SMS-Phishing und Spoofing: Australien und Schweiz schärfen ab Juli nach
30.06.2026 - 11:54:23 | boerse-global.de
Ab dem 1. Juli 2026 greifen in beiden Ländern neue Maßnahmen gegen SMS-Phishing und Anruf-Spoofing. Australien führt eine Kennzeichnungspflicht für Geschäfts-SMS ein, während die Schweiz ihren Schutz gegen manipulierte Anrufe auf Mobilfunknummern ausweitet. Die parallelen Vorstöße sind eine Reaktion auf steigende Fallzahlen bei Identitätsdiebstahl und Finanzbetrug.
Australien: „Ungeprüft"-Label für verdächtige SMS
Australische Telekommunikationsanbieter müssen ab dem 1. Juli 2026 SMS von nicht registrierten Absendern als „ungeprüft" markieren. Die von der australischen Medien- und Kommunikationsbehörde (ACMA) unterstützte Initiative verpflichtet Unternehmen, ihre alphanumerischen Absenderkennungen zu registrieren. Nur so bleibt die Herkunft einer Nachricht für den Empfänger nachvollziehbar.
Der Schritt ist eine direkte Reaktion auf massive finanzielle Schäden. Laut der australischen Wettbewerbs- und Verbraucherkommission (ACCC) verloren Australier im Jahr 2025 fast 18 Millionen Australische Dollar (etwa 11 Millionen Euro) durch SMS-Betrug. Zwar sank die Zahl der gemeldeten Fälle von 77.365 (2024) auf 29.058 (2025), doch die Dunkelziffer bleibt hoch. Allein 2025 blockierten die Netzbetreiber 153 Millionen Spam-SMS.
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Bereits über 17.000 Absenderkennungen wurden registriert. Besonders heikle Begriffe wie „Bank", „Steuer" oder „Verifizierung" sind für Betrüger nun tabu. Branchenkreisen zufolge testet Google parallel eine ähnliche Verifikation für den RCS-Standard (Rich Communication Services) auf Android-Geräten.
Schweiz: Spoofing-Schutz jetzt auch für Mobilfunk
In der Schweiz greift ab dem 1. Juli eine Ausweitung der Schutzmaßnahmen auf Mobilfunknummern mit der Vorwahl 079. Bereits im Januar waren Festnetzanschlüsse in den Schutz einbezogen worden.
Die großen Anbieter Swisscom, Sunrise und Salt müssen Anrufe kennzeichnen, bei denen die Rufnummer manipuliert wurde – eine Praxis, die als Spoofing bekannt ist. Das Bundesamt für Cybersicherheit (Bacs) verzeichnet wöchentlich Hunderte Betrugsmeldungen. Swisscom meldete bereits einen deutlichen Anstieg blockierter Anrufe im Vergleich zum Vorjahr.
Internationale Welle von Warnungen
Die neuen Regeln fallen in eine Zeit weltweit zunehmender Warnungen vor professionellen Betrugsmaschen. Ende Juni 2026 warnte die kanadische Polizei (RCMP) in Strathcona County vor einer Masche, bei der sich Betrüger als Bankmitarbeiter ausgeben und persönlich Debitkarten und PINs per Kurier abholen lassen.
In den USA melden mehrere Sheriff-Büros und Staatspolizeien eine Zunahme von gefälschten Behördenanrufen. In Pennsylvania, Hunterdon County und Morgan County geben sich Betrüger als Polizisten oder Gerichtsbeamte aus. Sie fordern Zahlungen per Bitcoin, Geschenkkarten oder Bargeld, um angeblich offene Haftbefehle oder versäumte Gerichtstermine zu begleichen.
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Ein weiterer Schritt gegen Datenmissbrauch: WhatsApp erlaubt seit dem 29. Juni 2026 die Reservierung von eindeutigen Benutzernamen. So können Nutzer kontaktiert werden, ohne ihre Telefonnummer preiszugeben – was automatischen Wählmaschinen die Datengrundlage entzieht.
Das Ausmaß des Problems
Die Dimension der Bedrohung belegt eine Studie von NordVPN mit über 10.000 Teilnehmern: 79 Prozent der US-Amerikaner erhielten im vergangenen Jahr mindestens einen Betrugsanruf. Viele Nutzer zählen hunderte solcher Kontakte pro Jahr. Branchenanalysten von Hiya beziffern den durchschnittlichen Verlust pro betroffenem Opfer auf 682 US-Dollar (etwa 630 Euro). Rund einer von zwölf US-Bürgern verlor demnach Geld durch solche Maschen.
In Neuseeland beobachtete Norton Threat Labs einen saisonalen Anstieg der Angriffe in den Wintermonaten 2024 und 2025. Die Zahl der Kryptowährungs- und Anlagebetrugsfälle stieg um 225 Prozent, Identitätsdiebstähle um 128 Prozent. Cybersicherheitsexperten führen die zunehmende Überzeugungskraft der Angriffe auf den Einsatz generativer KI zurück. Sie erlaubt Betrügern, täuschend echte Nachrichten und Skripte zu deutlich geringeren Kosten zu produzieren.
