Sodbrennen, Westeuropäer

Sodbrennen betrifft 15% der Westeuropäer: Was wirklich hilft

Veröffentlicht am: 30.08.2026 um 05:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Fachleute erläutern den gezielten Enzymeinsatz bei FODMAPs, kritisieren Mikrobiom-Tests und warnen vor Risiken bestimmter Süßstoffe.

Verdauungsbeschwerden: Enzyme helfen gezielt, Tests bleiben umstritten
Laborausstattung auf einem weißen Tisch in einer klinischen Umgebung bei natürlichem Licht. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Im Bereich der Ernährungsmedizin gewinnen spezialisierte Lösungsansätze für Verdauungsbeschwerden zunehmend an Bedeutung. Insbesondere der Einsatz von Enzymen bei Unverträglichkeiten gegenüber fermentierbaren Kohlenhydraten, den sogenannten FODMAPs, wird in aktuellen Fachpublikationen von Ende August 2026 detailliert thematisiert. Dabei zeigt sich, dass eine differenzierte Betrachtung von Diagnose und Therapie für den Behandlungserfolg entscheidend ist.

Gezielter Einsatz von Enzymen bei Unverträglichkeiten

Aktuelle Ratgeber weisen darauf hin, dass Enzyme wie Fructan-Hydrolase beziehungsweise Inulinase gegen Fructane, Alpha-Galactosidase gegen Galactooligosaccharide (GOS) und die bekannte Lactase gegen Lactose gezielt eingesetzt werden können.

Fachleute betonen dabei die hohe Spezifität dieser Wirkstoffe: Ein Enzym wirkt jeweils nur gegen ganz bestimmte Kohlenhydrate. Es handelt sich somit nicht um eine allgemeine Lösung für sämtliche Formen von Unverträglichkeiten, sondern um eine punktuelle Unterstützung für den Abbau problematischer Stoffe im Verdauungstrakt.

Kritik an Mikrobiom-Tests und Diagnoseverfahren

Parallel zur Diskussion um Supplemente wird die Aussagekraft kommerzieller Diagnose-Tools kritisch hinterfragt. Der Gastroenterologe Andreas Müller von der Klinik Hirslanden Zürich bezeichnete Mikrobiom-Analysen, die preislich zwischen 100 und 1000 Franken liegen, als experimentell.

Nach Einschätzung des Experten stellten diese Tests lediglich eine Momentaufnahme dar. Für die Diagnose einer bakteriellen Fehlbesiedlung des Dünndarms (SIBO) empfahl Müller stattdessen etablierte Verfahren wie Atemtests oder die Analyse von Dünndarmflüssigkeit.

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Auch bei Sodbrennen, von dem etwa 15 Prozent der westeuropäischen Bevölkerung mindestens einmal pro Woche betroffen sind, bleibt die klinische Diagnostik mittels Gastroskopie und pH-Metrie der Standard. Während Ursachen oft in der Ernährung, Medikamenteneinnahme oder Stress liegen, raten Experten von Hausmitteln wie Milch oder Natron ab und empfehlen stattdessen Heilerde, Tee oder Kartoffelsaft.

Ernährungsgewohnheiten und präventive Maßnahmen

Ein wesentlicher Faktor für die Darmgesundheit bleibt die Infektionsprävention. Der Darmforscher Jordan Haworth von der Functional Gut Clinic wies Ende August 2026 darauf hin, dass etwa 20 Prozent der Patienten nach einer Campylobacter-Infektion ein postinfektiöses Reizdarmsyndrom entwickeln. Er riet daher zur Vorsicht beim Verzehr von rohen Austern, nicht durchgegarten Burgern, Sushi oder Speisen von Buffets, um das Risiko einer Lebensmittelvergiftung zu minimieren.

Für die Behandlung von Bauchkrämpfen wird zudem eine gezielte Wirkstoffwahl empfohlen. Während Ibuprofen den Magen reizen kann, gelten Paracetamol oder krampflösende Mittel wie Butylscopolamin als verträglicher.

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Bei einem Reizmagen (funktionelle Dyspepsie) raten Fachleute zu fünf bis sechs kleinen Mahlzeiten täglich, gründlichem Kauen und magenschonender Kost wie Reis oder Haferflocken. Letztere bieten durch das enthaltene Beta-Glucan zusätzliche Vorteile für den Cholesterinspiegel; 70 Gramm täglich können diesen laut Untersuchungen um bis zu 15 Prozent senken.

Risiken von Nahrungsergänzungsmitteln und Süßstoffen

Trotz des Nutzens bestimmter Stoffe warnen Experten vor unkritischer Supplementierung. Piperin aus schwarzem Pfeffer könne etwa die Aufnahme und den Abbau von Medikamenten wie Blutverdünnern beeinflussen. Auch bei dem Flavonol Quercetin fehle bisher ein Beweis für eine präventive Wirkung gegen Krankheiten beim Menschen.

Besondere Aufmerksamkeit widmet die Forschung derzeit den Süßungsmitteln. Studien aus dem August 2026 deuten auf ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Ereignisse bei hohen Xylit-Werten hin.

Entsprechende Assoziationen wurden bei 57 Prozent der untersuchten Probanden in Kanada und 18 Prozent in Europa festgestellt. Auch für Erythrit wurden ähnliche Zusammenhänge beobachtet, weshalb ein eindeutig gesunder Ersatz für Zucker derzeit nicht ausgemacht werden kann.

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de | wissenschaft | 70022424 |