Software-Krise, Code

Software-Krise: 70% deutscher Unternehmen liefern ungetesteten Code

09.06.2026 - 05:12:07 | boerse-global.de

70 Prozent der Firmen liefern ungetesteten Code, während KI und humanoide Roboter die Produktion revolutionieren. Deutsche Autobauer verlieren an Boden.

Deutsche Industrie: Softwarekrise und Roboter-Wettlauf mit China
Software-Krise - Ein Nahaufnahme von verhedderten Serverkabeln, die lose und leicht funken, mit einer verschwommenen Stadtsilhouette im Hintergrund. 09.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Die deutsche Schlüsselindustrie steckt in einem Dilemma: Während die Konkurrenz aus China und den USA bei Robotik und Künstlicher Intelligenz aufs Tempo drückt, bremsen Fachkräftemangel, veraltete Infrastruktur und mangelhafte Softwarequalität die heimischen Unternehmen aus.

Software-Misere: Jedes zweite deutsche Unternehmen liefert ungetesteten Code

Der Tricentis Quality Transformation Report 2026 zeichnet ein alarmierendes Bild: Weltweit setzen rund 60 Prozent aller Unternehmen ungetesteten Code ein – in Deutschland sind es sogar 70 Prozent. Verantwortlich dafür sind vor allem der Druck aus den Führungsetagen, schneller liefern zu müssen, sowie die schiere Menge an Code, die KI-Tools inzwischen produzieren. Die Folge: Jedes fünfte Unternehmen verliert jährlich mehr als eine Million Euro durch schlechte Softwarequalität.

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Hinzu kommt ein eklatanter Personalmangel. Der Digitalverband Bitkom beziffert die Zahl unbesetzter IT-Stellen auf 109.000. Eine Studie des IW prognostiziert eine dramatische Verschärfung: Bis 2034 werden voraussichtlich 296.000 Beschäftigte in den Ruhestand gehen, während nur 118.000 Neue nachrücken. Deutsche Maschinenbauer wie DMG Mori, Trumpf und Krones reagieren mit internationalen Partnerschaften – vor allem in Indien, wo inzwischen 1,9 Millionen Spezialisten in sogenannten Global Capability Centern arbeiten.

Autoindustrie unter Druck: Gewinneinbruch trotz weltweitem Wachstum

Die Folgen des Software-Wandels treffen die deutsche Automobilbranche mit voller Wucht. Eine EY-Analyse für das erste Quartal 2026 zeigt: Während die globalen Autokonzerne ihre Umsätze um zwei Prozent steigern konnten, büßten die deutschen Hersteller vier Prozent ein. Die Analysten führen dies auf hohe Kostenstrukturen, Überkapazitäten und die immensen Investitionen in softwaredefinierte Fahrzeuge und E-Antriebe zurück.

Doch es gibt auch Lichtblicke. Im BMW-Werk Spartanburg absolvierte der humanoide Roboter Figure 02 einen elfjährigen Testlauf – und überzeugte. Der Roboter verlud 90.000 Blechteile in 1.250 Betriebsstunden. Die Betriebskosten solcher Maschinen liegen laut Experten von Roland Berger bei umgerechnet rund zwei Euro pro Stunde, während menschliche Arbeitskosten bei etwa 28 Euro liegen. Der Haken: Die Konkurrenz schläft nicht. China produzierte 2025 rund 12.800 humanoide Roboter – das entspricht 90 Prozent der weltweiten Produktion.

Infrastruktur als Bremse: Nur jedes dritte Unternehmen ist bereit

Immerhin: 54,4 Prozent der deutschen Unternehmen setzen inzwischen KI-Software ein – ein deutlicher Anstieg gegenüber dem Vorjahr (41 Prozent). Doch die Einführung stockt. Eine Studie von Tata Communications und Bloomberg unter 501 Führungskräften ergab: Obwohl 77 Prozent der Vorstände KI zur Priorität erklären, arbeiten 65 Prozent der Unternehmen noch mit veralteter Infrastruktur. Nur 29 Prozent halten ihre Systeme für skalierbar genug, um den KI-Anforderungen gerecht zu werden.

Die Roboterhersteller versuchen gegenzusteuern. ABB Robotics bietet mit Wizard Easy Programming eine No-Code-Lösung an, die Industrieroboter per Drag-and-Drop programmierbar macht. Rockwell Automation setzt auf hochauflösende digitale Zwillinge, die virtuelle Inbetriebnahmen ermöglichen und so Kosten und Risiken physischer Tests senken.

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KI-Code: Segen und Fluch zugleich

Die rasche Verbreitung von KI in der Softwareentwicklung bringt neue Probleme mit sich. Eine Studie von Harness zeigt: 53 Prozent der Entwickler nennen die Überprüfung von KI-generiertem Code als größte Frustration, 52 Prozent kämpfen mit kleinen Fehlern, die automatisierte Tools hinterlassen.

Um die Zersplitterung des Robotikmarktes zu überwinden, brachte NVIDIA am 31. Mai 2026 die Plattform Isaac GR00T auf den Markt. Entwickelt mit Partnern wie der ETH Zürich und dem Stanford Robotics Center, soll sie eine standardisierte Basis für die Entwicklung humanoider Roboter bieten – mit spezialisierter Hardware und Open-Source-Software. Die Experten von Rockwell Automation bleiben dennoch skeptisch: Vollautonome Produktionssysteme steckten noch in den Kinderschuhen. Das Prinzip „Mensch im Kreislauf" werde auf absehbare Zeit unverzichtbar bleiben.

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