Sonnenblumenkernmehl: Fazenda Lieto liefert 54 Prozent pflanzliches Protein
Veröffentlicht am: 08.10.2026 um 08:03 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Nachfrage nach pflanzlichen Alternativen in der Lebensmittelindustrie führt zu neuen technologischen Entwicklungen bei Backzutaten. Im Mittelpunkt stehen funktionelle Inhaltsstoffe, die herkömmliche Rezepturen ohne tierische Bestandteile stabilisieren und zugleich den Nährwert steigern.
Eine zentrale Rolle spielen dabei Ölsaaten: Auf der Fachmesse Fi Europe in Frankfurt präsentieren das Distributionsunternehmen Nordmann und der Spezialzutatenhersteller Ulrick+Short vom 17. bis 19. November 2026 in Halle 4.1 an Stand 41K27 mit Fazenda Lieto ein neuartiges Sonnenblumenkernmehl für das vegane Backen.
Funktionelle Nährstoffprofile ohne klassische Allergene
Die technologische Herausforderung bei veganen Backwaren bestand lange darin, Textur, Mundgefühl und Nährstoffdichte ohne Milch, Eier oder Weizengluten zu gewährleisten. Nach Angaben von Ulrick+Short weist das Sonnenblumenkernmehl Fazenda Lieto einen Gehalt von 54 % pflanzlichem Protein sowie 21 % Ballaststoffen auf.
Zudem liefert der Rohstoff alle 9 essenziellen Aminosäuren. Durch die Zusammensetzung können entsprechende Rezepturen so konzipiert werden, dass gängige Allergene wie Milch, Weizen, Soja, Nüsse und Sesam vollständig ausgeschlossen werden.
Die anwendungstechnische Entwicklung des Mehls fand im Life Sciences Lab von Nordmann in Hamburg statt. Begleitend dazu zeigt Nordmann auf der Fi Europe 2026 drei weitere vegane und zuckerarme Anwendungskonzepte, die ebenfalls in der Hamburger Einrichtung entstanden sind: einen Brotaufstrich, einen Rührteig sowie einen Shake.
Wissenschaftliche Grundlagen und Marktperspektiven
Der Einsatz von Sonnenblumenmehl wird auch in der akademischen Forschung untersucht. Wissenschaftler der Universität São Paulo entwickelten laut einem Fachbericht ein Verfahren, um teilweise entfettetes Sonnenblumenkernmehl aus der Ölgewinnung für die Brotproduktion nutzbar zu machen.
Vegane Rezepturen scheitern selten am Geschmack, sondern an Textur und Nährstoffdichte — ohne Milch, Ei und Weizengluten wird das Stabilisieren zur Handarbeit. Sonnenblumenkernmehl mit 54 % pflanzlichem Protein und 21 % Ballaststoffen liefert dafür einen konkreten Baustein, der zugleich Milch, Weizen, Soja, Nüsse und Sesam aus der Zutatenliste heraushält. In 3 Schritten zur stabilen veganen Rezeptur — kostenlosen Rezeptur-Leitfaden anfordern
Die in der Fachzeitschrift ACS Food Science & Technology veröffentlichte Untersuchung ergab, dass der Ersatz von Weizenmehl zu einer Verdopplung des Proteingehalts sowie zu höheren Werten an Ballaststoffen und Antioxidantien führte.
Nach Erkenntnissen der Forscher enthält Sonnenblumenmehl zwischen 40 und 66 % Protein, wodurch sich Nebenströme der Verarbeitung aufwerten und regional verfügbare Zutaten gewinnen lassen.
Derartige Innovationen treffen auf einen wachsenden Absatzmarkt für funktionelle und nährstoffoptimierte Nahrungsmittel. Laut einer Prognose des Marktforschungsunternehmens Research and Markets soll der europäische Markt für Mahlzeitenersatz bis 2034 auf ein Volumen von 4,26 Mrd. US-Dollar anwachsen, bei einer jährlichen Wachstumsrate von 7,56 %.
Auch auf politischer Ebene wird die Bedeutung alternativer Proteine betont. Laut einem am 5. Oktober 2026 an Bundesagrarminister Alois Rainer übergebenen Positionspapier der Initiative „Forum Proteine der Zukunft auf den Teller“ war Deutschland im Jahr 2025 mit einem Marktvolumen von 1,71 Mrd. Euro der größte europäische Markt für pflanzenbasierte Erzeugnisse.
Soja, Nüsse, Sesam: Drei Allergene, die jede vegane Rezeptur in der Kennzeichnung teuer machen — und die sich mit dem richtigen Saatenmehl vollständig vermeiden lassen. Unser Leitfaden zeigt Ihnen eine Allergen-Matrix für die fünf Hauptallergene plus drei konkrete Anwendungskonzepte für Brotaufstrich, Rührteig und Shake. Allergen-Matrix jetzt herunterladen
Mindestens 150 Unternehmen sind der dortigen Wertschöpfungskette zuzuordnen. Bis 2045 könnte der Sektor nach Berechnungen der Initiative eine jährliche Wirtschaftsleistung von 20 bis 65 Mrd. Euro sowie Exporte von nahezu 35 Mrd. Euro pro Jahr generieren.
Entwicklungen wie jene in Hamburg und Frankfurt verdeutlichen, dass proteinreiche Saatenmehle zunehmend vom Nischenprodukt zum Baustein industrieller Rezepturen werden.
