Smartwatch-Blutdruckmessung, Fälle

Smartwatch-Blutdruckmessung: Nur 41 Prozent der Fälle werden erkannt

Veröffentlicht am: 15.10.2026 um 09:43 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Untersuchungen dokumentieren verpasste Bluthochdruckfälle und Fehlalarme; Fachleute empfehlen klinisch geprüfte Messgeräte für zu Hause.
Ein unbenutztes Blutdruckmessgerät in einer hellen, minimalistischen Arztpraxis bei natürlichem Tageslicht. Illustration mit AI erstellt.

Mediziner weisen verstärkt auf die Risiken von Messfehlern bei der häuslichen Blutdruckkontrolle hin. Neben Phänomenen wie dem Weißkittel-Effekt spielt die Erfassung der Pulsdruckdifferenz eine zentrale Rolle bei der Beurteilung der Gefäßgesundheit. Zugleich rückt die Verlässlichkeit digitaler Konsumgeräte in den Fokus wissenschaftlicher Untersuchungen.

Grenzen von Smartwatches bei der Blutdruckerkennung

Die Verbreitung von Wearables ist enorm: Weltweit nutzen schätzungsweise rund 200 Millionen Menschen eine Apple Watch, während die Hersteller Huawei, Samsung und Xiaomi zusammen auf über 400 Millionen Nutzer kommen. Gleichzeitig stellt Bluthochdruck ein weit verbreitetes Gesundheitsproblem dar.

Im Vereinigten Königreich leben beispielsweise rund 16 Millionen Menschen mit einer bestätigten Diagnose, während schätzungsweise weitere fünf Millionen Fälle unentdeckt sind. Die Richtwerte des britischen Gesundheitssystems NHS definieren einen Heimmesswert ab 135/85 als Bluthochdruck, während Werte zwischen 90/60 und 120/80 als ideal eingestuft werden.

Wissenschaftliche Erhebungen zeigen jedoch Grenzen bei der Früherkennung durch Smartwatches auf. Eine im Fachjournal JAMA publizierte Untersuchung der University of Pennsylvania, die Daten von 1.800 Testpersonen für die Apple Watch sowie 4.000 US-Erwachsene auswertete, ergab, dass lediglich 41 Prozent der Personen mit unentdecktem Bluthochdruck einen entsprechenden Alarm über das Gerät erhielten. Bei gesunden Personen blieben Warnmeldungen zu 92 Prozent korrekt aus, allerdings kam es in sieben Prozent der Fälle zu einer fälschlichen Warnung.

Warnmeldungen führen zu Verunsicherung und Mehrbelastung

Frühere Erhebungen belegen ähnliche Herausforderungen bei der Erkennung kardialer Auffälligkeiten. Eine 2020 im Fachblatt JAMIA veröffentlichte Untersuchung zeigte, dass von 264 Personen, die einen Alarm wegen eines unregelmäßigen Herzschlags erhalten hatten, lediglich 30 Personen – entsprechend 11,4 Prozent – tatsächlich an einer behandlungsbedürftigen Herzerkrankung litten.

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Dass ungenaue Meldungen auch psychische Belastungen nach sich ziehen können, legte eine 2024 im Journal of the American Heart Association publizierte Untersuchung an 172 Patienten mit Vorhofflimmern dar.

Ein Fünftel der befragten Nutzer von Wearables berichtete über erhebliche Angstgefühle infolge einer Warnung vor Vorhofflimmern. Dies ging über einen zeitraum von neun Monaten mit einem Anstieg von 50 Prozent bei entsprechenden Arztterminen, Herztests und medizinischen Eingriffen einher.

Zudem ergab eine 2025 im Journal of Psychopathology and Clinical Science veröffentlichte Studie an 781 Studierenden mit Uhren des Herstellers Garmin über drei Monate, dass automatisierte Stresswerte oft nicht mit dem tatsächlichen Belastungsempfinden der Probanden übereinstimmten.

Prävention und validierte Messverfahren im häuslichen Umfeld

Vor dem Hintergrund dieser Unsicherheiten wird die Bedeutung verlässlicher Diagnoseverfahren betont. Vom 1. bis zum 30. November 2026 richtet die Deutsche Herzstiftung die bundesweiten Herzwochen unter dem Motto „Herz aus dem Takt – Vorhofflimmern erkennen und handeln“ aus. In Deutschland leben schätzungsweise 1,5 bis zwei Millionen Menschen mit Vorhofflimmern, was mit einem erhöhten Schlaganfallrisiko einhergeht.

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Zu den Risikofaktoren zählen neben Bluthochdruck, Übergewicht, Diabetes und Schlafapnoe auch einmaliger übermäßiger Alkoholkonsum, der als Holiday-Heart-Syndrom bezeichnet wird. Da die Herzrhythmusstörung anfallsartig auftreten kann, schließt eine einzelne unauffällige Pulsmessung das Vorliegen keineswegs aus.

Für die Heimanwendung verweisen Fachleute auf klinisch geprüfte Oberarm-Blutdruckmessgeräte. Geräte wie das B.Well TH-75 verfügen über Hinweisfunktionen für Vorhofflimmern und wurden in einer 2026 veröffentlichten klinischen Validierungsstudie nach dem Standard ISO 81060-2:2018 geprüft.

Die Organisation STRIDE BP führt das Modell als bevorzugtes Gerät für Heimmessungen bei Erwachsenen. Eine ärztliche Diagnose können solche Systeme jedoch nicht ersetzen. Treten akute Symptome wie Brustschmerzen, schwere Atemnot, Bewusstlosigkeit oder Schlaganfallzeichen auf, ist umgehend der Notruf 112 zu wählen.

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