Sonnenschutz: Verbraucherzentralen warnen vor wirkungslosen Astaxanthin-Pillen
03.06.2026 - 22:09:27 | boerse-global.de
Die Wissenschaft ist skeptisch.
Influencer und Hersteller bewerben Carotinoide wie Astaxanthin als natürlichen Sonnenschutz. Das Konzept klingt verlockend: Antioxidantien neutralisieren freie Radikale, die UV-Strahlung in der Haut verursacht. Empfohlen werden täglich rund 16 Milligramm Astaxanthin, oft kombiniert mit Himbeersamenöl oder Kokosöl. Einige Anbieter raten, bereits Wochen vor dem Sonnenbad mit der Einnahme zu beginnen.
Doch die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen und der Bundesverband der Verbraucherzentralen schlagen Alarm. Ende Mai und Anfang Juni 2026 stellten sie klar: Eine Schutzwirkung von Beta-Carotin, Lutein oder Astaxanthin gegen UV-Strahlung ist wissenschaftlich nicht belegt.
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Risiken statt Schutz
Die Experten warnen vor gesundheitlichen Gefahren. Besonders Beta-Carotin-Präparate können für Raucher riskant sein. Viele der Produkte stuften die Verbraucherschützer als überflüssig oder in bestimmten Konzentrationen sogar als gefährlich ein.
Ihr Fazit: Nahrungsergänzungsmittel ersetzen keine klassischen Schutzmaßnahmen. Sonnencreme, Kleidung und Schatten bleiben alternativlos.
Discounter schlagen Markenprodukte
Während die Debatte um innere Anwendung tobt, zeigt der Markt für äußere Sonnenschutzmittel klare Gewinner. Die Stiftung Warentest untersuchte im Juni 2026 zahlreiche Produkte – mit überraschendem Ergebnis.
Preiswerte Eigenmarken von Edeka, Aldi, dm, Lidl, Müller und Rossmann schnitten mit „sehr gut“ ab. Kostenpunkt: teils unter zwei Euro. Deutlich teurere Markenprodukte fielen dagegen wegen mangelhafter Schutzleistung durch.
Problemfall Octocrylen
Ein chemischer Filter bereitet Forschern weiter Sorgen. Eine Studie der Sorbonne und des CNRS aus dem Jahr 2021 zeigte: Octocrylen zersetzt sich bei längerer Lagerung in potenziell krebserregendes Benzophenon.
Nach einer simulierten einjährigen Lagerung stieg die Konzentration deutlich an. Experten raten: Sonnenschutzmittel aus dem Vorjahr entsorgen, wenn die Haltbarkeit abgelaufen ist oder die Textur sich verändert hat.
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Neue Wege für mehr Sonnenschutz
Nur 17,7 Prozent der Deutschen nutzen täglich Sonnenschutz, ergab eine Umfrage des IKW. Das soll sich ändern. Anfang Juni startete ein Pilotprojekt mit kostenlosen Sonnencreme-Spendern an öffentlichen Orten in Berlin, Köln und am Tegernsee.
Auf der Rohstoffseite setzen Hersteller verstärkt auf photostabile Filter wie Ethylhexyltriazon. Sie verbessern die Wasserbeständigkeit. Gleichzeitig gibt es regulatorische Hürden: Manche UVB-Filter sind in der EU zugelassen, in den USA aber durch die FDA streng beschränkt. Die Innovation zielt derzeit vor allem auf stabilere UVA-Filter und Clean-Skincare-Formulierungen ohne Silikone oder mineralische Öle.
