SoFi und Mastercard: 25-Milliarden-Dollar-Kartenprogramm zieht auf die Blockchain
Veröffentlicht am: 28.09.2026 um 02:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
In einer richtungsweisenden Kooperation haben die SoFi Bank und Mastercard am 22. September 2026 die Einführung eines Live-Settlements auf Stablecoin-Basis im US-amerikanischen Mastercard-Netzwerk bekannt gegeben.
Die SoFi Bank migriert damit als erste nationale Bank der USA ihr gesamtes Kartenprogramm mit einem Volumen von 25 Milliarden US-Dollar auf ein Blockchain-basiertes Abrechnungsverfahren. Zum Einsatz kommt dabei der hauseigene Stablecoin SoFiUSD.
Migration auf Blockchain-Infrastruktur
Das Projekt markiert den Übergang von Pilotphasen hin zur produktiven Nutzung der Blockchain-Technologie im klassischen Bankwesen. Laut Unternehmensangaben wird der SoFiUSD direkt von der durch das Office of the Comptroller of the Currency (OCC) regulierten SoFi Bank N.A. emittiert und ist jederzeit im Verhältnis 1:1 in US-Dollar einlösbar. Die strategische Partnerschaft zwischen dem Finanzinstitut und dem Zahlungsdienstleister Mastercard besteht bereits seit März 2026.
Für angeschlossene Händler ergeben sich durch den Systemwechsel signifikante Veränderungen in der Zahlungsabwicklung. Wie CEO Anthony Noto ausführte, erfolge das Settlement über das „SoFi Big Business Banking“ fortan sofort, rund um die Uhr und ohne zusätzliche Gebühren.
Sherri Haymond von Mastercard betonte in diesem Zusammenhang, dass es sich bei der Implementierung um eine reguläre Live-Produktion und nicht um einen Testbetrieb handle. Das erwartete jährliche Transaktionsvolumen wird auf über 25 Milliarden US-Dollar beziffert.
Regulatorische Rahmenbedingungen und staatliche Initiativen
Parallel zur Privatwirtschaft treibt die Federal Reserve die Modernisierung der Zahlungsinfrastruktur voran. Am 23. September kündigte Federal Reserve Financial Services die Unterstützung für grenzüberschreitende Anwendungsfälle des FedNow-Systems an. Dabei soll FedNow den US-Teil der Transaktionen übernehmen, während Korrespondenzbanken die Abwicklung im Ausland sicherstellen. Nick Stanescu, Leiter von FedNow, bezeichnete diesen Schritt als wesentliche Vorbereitung für international agierende Kunden.
Flankiert wird diese Entwicklung durch legislative Vorhaben. Im Rahmen des sogenannten GENIUS Act forderte die Federal Reserve am 24. September öffentliche Stellungnahmen zu neuen Sicherheitsstandards an.
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Die Vorschläge umfassen eine vollständige Reservedeckung durch kurzfristige US-Treasuries sowie spezifische Kapital- und Risikomanagement-Anforderungen für Stablecoin-Emittenten. Gouverneur Michael Barr unterstrich die Notwendigkeit, dass Stablecoins jederzeit zum Nennwert einlösbar bleiben müssen.
Wettbewerb bei digitalen Bankwährungen verschärft sich
Die Initiative von SoFi steht in einem Marktumfeld, in dem auch andere Großbanken und Zahlungsdienstleister eigene Digitalwährungen forcieren. Die U.S. Bancorp vermeldete am 26. September den erfolgreichen Abschluss einer grenzüberschreitenden Live-Transaktion mit ihrem eigenen Token USBDC zwischen nordamerikanischen und europäischen Einheiten. Die Abwicklung erfolgte über die Stellar-Blockchain.
Auch der Zahlungsdienstleister MoneyGram baut sein Angebot aus und führt eine Karte mit USD-denominiertem Guthaben ein, die zunächst auf Circle-USDC basiert und später auf den eigenen Token MGUSD umgestellt werden soll. Im Bereich der Infrastruktur für Fintechs kündigte Lightspark am 24. September eine Kooperation mit Visa an, um Stablecoin-gestützte Kartenprogramme in über 100 Ländern zu ermöglichen.
Marktkonsolidierung und institutionelle Beteiligungen
Innerhalb der Branche zeichnet sich zudem eine Konsolidierung ab. Circle schloss im September 2026 eine Partnerschaft mit Binance ab, in deren Rahmen Binance 100 Millionen US-Dollar in Circle investierte und die USDC-Partnerschaft um fünf Jahre verlängerte. Das monatliche USDC-Volumen auf der Handelsplattform Binance stieg zuletzt auf über 80 Milliarden US-Dollar an.
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Zudem übernahm Circle das Unternehmen Tazapay für 400 Millionen US-Dollar in Aktien. Das Infrastrukturunternehmen HIFI sicherte sich unterdessen 37 Millionen US-Dollar in einer Serie-A-Finanzierungsrunde. Laut Daten von Chainalysis stiegen die grenzüberschreitenden Stablecoin-Flüsse im Zwölfmonatszeitraum bis Juni 2026 um 77,5 Prozent auf 220,3 Milliarden US-Dollar.
Vertrauen der Verbraucher und europäische Perspektive
Eine Markterhebung von Visa aus dem Frühjahr 2026 zeigt eine wachsende Akzeptanzbereitschaft der Konsumenten. Die Adoptionsabsicht für Stablecoins könnte demnach von 36 Prozent auf 56 Prozent steigen, sofern ein bankenüblicher Betrugsschutz und eine Einlagenversicherung gewährleistet sind.
Wohlwissend um die Dominanz dollarbasierter Token verfolgt die Europäische Zentralbank (EZB) mit dem Projekt „Pontes“ das Ziel, tokenisierte Transaktionen verstärkt in Zentralbank-Euros statt in Dollar-Stablecoins abzuwickeln. Aktuell machen dollar-denominierte Token schätzungsweise 99 Prozent des globalen Marktes aus. Ein konkretes Startdatum für die europäische Initiative steht bislang noch aus.
