Social Media und Kinderpsyche: 100.000er-Studie belegt Wohlbefindens-Rückgang
Veröffentlicht: 14.07.2026 um 00:30 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Eine EU-Expertenkommission legte dazu Mitte Juli 2026 einen detaillierten Bericht vor.
Stufenmodell statt Verbote
Das von Maria Melchior und dem Ulmer Psychiatrie-Professor Jörg Fegert geleitete Gremium empfiehlt ein gestuftes Modell: Kinder unter drei Jahren sollten komplett auf Bildschirmzeit verzichten. Für die Altersgruppe zwischen drei und zwölf Jahren ist ausschließlich kontrollierte Nutzung vorgesehen. Erst ab 13 Jahren soll ein zunehmend selbstständiger Zugang möglich sein – allerdings nur auf speziell gesicherten, altersgerechten Plattformen.
Ein zentraler Punkt: Die Beweislast wird umgekehrt. Künftig müssten Anbieter digitaler Dienste nachweisen, dass ihre Angebote für die jeweilige Altersgruppe unschädlich sind.
Was die Wissenschaft sagt
Die Forderungen stützen sich auf aktuelle Studien. Eine australische Kohortenstudie mit über 100.000 Schülern zeigte einen deutlichen Zusammenhang zwischen hoher Social-Media-Nutzung – mehr als 12,5 Stunden pro Woche – und verringertem Wohlbefinden.
Fachleute des Deutschen Zentrums für Psychische Gesundheit (DZPG) warnen zudem vor spezifischen Risikofaktoren: Passive Nutzung, lange Verweildauern und Konsum in den späten Abendstunden beeinträchtigen Schlaf, Selbstwertgefühl und psychische Gesundheit. Die Vorpubertät sei eine besonders vulnerable Phase für Suchtmechanismen und Selbstwertprobleme, betonte Fegert.
Politische Pläne und Gegenwind
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen kündigte für die Zeit nach der Sommerpause 2026 einen konkreten Gesetzesvorschlag an. Im Fokus stehen suchtfördernde Funktionen wie endloses Scrollen. Die Fürsorgepflicht der Tech-Konzerne soll gestärkt werden.
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Technisch könnte die Altersverifikation über digitale Identitäten wie die EUDI-Wallet oder Mini-Wallets laufen. Auch national tut sich etwas: Bundesfamilienministerin Karin Prien plant einen Gesetzentwurf bis Jahresende.
Die Bevölkerung steht hinter den Plänen: Laut Eurobarometer befürworten 63 Prozent der Befragten EU-weite Altersbeschränkungen. Kritik kommt dagegen vom Deutschen Ethikrat und über 400 Forschenden, die vor den Auswirkungen flächendeckender Alterskontrollen warnen. Auch Bundeskanzler Merz lehnt pauschale Verbote ab.
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Was Eltern jetzt tun können
Bis die Gesetze kommen, gibt es praktische Hilfen. Das Universitätsklinikum Tübingen bietet gemeinsam mit der AOK Baden-Württemberg ein kostenfreies Online-Training namens „ISES! Kids“ an – für Eltern von 6- bis 12-Jährigen.
Experten des DZPG empfehlen außerdem:
- Bildschirmfreie Zeiten und Zonen einrichten, besonders im Schlafzimmer
- Regelmäßig Feeds überprüfen und „aufräumen“
- Offline-Alternativen und Hobbys fördern
- Warnsignale ernst nehmen: Kontrollverlust, Vernachlässigung schulischer Pflichten, Stimmungsschwankungen nach der Mediennutzung
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