Soziale Medien: ChatGPT, Reddit und Roblox unterliegen ab Januar strengeren Regeln
Veröffentlicht am: 31.08.2026 um 21:04 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Europäische Union forciert ihre Pläne für neue gesetzliche Beschränkungen beim Zugang von Kindern zu sozialen Medien. Wie aus Brüssel verlautet, nähert sich die EU-Kommission konkreten Vorgaben, nachdem ein Expertengremium Empfehlungen zum Schutz Minderjähriger im digitalen Raum erarbeitet hat. Ein entsprechender Bericht wurde bereits im Juli vorgelegt und dient nun als Grundlage für kommende Gesetzesinitiativen.
Fokus auf Altersgrenzen und elterliche Zustimmung
Die Empfehlungen des Expertengremiums umfassen ein breites Spektrum an Maßnahmen, die von vollständigen Verboten bis hin zu selektiven Funktionsbeschränkungen reichen. Ein zentraler Punkt der Diskussion ist die Einführung einer EU-weiten Altersbeschränkung unter 13 Jahren für sogenannte „Social-Media+“-Funktionen.
Während ursprünglich sehr strikte Altersgrenzen im Gespräch waren, zeichnet sich nun eine Kurskorrektur ab. Der überarbeitete Plan sieht verstärkt auf elterliche Zustimmung sowie die Bekämpfung süchtig machender Algorithmen vor.
Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen signalisierte Unterstützung für strengere Schutzmaßnahmen. Sie betonte die Notwendigkeit altersgerechter Beschränkungen. Hintergrund dieser Bestrebungen sind besorgniserregende Daten zur Mediennutzung: Kinder verbringen täglich zwischen 4 und 6 Stunden vor Bildschirmen.
Zudem geben Erhebungen an, dass 60 % der jungen Nutzer online mit emotionalen oder psychosozialen Problemen konfrontiert werden. Eine formelle politische Ankündigung der neuen Strategie wird für September im Rahmen der Rede zur Lage der Union erwartet.
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Strengere Auflagen für Plattformen und KI-Dienste
Parallel zu den neuen Gesetzgebungsplänen weitet die EU die Anwendung des Digital Services Act (DSA) aus. Die Kommission hat ChatGPT offiziell als sehr große Online-Suchmaschine (VLOSE) sowie Reddit und Roblox als sehr große Online-Plattformen (VLOP) eingestuft. Damit unterliegen diese Dienste verschärften Prüfstandards und Verpflichtungen.
Bis Januar 2027 haben die Unternehmen Zeit, die Anforderungen zu erfüllen. Dies beinhaltet insbesondere die Bewertung systemischer Risiken und der negativen Auswirkungen auf das psychische Wohlbefinden von Minderjährigen.
EU-Technologiechefin Henna Virkkunen hob hervor, dass ChatGPT damit der erste KI-Chatbot sei, der diesen strengeren Regeln unterliege. Das bereits bestehende Gesetz über Online-Inhalte verpflichtet Plattformen zudem zur Entfernung schädlicher Inhalte und verbietet gezielte Werbung für Kinder.
Ergänzend dazu bereitet die EU ein Gesetz für digitale Gerechtigkeit (Digital Equity Law) vor. Laufende Untersuchungen, unter anderem gegen den Meta-Konzern, sollen noch vor Ende des Sommers abgeschlossen werden.
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Internationaler Trend zu restriktiverer Regulierung
Die Entwicklungen in der EU sind Teil eines globalen Trends. Mehrere Staaten haben bereits eigenständige Regelungen implementiert oder planen diese. Australien verbot im Dezember 2025 den Zugang zu sozialen Medien für unter 16-Jährige, während Großbritannien ähnliche Schritte bis 2027 plant. In Frankreich wurde ein Verbot für Kinder unter 15 Jahren verabschiedet, das für neue Konten ab September wirksam wird.
Andere Nationen setzen auf kombinierte Modelle: In Brasilien müssen Konten von unter 16-Jährigen seit März mit denen der Erziehungsberechtigten verknüpft sein; bei Verstößen drohen Bußgelder von bis zu 50 Millionen Reais. Malaysia sieht bei Verstößen gegen das Verbot für unter 16-Jährige Bußgelder von bis zu 10 Millionen Ringgit vor. Auch in Indien und China gelten bereits spezifische Datenschutz- und Nutzungsregeln für Minderjährige.
Trotz der Tendenz zu Verboten mahnen Digitalrechtsexperten an, die Plattformen insgesamt sicherer zu gestalten, statt lediglich den Zugang zu beschränken. Auch aus dem Europaparlament kommen Stimmen, die eine präzise Regulierung fordern, da Eltern im Kampf gegen komplexe Algorithmen oft auf sich allein gestellt seien.
