SoftBank investiert 75 Milliarden Euro in europäische KI-Zentren
02.06.2026 - 10:15:40 | boerse-global.deEuropa erlebt einen beispiellosen Boom bei Rechenzentren – doch die Kehrseite heißt steigender Energieverbrauch und wachsender Widerstand.
SoftBank setzt auf Frankreich – Rekordsumme für KI-Infrastruktur
Beim diesjährigen „Choose France"-Gipfel Ende Mai sorgte der japanische Technologiekonzern SoftBank Group für eine Sensation. Das Unternehmen kündigte an, bis zu 75 Milliarden Euro in französische KI-Rechenzentren zu investieren. Es wäre die größte Einzelinvestition in digitale Infrastruktur, die Europa je gesehen hat.
Die erste Phase ist bereits beschlossene Sache: 45 Milliarden Euro fließen in den Aufbau von 3,1 Gigawatt (GW) Rechenleistung in der Region Hauts-de-France. Konkrete Standorte sind Dünkirchen, Bosquel und Bouchain. Bis 2031 sollen die Anlagen ans Netz gehen. SoftBank arbeitet dabei mit Schneider Electric für die technische Ausstattung und mit EDF für die Energieversorgung am Standort Bouchain zusammen.
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Das ambitionierte Ziel: Frankreichs kohlenstoffarme Stromproduktion soll künftig nicht mehr nur als Energie exportiert werden, sondern als „intelligente Dienstleistung", wie SoftBank-CEO Masayoshi Son es formulierte. Zum Vergleich: Ende 2025 lag die gesamte installierte Rechenzentrumskapazität Frankreichs bei rund 1,5 GW.
Doch der Teufel steckt im Detail. Die volle summe von 75 Milliarden Euro steht unter dem Vorbehalt, dass die erste Phase erfolgreich verläuft. Und ein Problem bleibt ungelöst: der Netzanschluss für eine derart immense Leistung.
Nur einen Tag später legte die Investmentfirma Ardian gemeinsam mit dem Betreiber Verne nach. In der Region Île-de-France soll ein 500-MW-Campus entstehen – Teil der EU-Initiative „KI-Gigafabriken". Bis zu fünf Milliarden Euro sind dafür veranschlagt, die ersten 200 MW sollen bis 2030 fertig sein.
EU-Kommission plant neuen Rechtsrahmen für Cloud und KI
Am 3. Juni 2026 wird die Europäische Kommission voraussichtlich den Cloud and AI Development Act vorstellen. Das Gesetzespaket hat ein klares Ziel: die Rechenzentrumskapazität der EU innerhalb von fünf bis sieben Jahren zu verdreifachen.
Hintergrund ist der Wandel in der Künstlichen Intelligenz. Während derzeit noch das Training von Modellen dominiert, wird ab Ende 2026 oder Anfang 2027 die sogenannte Inferenz – also die praktische Anwendung trainierter KI – den größeren Anteil ausmachen. Das erfordert eine völlig andere Infrastruktur.
Die internen Schätzungen der Kommission sprechen von einem Investitionsbedarf von 320 Milliarden Euro im kommenden Jahrzehnt. Davon entfallen:
- 200 Milliarden Euro auf Cloud- und KI-Rechenzentren
- 120 Milliarden Euro auf Halbleiter
- 20 Milliarden Euro auf die Digitalisierung der Energiesysteme
Besonders brisant: Der Gesetzesentwurf sieht strenge „nicht-preisliche Kriterien" für Cloud-Dienste in sensiblen öffentlichen Ausschreibungen vor – etwa im Banken-, Gesundheits- und Energiesektor. Konkret könnte die Nutzung europäischer Hardware und Software zur Pflicht werden. Das würde vor allem US-Anbieter wie Amazon, Microsoft oder Google treffen, die dann bei strategischen Regierungsaufträgen außen vor wären.
Im Gegenzug lockt die Kommission mit schnelleren Genehmigungsverfahren und bevorzugtem Netzanschluss für Betreiber, die auf europäische Chips setzen.
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Widerstand wächst: Energieverbrauch und mangelnde Transparenz
Doch der Boom hat eine Schattenseite. Rechenzentren sind Stromfresser – und das wird zunehmend zum Problem.
In Serbien etwa sorgt die geplante Erweiterung des staatlichen Rechenzentrums in Kragujevac auf 40 MW für heftige Debatten. Grund: Die Anlage könnte künftig so viel Strom verbrauchen wie der gesamte Rest der Stadt. Weltweit entfällt bereits heute rund 1,5 Prozent des gesamten Stromverbrauchs auf Rechenzentren.
Die Umweltbelastung führt zu strengeren Auflagen auf lokaler Ebene. In Italien hat die Region Lombardei ein Gesetz erlassen, das die Nutzung von Trinkwasser zur Kühlung von Rechenzentren verbietet. Zudem werden die Gebühren für Neubauten auf der grünen Wiese um 200 Prozent erhöht.
In Großbritannien warnen Forscher: Bis 2035 könnten die Emissionen aus Rechenzentren 20 Prozent der nationalen Gesamtemissionen ausmachen – weit mehr als bisherige Regierungsschätzungen.
Hinzu kommt ein handfester Streit um Transparenz. Zwar schreibt die EU-Energieeffizienzrichtlinie von 2023 vor, dass Betreiber Daten zu Energie- und Wasserverbrauch melden müssen. Doch eine Ausnahmeklausel erlaubt es vielen, standortspezifische Informationen geheim zu halten. Branchenbeobachter machen Lobbyarbeit großer Tech-Konzerne und ihrer Verbände dafür verantwortlich.
Die Folge: 35 Abgeordnete des Europaparlaments fordern nun eine Überarbeitung der Regeln. Sie wollen sicherstellen, dass die Umweltdaten öffentlich zugänglich werden – gerade weil sich der Rechenzentrums-Boom von den traditionellen Zentren auf neue Märkte in Spanien, Italien, Norwegen und Polen ausweitet.
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