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Soziale Medien: 25 Prozent der Jugendlichen verbringen zu viel Zeit online

Veröffentlicht am: 17.10.2026 um 17:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Studien zeigen, dass Bewegung, Achtsamkeitsübungen und klare Lernstrukturen Aufmerksamkeit und Gedächtnis fördern können.
Ein aufgeräumter Schreibtisch mit einer Teetasse und einem leeren Notizbuch in ruhigem, natürlichem Licht. Illustration mit AI erstellt.

In einer durch digitale Reize und ständige Erreichbarkeit geprägten Umgebung steht die menschliche Konzentrationsfähigkeit vor wachsenden Herausforderungen.

Martin Korte, Neurobiologe an der TU Braunschweig, widmete sich in einem Gespräch mit dem Sender SWR Kultur der Frage, inwiefern Smartphones, soziale Netzwerke und Benachrichtigungen die Aufmerksamkeit nachhaltig schädigen und wie sich kognitive Ressourcen gezielt lenken lassen.

Nach Angaben der SWR-Medienbildung verbringen rund 25 Prozent der Jugendlichen im Alter von 10 bis 17 Jahren viel zu viel Zeit mit sozialen Medien, was Denkprozesse, emotionales Erleben und das Verstehen beeinträchtigt.

Biologische Auslöser von Blockaden und Ablenkungen

Kognitive Leistungsausfälle treten häufig in Belastungssituationen auf. Korte verweist darauf, dass bei akutem Stress große Mengen an Glukokortikoiden, darunter Kortisol, ausgeschüttet werden. Diese Botenstoffe wirken unter anderem direkt auf den Hippocampus, der für das Abspeichern neuer Informationen sowie für das Erinnern unverzichtbar ist.

Im Alltag beruhen viele scheinbare Gedächtnislücken jedoch schlicht auf fehlender Aufmerksamkeit. Yolanda Gutiérrez vom Hospital Universitario Vithas Madrid Arturo Soria betont, dass typische Lapsus wie das Verlegen von Schlüsseln oder das plötzliche Vergessen des Ziels beim Betreten eines Raumes keine Anzeichen einer Demenz oder von Alzheimer darstellen.

Ursächlich sei vielmehr, dass das Gehirn der aktuellen Handlung zu wenig Aufmerksamkeit widme. Neue Sinneseindrücke und rasche Kontextwechsel lenken ab. Um dem entgegenzuwirken, helfe es, im Moment präsent zu bleiben, gedanklich den Weg zurückzugehen und stets nur eine Aufgabe auf einmal auszuführen.

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Physische Aktivität als Impuls für die Hirnstruktur

Körperliche Bewegung entfaltet laut wissenschaftlichen Erhebungen messbare Effekte auf Hirnareale, die für die Konzentration zentral sind. Ausdauersportarten wie Laufen, Radfahren, Schwimmen oder Walking fördern das Wachstum des anterioren Hippocampus und sichern damit das episodische sowie das räumliche Gedächtnis ab.

In einer Untersuchung an 120 älteren Erwachsenen führte Walking an drei Tagen pro Woche für jeweils mindestens 30 Minuten zu einer Volumenzunahme dieser Hirnregion um etwa 2 Prozent, während eine Kontrollgruppe mit reinen Dehnübungen im gleichen Zeitraum einen Rückgang um etwa 1,4 Prozent verzeichnete.

Auch andere Trainingsformen erzielen spezifische Wirkungen:
- Koordinationssport wie Tanzen, Klettern oder Skaten aktiviert über den zerebralen neurotrophen Faktor neuronale Verteilungen, erhöht die graue Substanz und verlängert die Aufmerksamkeitsspanne.
- Krafttraining stärkt den präfrontalen Kortex und hebt die Resilienz gegenüber Stress.
- Körper-Geist-Praktiken wie Yoga, Tai-Chi oder Bogenschießen verdicken die Großhirnrinde, insbesondere im linken Frontallappen.

Zur Leistungssteigerung wird zudem das sogenannte Brain Endurance Training genutzt, das kognitive Ermüdungsaufgaben mit körperlichen Einheiten verbindet. Das Konzept basiert auf dem psychobiologischen Modell der Ausdauerleistung von Samuele Marcora.

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In zwei randomisierten kontrollierten Studien mit 50 trainierten Radsportlern aus dem Jahr 2023, an denen Marcora und Walter Staiano mitwirkten, hielten Teilnehmende der Trainingsgruppe Belastungen länger stand und nahmen Anstrengungen bei gleicher Intensität als geringer wahr.

Achtsamkeit und strukturierte Lernstrategien

Neben Bewegung unterstützen mentale Techniken die Fokussierung. Eine im August 2026 veröffentlichte Studie des Zentrums für Psychologische Psychotherapie der Universität Heidelberg untersuchte 90 Jugendliche im Alter von 11 bis 19 Jahren mit Depressionen, Angststörungen oder ADHS in ambulanter kognitiver Verhaltenstherapie.

Die Gruppe, die vor den 24 Sitzungen jeweils fünf bis zehn Minuten kurze Achtsamkeitsübungen wie Atemübungen, Gehübungen oder einen Body Scan absolvierte, zeigte einen stärkeren Rückgang der Symptome als eine Kontrollgruppe ohne strukturierte Einleitung. Zugleich bewerteten die Jugendlichen das therapeutische Verhältnis positiver.

Weitere Ansätze für den Alltag bieten klare Zeitstrukturen. An der Scuola Paritaria S. Freud in Mailand formulierte Strategien empfehlen, Arbeitseinheiten in Blöcke von 25 bis 30 Minuten mit kurzen Pausen zu gliedern sowie Lerninhalte durch Selbstbefragung und Zusammenfassungen aktiv zu bearbeiten. Das bewusste Reduzieren von Reizen und das Unterlassen von Multitasking bilden die Basis für eine stabile Aufmerksamkeitsspanne.

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