Soziale Rezepte vom Hausarzt: Karlsruhe bekämpft Altersarmut
14.06.2026 - 08:12:57 | boerse-global.de
Ein Karlsruher Pilotprojekt will gegensteuern – mit „sozialen Rezepten“ vom Hausarzt.
Die Zahlen sind alarmierend: 19,5 Prozent der Menschen ab 65 Jahren gelten bundesweit als arm. Besonders hart trifft es Frauen über 75 – hier liegt die Armutsquote bei 21,3 Prozent. Die Folgen sind nicht nur ein leerer Geldbeutel, sondern oft auch Mangelernährung und soziale Isolation.
Hausarzt wird zum Lotsen
Anzeige: Fast jeder fünfte Rentner ist von Armut betroffen – mit Folgen wie Mangelernährung und Isolation. Der neue Ratgeber zeigt, wie Sie frühzeitig handeln und Ihren Angehörigen helfen können. Jetzt kostenlosen Ratgeber anfordern
Seit dem 12. Juni 2026 testet Karlsruhe einen neuen Ansatz. Zwei Hausarztpraxen können Patienten nun „soziale Rezepte“ ausstellen. Die Verordnung umfasst warme Mahlzeiten und eine integrierte Sozialberatung.
Die Idee: Ärzte erkennen Mangelernährung früh und leiten direkt konkrete Hilfe ein. Kooperationspartner sind die Kulturküche Karlsruhe und das AWO-Wohncafé Rintheim. Dort bekommen Senioren nicht nur eine warme Mittagsmahlzeit, sondern knüpfen auch soziale Kontakte.
Sechs Monate Testphase
Anzeige: Mangelernährung im Alter wird oft übersehen – dabei gibt es konkrete Hilfsangebote. Erfahren Sie in unserem Leitfaden, wie Sie soziale Angebote in Ihrer Stadt finden und welche Rechte Senioren haben. Leitfaden jetzt sichern
Die Stadt Karlsruhe finanziert das Pilotprojekt. Sechs Monate lang sammeln die Beteiligten Daten zu Nutzung und Gesundheitsauswirkungen. Die Ergebnisse sollen bis 2027 in einen städtischen Aktionsplan fließen – mit dem Ziel, die Ernährungssicherung für arme Senioren dauerhaft zu verankern.
Wohlfahrtsverbände fordern mehr
Ulf Hartmann vom Paritätischen Wohlfahrtsverband Baden-Württemberg begrüßt das Projekt, fordert aber einen größeren Wurf. „Wir brauchen eine ganzheitliche Armutsstrategie“, sagt er. Lokale Projekte seien wichtig, könnten aber die strukturelle Bekämpfung der Altersarmut nicht ersetzen. Nur so lasse sich die Lebensqualität im Alter nachhaltig sichern.
