Soziale Kontakte: Familienbesuche schützen Psyche stärker als Sport
Veröffentlicht am: 24.07.2026 um 06:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Inklusive Literaturprojekte, Demenz-Therapie und soziale Netzwerke – bundesweit entstehen neue Angebote für gesellschaftliche Teilhabe. Wissenschaftliche Studien untermauern den Trend.
MAKS-Therapie bremst Demenz-Verlauf
Strukturierte Therapieprogramme zeigen bei Demenz deutliche Erfolge. Die sogenannte MAKS-Therapie kombiniert motorische, alltagspraktische, kognitive und sozial-kommunikative Elemente. Eine Studie der Universität Erlangen aus dem Jahr 2021 belegt die Wirksamkeit: In der Therapiegruppe sanken die Werte im Mini-Mental-Status-Test innerhalb von sechs Monaten nur von 19,8 auf 19,4 Punkte. Die Kontrollgruppe verzeichnete einen deutlich stärkeren Rückgang von 19,1 auf 17,9 Punkte. Damit schnitt das Verfahren besser ab als rein medikamentöse Behandlungen.
Kulturelle Teilhabe ergänzt diese Ansätze. In Wemding erhielten eine Museumsleiterin und eine Musikpädagogin am 23. Juli Zertifikate als Demenzpartner. Das Projekt „Heimatklänge & Heimatbilder“ soll die kreative Selbstwirksamkeit älterer Menschen fördern. In Österreichs Thermenregion helfen standardisierte Piktogrammmappen in Pflegezentren, Sprachbarrieren zu überbrücken.
Soziale Kontakte stärken die psychische Widerstandsfähigkeit
Neue Forschungsergebnisse unterstreichen die Bedeutung sozialer Netzwerke. Eine 2026 veröffentlichte Studie von Jankovi? et al. mit 613 Erwachsenen identifizierte den Besuch von Familie und Freunden als stärksten Faktor für sozial-ökologische Resilienz. Besonders bei Menschen mit belastenden Kindheitserfahrungen zeigte sich dieser Zusammenhang deutlich. Sportliche Aktivitäten schnitten im Vergleich weniger zentral ab.
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Regionale Initiativen setzen diese Erkenntnisse um. In München läuft ein Schulschachprojekt an Grund-, Mittel- und Förderschulen weiter – seit 2020/21 erreichte es über 5.000 Teilnehmer. Die Ludwig-Maximilians-Universität untersucht die Auswirkungen auf Konzentration und sozial-emotionale Kompetenzen. In Wiesbaden testet ein Modellprojekt seit September 2025, wie sich Schulen enger mit Vereinen aus Sport, Kultur und Musik vernetzen lassen.
Millionen für inklusive Projekte
Die Deutsche Fernsehlotterie unterstützt ein inklusives Literaturprojekt der Lebenshilfe in Würzburg mit rund 200.500 Euro. „Literatur für alle“ läuft von Oktober 2026 bis September 2029 und umfasst inklusive Lese- und Schreibclubs.
In Nordrhein-Westfalen fördert die Sozialstiftung NRW den Bau eines Multifunktionshauses in Wuppertal-Uellendahl und -Dönberg mit 225.100 Euro. Die Einrichtung der Dr. Heinrich Feuchter-Stiftung bietet Wohngemeinschaften für Menschen mit Demenz, Räume für digitale Teilhabe, Kochkurse und Beratungsangebote.
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Weitere regionale Impulse:
- Soest: Die Stadtbücherei verleiht ab dem 3. August Werkzeuge, VR-Brillen und Outdoor-Ausrüstung.
- Gießen: Die Kulturloge vermittelte im vergangenen Jahr über 2.100 Freikarten an einkommensschwache Bürger – gefördert mit 12.500 Euro vom Landkreis.
- Badersleben: Eine Schnitzeljagd für Menschen mit geistigen Beeinträchtigungen stärkte am 22. Juli den Kontakt zu örtlichen Betrieben.
- Bad Wörishofen: Ein Musikprojekt für Menschen ab 50 Jahren ermöglicht gemeinsames Musizieren mit Leihinstrumenten.
Der Trend zeigt: Soziale Arbeit wird professioneller und vernetzter. Wissenschaftlich evaluierte Methoden und gezielte Förderungen sichern die gesellschaftliche Teilhabe über alle Altersgruppen hinweg.
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