Soloselbstständige setzen auf KI: Nutzerquote springt auf 51 Prozent
Veröffentlicht am: 22.07.2026 um 23:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Künstliche Intelligenz verändert die Arbeitswelt von Unternehmen, Selbstständigen und Privatpersonen grundlegend. Vor allem im Finanz- und Verwaltungsbereich zeichnet sich ein klarer Trend ab: Manuelle Aufwände sinken, während die Anforderungen an Datenqualität und Kostenkontrolle steigen.
Finanzämter setzen auf Automation
In Schleswig-Holstein läuft ein Pilotprojekt: Rund 90.000 Bürger erhielten für das Steuerjahr 2025 bereits vorbereitete Festsetzungsvorschläge direkt vom Finanzamt. Das Angebot richtete sich an Rentner, Pensionäre und Arbeitnehmer ohne Nebeneinkünfte oder steuerliche Beratung.
Bis zum 31. Juli 2026 endet die Abgabefrist für die Steuererklärung 2025. KI-basierte Assistenzsysteme wie WISO Steuer gewinnen daher an Bedeutung. Sie beantworten steuerliche Fragen in Alltagssprache und identifizieren Sparpotenziale – etwa bei Handwerkerkosten oder Pauschalen.
FINIA und S-Neo: Neue Helfer für Finanzprofis
Auch in der professionellen Finanzberatung zieht KI ein. Das System FINIA unterstützt seit gestern unabhängige Berater bei der Portfolioanalyse und Kundenkommunikation. Die Datenverarbeitung bleibt DSGVO-konform innerhalb der bestehenden Systemarchitektur.
Parallel dazu bringen die Sparkassen S-Neo auf den Markt. Die neuen digitalen Angebote für den Wertpapierhandel sind direkt in die Banking-Apps integriert. Sie sollen den Zugang zu Depots für eine breitere Nutzerbasis vereinfachen.
Soloselbstständige treiben den Wandel
Besonders stark zeigt sich der Wandel bei Soloselbstständigen und Kleinstunternehmen. Laut einer Untersuchung des Ifo-Instituts aus dem Jahr 2025 nutzten bereits 30,4 Prozent dieser Gruppe KI. Im Mai 2026 stieg dieser Anteil auf 51,2 Prozent.
Während immer mehr Selbstständige auf künstliche Intelligenz setzen, rücken auch die rechtlichen Rahmenbedingungen in den Fokus. Dieser kostenlose Umsetzungsleitfaden bietet Ihnen einen kompakten Überblick über alle neuen Anforderungen und Fristen des EU AI Acts. EU AI Act in 5 Schritten verstehen: Fristen, Pflichten und Risikoklassen kompakt erklärt
Die Einsatzgebiete: Recherche, Content-Erstellung und Marketing. Trotz einer leichten Verbesserung des Geschäftsklimas im Mai 2026 bleibt die wirtschaftliche Lage für viele Selbstständige fragil.
Mikrokredite in Minuten
Um den Zugang zu Kapital zu erleichtern, starteten Froda und Kontist heute automatisierte Mikrokredite für den deutschen Markt. Die Kreditentscheidungen basieren innerhalb weniger Minuten auf Zahlungs- und Buchhaltungsdaten.
Eine InvestEU-Garantie des Europäischen Investitionsfonds deckt das Ausfallrisiko teilweise ab.
Produktivitätssprünge bei Bosch und PwC
In der Unternehmenspraxis berichten Konzerne wie Bosch und PwC von erheblichen Produktivitätssteigerungen durch KI-Agenten. Bosch verzeichnete Zuwächse von rund 20 Prozent, PwC sogar bis zu 60 Prozent.
Softwareanbieter wie SAP, Oracle und Atlassian weiten ihre Angebote für autonome Finanzsteuerung und KI-gestützte Arbeitsabläufe aus. Axians Infoma stellte gestern Agenten für die automatisierte Bearbeitung von Bankverbindungen und SEPA-Mandaten vor. Die Systeme lesen Dokumente eigenständig aus und bereiten Datensätze vor – die finale Freigabe bleibt jedoch beim Menschen.
Der Einsatz von KI-Systemen in Unternehmen ist heute oft bereits Realität, bringt aber neue Compliance-Fragen zur Einstufung von Risikoklassen mit sich. Dieser kostenlose Report klärt auf, was Unternehmen jetzt konkret tun müssen, um die neuen Regeln rechtzeitig umzusetzen. Welche KI-Systeme gelten als Hochrisiko – und was müssen Unternehmen jetzt konkret tun?
Die Kostenfalle: KI frisst Ressourcen
Gleichzeitig steigen die Betriebskosten für KI-Infrastrukturen massiv. Der IT-Dienstleister Adesso verzeichnet Berichten zufolge monatliche Kosten im sechsstelligen Bereich. Grund: Der Verbrauch von Rechenressourcen (Tokens) ist seit Ende 2025 explodiert.
Besonders rechenintensiv: die sogenannte agentische KI, die komplexere Aufgaben autonom ausführen kann. Experten schätzen, dass bisher nur etwa 35 Prozent der Unternehmen einen vollständigen Überblick über ihre KI-Ausgaben haben.
Gemini, Galaxy Fold und die digitale Erreichbarkeit
Auch im privaten Alltag nimmt die Automatisierung zu. Google hat die Aufgabenautomatisierung seines Gemini-Systems auf über 40 Anwendungen ausgeweitet – von Reisebuchungen bis zu Restaurantreservierungen. Das Samsung Galaxy Z Fold 8 wird mit vorinstallierten KI-Notizsystemen ausgeliefert.
Die Notwendigkeit solcher Helfer zeigt eine Bitkom-Umfrage aus dem Frühjahr 2026: 66 Prozent der Beschäftigten in Deutschland bleiben auch im Urlaub beruflich erreichbar. Rund die Hälfte fühlt sich dazu von Vorgesetzten oder Kollegen gedrängt. KI-Tools zur automatisierten E-Mail-Zusammenfassung oder Entwurfserstellung sollen helfen, die Informationsflut zu bewältigen.
