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Soziale Netzwerke: Lancet-Analyse bündelt 121 Studien mit 9 Millionen jungen Menschen

Veröffentlicht am: 07.10.2026 um 07:54 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Eine Auswertung von 121 Studien verknüpft problematische Mediennutzung mit Gesundheitsrisiken, belegt jedoch keine eindeutige Ursache-Wirkung.

Lancet-Studien zu sozialen Medien: Risiken und Forderungen für Jugendliche
Eine einsame Parkbank in einer nebligen, herbstlichen Parkanlage bei natürlichem Morgenlicht. Illustration mit AI erstellt.

Die Debatte über den Einfluss digitaler Netzwerke auf das Wohlbefinden Heranwachsender erhält durch eine im Oktober 2026 im Fachjournal The Lancet veröffentlichte dreiteilige Studienreihe neue wissenschaftliche Anhaltspunkte.

Ein internationales Forschungsteam trug im Rahmen eines sogenannten Umbrella Reviews die Ergebnisse aus 121 Studien zusammen, die Daten von rund 9 Millionen Menschen unter 25 Jahren umfassen.

Die Veröffentlichung zeichnet ein differenziertes Bild: Einerseits bestehen deutliche statistische Verbindungen zwischen suchtähnlichen Nutzungsmustern und gesundheitlichen Beeinträchtigungen, andererseits liegt darin kein eindeutiger Nachweis von Ursache und Wirkung.

Risiken problematischer Nutzung und die Rolle des Maßes

Die Auswertung verdeutlicht eine starke Assoziation zwischen suchtähnlichen Nutzungsmustern digitaler Medien und einem erhöhten Risiko für psychische Probleme, schlechteren Schlaf sowie eine geringere körperliche Aktivität.

Wiederkehrende Zusammenhänge zeigen sich zudem mit Angstzuständen, Depressionen und neurologischen Entwicklungsstörungen wie ADHS oder Autismus. Die Forschenden heben dabei hervor, dass die Bildschirmzeit diese Entwicklungsstörungen nicht verursacht.

Gleichzeitig verweist die Übersichtsarbeit darauf, dass die Mediennutzung nicht grundsätzlich schädlich wirkt: Ein moderater und maßvoller Umgang ging bei jungen Menschen mit höherem Wohlbefinden und teils gesünderen Lebensstilen einher. Gravierende Folgen werden primär bei zeitlicher Überlastung verzeichnet.

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Nach Schätzungen der Studienautoren sind weltweit mehr als zwei Stunden tägliche Bildschirmzeit mit rund 2,8 Millionen verlorenen gesunden Lebensjahren durch Depressionen und andere psychische Erkrankungen verbunden. Rund 240.000 verlorene gesunde Lebensjahre entfallen demnach auf Adipositas, was vor allem auf eine verminderte körperliche Aktivität zurückgeführt wird.

Debatte um Altersgrenzen und Lehren aus der Tabakkontrolle

Vor dem Hintergrund der Ergebnisse fordern die Autoren der Lancet-Reihe sofortige Gegenmaßnahmen. Studienleiterin Ilona Kickbusch betonte, dass digitale Technologien zwar ein fester Bestandteil des Lebens von Kindern und Jugendlichen seien, Regierungen den Technologieunternehmen jedoch lange Zeit eigene Betriebsregeln überlassen hätten. Bloße Altersbeschränkungen griffen zu kurz, weshalb ein umfassenderer internationaler Ansatz notwendig sei.

Ähnlich positionierte sich die an der Serie beteiligte Politikwissenschafterin Barbara Prainsack von der Universität Wien. Sie bezeichnete Altersgrenzen als wichtiges Puzzlestück und Schritt in die richtige Richtung, sieht darin jedoch keine endgültige Gesamtlösung.

Zudem müsse eine Altersprüfung datenschutzfreundlich konzipiert sein und dürfe keine zusätzlichen sensiblen Daten sammeln. In diesem Zusammenhang äußerte Prainsack Vorbehalte gegenüber einer Alterskontrolle über Systeme wie die ID Austria bezüglich Zugänglichkeit und Datenschutz.

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Prainsack verglich die Geschäftsmodelle der Digitalkonzerne mit dem Vorgehen der Tabakindustrie und verwies auf ein dreistufiges Muster: das Säen von Zweifeln an der wissenschaftlichen Evidenz, die Diskreditierung von Kritikern sowie die Darstellung staatlicher Regulierung als Einschränkung persönlicher Freiheit.

Statt pauschaler Totalverbote plädierte sie für eine adaptive, vorsorgliche Regulierung, Verbote suchterzeugender Funktionen wie endlosem Scrolling, Autoplay und Snapchat-Flammen sowie internationale Rahmenverträge nach dem Vorbild der Tabakkontrolle der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Auch der sogenannte Brüssel-Effekt der Europäischen Union biete dafür einen geeigneten Hebel.

Auf regulatorischer Ebene zeichnen sich bereits Initiativen ab: Während Australien als erstes Land ein Social-Media-Verbot für Unter-16-Jährige durchgesetzt hat, arbeitet die Bundesregierung an einem Gesetz zur Altersbeschränkung auf entsprechenden Plattformen. Auch in Österreich ist ein Gesetzesentwurf zur Altersgrenze geplant.

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