Smartphone-Tests, Kognitive

Smartphone-Tests: Kognitive Veränderungen 7–12 Monate früher erkannt

13.06.2026 - 00:39:36 | boerse-global.de

Digitale Gedächtnistests erkennen kognitive Veränderungen Monate früher als Klinikchecks. Neue Alzheimer-Therapie wird erstattet, KI klassifiziert Hirntumore.

Smartphone-Tests & KI: Neue Wege in der Demenz- und Krebsdiagnostik
Smartphone-Tests - Ein stilisiertes Gehirn, überlagert von einem leuchtenden neuronalen Netzwerk, verbunden mit einem Smartphone, das eine Test-App anzeigt. 13.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Das belegt eine aktuelle Studie des Deutschen Zentrums für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE).

Die in npj digital medicine veröffentlichte Untersuchung testete eine Online-App namens neotivTrials. 202 Probanden zwischen 52 und 85 Jahren aus Deutschland und den USA nahmen teil. Die regelmäßigen digitalen Tests erfassten kognitive Veränderungen bei leichter Beeinträchtigung (MCI) bereits nach sieben bis zwölf Monaten.

Herkömmliche Klinikuntersuchungen finden dagegen meist nur jährlich oder alle zwei Jahre statt. Nach 30 Wochen nahmen noch 73 Prozent der Teilnehmer aktiv an der Heimtestung teil. Die Daten korrelierten mit Langzeitbeobachtungen über acht Jahre – ein starkes Signal für den Einsatz in Therapiestudien.

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Darmbakterien verraten frühen kognitiven Abbau

Parallel rückt das Darmmikrobiom als Frühindikator in den Fokus. Eine Analyse von 150 Personen identifizierte fünf Metabolite im Serum, darunter Cholin und Indol-3-Propionsäure, die mit frühem kognitivem Abbau zusammenhängen.

Ein Machine-Learning-Modell erreichte bei der Unterscheidung zwischen gesunden und kognitiv beeinträchtigten Personen eine Genauigkeit (AUC) von bis zu 0,84. Die Blutmarker könnten künftig als einfacher Screening-Test dienen.

Neue Alzheimer-Medikamente: Kostenübernahme ab Juli

Im Juni 2026 fielen wichtige Entscheidungen für die Patientenversorgung. Der Bewertungsausschuss aus KBV und GKV-Spitzenverband legte die Vergütungsregeln für Donanemab fest. Ab dem 1. Juli können Ärzte das Alzheimer-Medikament regulär über die gesetzliche Krankenversicherung abrechnen.

Die Anwendung ist auf frühe Stadien mit nachgewiesener Amyloid-Beta-Pathologie begrenzt. Die Behandlung dauert maximal 18 Monate. Zugelassen sind ausschließlich Fachärzte für Neurologie oder Psychiatrie mit MRT-Zugang. Für die alle vier Wochen nötigen Infusionen und die Überwachung gibt es eine neue EBM-Ziffer.

Auch der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) wurde aktiv. Seit dem 11. Juni 2026 können Ärzte vier Wirkstoffe im Off-Label-Use gegen Long-COVID verschreiben: Ivabradin bei Herzfrequenzstörungen, Metformin zur Prophylaxe bei Übergewicht sowie Agomelatin und Vortioxetin gegen Fatigue und kognitive Probleme.

Lebensstil als stärkste Waffe gegen Demenz

Eine Heilung klinisch manifester Demenz ist weiterhin nicht in Sicht. Deshalb setzen Wissenschaftler zunehmend auf Prävention. Die Leopoldina und Acatech betonten im Juni 2026 die Notwendigkeit einer datengestützten Strategie.

Schätzungen zufolge sind etwa 36 Prozent der Demenzfälle in Deutschland durch zwölf beeinflussbare Faktoren bedingt – darunter Bluthochdruck, Schwerhörigkeit und soziale Isolation. Eine Senkung dieser Risiken um 15 Prozent könnte bis 2050 rund 170.000 Neuerkrankungen verhindern.

Weitere Studien untermauern die Bedeutung des Lebensstils:

  • Schlaf: Sieben bis neun Stunden Schlaf senken das Risiko für depressive Symptome bei älteren Menschen deutlich.
  • Kaffee: Zwei bis drei Tassen täglich können das Demenzrisiko senken.
  • Hochverarbeitete Lebensmittel: Ein hoher Konsum erhöht das Risiko um bis zu 58 Prozent.
  • Blutdruck: Sowohl zu hoher als auch zu niedriger Blutdruck steigern das Alzheimer-Risiko.

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KI klassifiziert Hirntumoren in zwölf Minuten

Neben der Demenzforschung macht die KI auch in der Krebsdiagnostik Fortschritte. Das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) und das Universitätsklinikum Heidelberg stellten 2026 das System „Hetairos“ vor.

Die KI wurde mit Gewebeschnitten von über 9.600 Patienten trainiert. Sie klassifiziert Hirntumoren aus Routine-Schnitten innerhalb von zwölf Minuten – mit einer Genauigkeit von bis zu 88 Prozent. In spezifischen Szenarien übertraf das System die manuelle neuropathologische Begutachtung sowohl in der Geschwindigkeit als auch in der Treffsicherheit.

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