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Soziale Arbeit: 87 Prozent der Befragten fürchten das Aus vor der Rente

Veröffentlicht am: 01.10.2026 um 02:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Eine ver.di-Erhebung unter 373 Teams dokumentiert hohe Arbeitslast, eingeschränkte Betreuungsqualität und Sorgen um den Verbleib im Beruf.

Soziale Arbeit unter Druck: ver.di-Umfrage zeigt Überlastung und Qualitätsverluste
Ein leerer, in gedämpftes Licht getauchter Flur in einem Bürogebäude, der eine Atmosphäre der Stille und Leere vermittelt. Illustration mit AI erstellt.

Die personelle Situation und die tägliche Arbeitsbelastung in der Sozialen Arbeit stehen zunehmend im Fokus fachlicher und gewerkschaftlicher Analysen. Mitte September 2026 stellte die Gewerkschaft ver.di den „Realitätscheck Soziale Arbeit“ vor, für den 373 Teams aus verschiedenen Feldern dieses Sektors befragt wurden. Die Ergebnisse zeichnen ein deutliches Bild von Überlastung, Qualitätsverlusten und Sorgen um die langfristige Berufsausübung.

Systemische Überlastung und qualitative Defizite

Die Erhebung von ver.di verdeutlicht, dass der Arbeitsdruck in den befragten Teams ein kritisches Niveau erreicht hat. Demnach berichten 79 % der Teams von einer deutlich gestiegenen Arbeitsmenge. Diese Entwicklung hat unmittelbare Auswirkungen auf die Betreuungsqualität: Ebenfalls 79 % der Befragten gaben an, häufig Qualitätsabstriche machen zu müssen.

Besonders gravierend zeigt sich dies in der Arbeit mit Schutzbefohlenen. Laut der Befragung können 77 % der Teams die Rechte und Bedürfnisse der betreuten Kinder, Jugendlichen und Familien oft oder sehr häufig nicht vollständig erfüllen.

Die persönliche Belastung der Beschäftigten spiegelt diese strukturellen Mängel wider. Knapp 79 % erreichen oft oder sehr häufig ihre Belastungsgrenze. Dies führt zu einer pessimistischen Einschätzung der eigenen Berufsbiografie: 87 % der Befragten äußerten die Sorge, ihren Beruf nicht bis zum Eintritt in die Rente ausüben zu können. Vor diesem Hintergrund fordert ver.di eine ausreichende Personalbemessung sowie eine Verbesserung der Qualifikationsstrukturen.

Psychische Folgen und Arbeitsbedingungen in der Praxis

Ergänzend zu den gewerkschaftlichen Daten verdeutlichen Berichte aus der fachlichen Ausbildung und von weiteren Arbeitnehmervertretungen die psychischen Auswirkungen des Fachkräftemangels.

An der Konrad-Zuse-Schule in Hünfeld thematisierte ein Fachtag Ende September 2026 das Spannungsfeld zwischen Nähe und Verantwortung in der Jugendhilfe. Dabei wurde am Beispiel einer Fachkraft, die zeitweise für acht Kinder oder Jugendliche gleichzeitig verantwortlich sein könne, die Notwendigkeit von mehr Personal und besseren Arbeitsbedingungen unterstrichen.

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Die Autorin Valeria Anselm betonte im Rahmen der Veranstaltung, dass Zuwendung und Professionalität nur dann vereinbar seien, wenn Grenzen respektiert würden und ausreichend Zeit zur Verfügung stehe.

Auch der Österreichische Gewerkschaftsbund (ÖGB) verwies Ende September 2026 auf massive Belastungen. Eine in diesem Zeitraum veröffentlichte Umfrage von karriere.at zeigt, dass 52 % der Befragten mindestens einmal wegen der Arbeit geweint haben, während 64 % von arbeitsbedingten Wutausbrüchen berichteten.

Jeweils 31 % der Teilnehmer erreichen laut der Umfrage mehrmals im Monat oder mehrmals im Jahr ihre emotionale Belastungsgrenze. Als wichtigste Entlastungsmaßnahme nannten 34 % der Befragten eine Reduzierung der Arbeitslast. Der ÖGB fordert daher eine konsequente Evaluierung psychischer Belastungen sowie eine stärkere Mitbestimmung.

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Strukturelle Defizite in Pflege und rechtlicher Absicherung

Die Problematik der Überlastung erstreckt sich auch auf angrenzende Bereiche wie die häusliche Pflege und den rechtlichen Rahmen der Sozialen Arbeit. Die Diakonie Österreich wies Anfang Oktober 2026 darauf hin, dass rund 80 % der pflegebedürftigen Menschen in Österreich zu Hause versorgt werden, wobei fast 70 % dieser Leistungen von Frauen erbracht werden.

Eine Repräsentativbefragung des Market-Instituts für die Diakonie ergab, dass zwei Drittel der Befragten die Pflegeunterstützung für unzureichend halten und jede zweite Person nicht weiß, an wen sie sich im Bedarfsfall wenden kann.

Parallel dazu wird auf politischer Ebene über die Stärkung der beruflichen Stellung von Beschäftigten in der Sozialen Arbeit debattiert. Die Gruppe Die Linke reichte Ende September 2026 eine Kleine Anfrage im Bundestag ein, um eine mögliche Ausweitung des Zeugnisverweigerungsrechts zu prüfen.

Bislang ist dieses Recht auf spezifische Gruppen wie die Sucht- oder Schwangerschaftskonfliktberatung begrenzt. Die Fragesteller fordern Aufschluss darüber, auf welche Erkenntnisse die Bundesregierung ihre Bedenken gegen eine solche Ausweitung stützt, um die professionelle Vertraulichkeit in der Sozialen Arbeit zu stärken.

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