Spam-Anrufe: 573.385 Fälle im Juli – Deutschland warnt verstärkt
Veröffentlicht am: 10.08.2026 um 07:43 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Ermittler gehen weltweit härter gegen organisierte Cyberkriminalität vor. In Asien fordern Staatsanwälte langjährige Haftstrafen für Telefonnummern-Manipulation, während Deutschland weiterhin hohe Fallzahlen bei Spam-Anrufen verzeichnet.
Fünf Jahre Haft für Phishing-Infrastruktur gefordert
Die Staatsanwaltschaft hat in einem aktuellen Verfahren fünf Jahre Freiheitsstrafe für einen 21-jährigen Mann beantragt. Ihm wird vorgeworfen, im Auftrag einer ausländischen Phishing-Organisation Relaisstationen betrieben zu haben. Damit manipulierte er Anrufer-IDs, um als vertrauenswürdiger lokaler Anschluss zu erscheinen.
Zwischen Oktober 2025 und Mai 2026 soll der Angeklagte unter dem Pseudonym „Park“ Mobilfunknummern verändert haben. Laut Anklage wurden 39 Personen geschädigt, der Gesamtschaden liegt bei rund 1,1 Milliarden Won. Zusätzlich beantragte die Staatsanwaltschaft die Einziehung von Taterträgen in Höhe von 37,04 Millionen Won. Das Urteil wird Ende September erwartet.
Globales Muster: Gleiche Masche, verschiedene Länder
Der Fall reiht sich in ein internationales Muster ein. Bereits zuvor wurde ein 42-Jähriger zu fünf Jahren und drei Monaten Haft verurteilt. Er hatte VoIP-GSM-Gateway-Geräte installiert, die für Betrugsmaschen mit einem Schaden von über 1,6 Millionen Singapur-Dollar genutzt wurden. Die Geräte waren mit 131 Mobilfunknummern verbunden, die Gegenstand polizeilicher Ermittlungen waren.
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Deutschland: 573.385 Spam-Anrufe im Juli
Auch hierzulande bleibt die Belastung hoch. Allein im Juli 2026 registrierten die Behörden 573.385 Spam-Anrufe. Das Landeskriminalamt (LKA) Schleswig-Holstein warnt verstärkt vor Identitätsdiebstahl. Laut Erhebungen aus dem Jahr 2024 waren bereits etwa 11 Prozent der Erwachsenen in Deutschland betroffen.
Aktuell kursiert zudem eine Phishing-Welle im Namen des Bundeszentralamts für Steuern (BZSt). In gefälschten E-Mails locken Kriminelle mit einer angeblichen Steuererstattung von 263 Euro. Wer auf den Link klickt, landet auf gefälschten Webseiten. Experten raten: Portale wie ELSTER immer direkt aufrufen, niemals Links aus unaufgeforderten Nachrichten folgen.
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KI als neue Waffe der Angreifer
Die Bedrohungslage entwickelt sich rasant. Die Lünendonk-Studie 2026 sieht Cybersecurity und Resilienz als zentrale Trends bis 2028 – besonders durch agentenbasierte und generative KI. Dass diese Technologien bereits missbräuchlich genutzt werden, zeigt ein Bericht des Unternehmens Genians. Die nordkoreanische Hackergruppe Kimsuky entwickelt demnach KI-Tools, um Phishing-Kampagnen zu automatisieren.
Die Verteidiger rüsten ebenfalls auf. Apple schloss kürzlich 23 Schwachstellen in iOS 26.6.1 und macOS – nachdem ein Exploit-Kit bereits zehntausende Geräte infiziert hatte. Besonders kritisch: eine Lücke in der Screen-Sharing-Funktion.
Kostenloses Web-Seminar als Schutzmaßnahme
Behörden und Verbraucherschützer setzen auf Prävention. Am 19. August 2026 veranstalten das LKA und die Verbraucherzentrale ein kostenloses Web-Seminar. Themen sind Fake-Shops und manipulierte Nachrichten. Als Grundschutz empfehlen Experten starke Passwörter, Zwei-Faktor-Authentifizierung (2FA) und Passkeys.
