sollten. Psychologische Tricks wie das „Good Cop, Bad Cop“-Schema schränken die Urteilsfähigkeit der Opfer gezielt ein.

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