Smartphone-Nutzung, KiQuNu

Smartphone-Nutzung: KiQuNu findet bei 31 Prozent auffällige Werte

Veröffentlicht am: 12.10.2026 um 13:01 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Eine Untersuchung mit 1.285 Erwachsenen verbindet auffällige Internetnutzung statistisch mit mehr Stress und gesundheitlichen Beeinträchtigungen.

Smartphone-Nutzung: Studie zeigt auffällige Werte bei Jüngeren
Ein ruhiger, minimalistisch eingerichteter Wohnbereich bei Dämmerlicht mit einer Teetasse auf einem Holztisch. Illustration mit AI erstellt.

Die intensive Nutzung digitaler Endgeräte prägt den Alltag vieler Menschen und wirft zunehmend Fragen zu mentalem Wohlbefinden und Verhaltensmustern auf. Neue wissenschaftliche Untersuchungen und Praxishinweise verdeutlichen, wie stark Smartphones die Aufmerksamkeit binden und welche Mechanismen helfen können, den eigenen Medienkonsum zu regulieren.

Erkenntnisse aus dem Forschungsprojekt KiQuNu

Im Rahmen des Forschungsprojekts KiQuNu untersuchten das OFFIS – Institut für Informatik und die detoxi Health GmbH von Mai bis Juni 2026 das Nutzungsverhalten von insgesamt 1.285 Erwachsenen im Alter zwischen 18 und 65 Jahren.

Die Erhebung erfolgte über einen Zeitraum von zwei Wochen mittels Fragebögen sowie einer speziellen Studien-App. Dabei erreichten 31 Prozent der Teilnehmenden einen auffälligen Wert auf der Skala zur Erfassung zwanghafter Internetnutzung (CIUS).

Auffällig zeigten sich dabei deutliche Unterschiede zwischen den Alterskohorten:
- In der Gruppe der 18- bis 29-Jährigen wiesen 55 Prozent einen auffälligen CIUS-Wert auf.
- Bei den 30- bis 39-Jährigen lag der Anteil bei 40 Prozent.
- Unter den 40- bis 49-Jährigen erreichten 34 Prozent diesen Schwellenwert.
- Bei den 60- bis 65-Jährigen betrug der Wert 15 Prozent.

Die durchschnittliche Bildschirmzeit der Studienteilnehmenden belief sich auf 4,25 Stunden pro Tag. Rund ein Fünftel der Befragten berichtete über spürbare Auswirkungen auf Konzentration oder Gesundheit.

Die Auswertung zeigte einen statistischen Zusammenhang zwischen auffälliger Nutzung, höherem Stressempfinden und gesundheitlichen Beeinträchtigungen. Die Projektbeteiligten betonten dabei, dass der ermittelte CIUS-Wert keine klinische Suchtdiagnose darstellt.

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Der auf maschinellem Lernen basierende Teil des Projekts, der Mobile-Sensing-Daten analysiert, befindet sich in der Machbarkeitsphase. Das Gesamtprojekt läuft bis Ende Oktober 2026; die Ergebnisse werden als Vorabpublikation auf der Plattform OSF bereitgestellt. Bei der Anwendung handelt es sich um keine klinisch validierte Diagnose-App.

Ablenkung bei Tisch und gezielte Verhaltensänderungen

Wie stark Bildschirme das Verhalten beeinflussen, untersuchte bereits im Jahr 2025 ein Experiment von Ladouce et al. unter dem Titel „Taking the eye-tracker out to dinner“. Die Untersuchung zeigte, dass ein Smartphone neben dem Tablett die visuelle Aufmerksamkeit selbst dann verschiebt, wenn sämtliche Benachrichtigungen deaktiviert sind.

Um Phänomene wie unbewusstes Scrollen während der Mahlzeiten einzudämmen, existieren verschiedene verhaltensbezogene Ansätze:
- Das Mobiltelefon vor dem Essen an einen separaten Ort legen, etwa in eine Tasche, auf eine Ablage oder an das andere Ende des Raums, damit das Öffnen von Programmen eine bewusste Entscheidung erfordert.
- Die ersten fünf Minuten einer Mahlzeit vollständig ohne mediale Inhalte essen oder Musik und Podcasts anstelle von Feeds nutzen.
- Bei gemeinsamen Runden können Mobiltelefone für die ersten 20 Minuten oder bis zum Abräumen des Geschirrs in einer Schale gesammelt werden.

Notwendige Ausnahmen, beispielsweise wegen eines Bereitschaftsdienstes oder der Erreichbarkeit für die Schule der Kinder, sollten vorab laut angekündigt werden.
- Ein siebentägiges Experiment kann darin bestehen, das Gerät für eine ausgewählte Mahlzeit konsequent am selben Nicht-Tisch-Ort zu deponieren. Reicht das Weglegen nicht aus, bietet eine App-Sperre wie Fella mit einer fünfminütigen Notfall-Entsperrung eine technische Unterstützung.

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Technische Werkzeuge zur Selbstregulation

Neben rein verhaltensbezogenen Maßnahmen verweisen Gerätehersteller wie Samsung darauf, dass Nutzer durchschnittlich drei Stunden täglich mit dem Smartphone verbringen, und heben integrierte Systemeinstellungen zur Reduzierung von Reizen hervor.

Dazu zählt die Anpassung der Anzeige über den Augenkomfort in den Displayeinstellungen mit mittlerer bis maximaler Farbtemperatur. Ebenso wird das Abschalten von App-Benachrichtigungen sowie das Einrichten von Zeitlimits über den Menüpunkt für digitales Wohlbefinden und App-Timer empfohlen.

Ein aufgeräumter Startbildschirm mit einfarbigem Hintergrund und der Verzicht auf nicht täglich genutzte Widgets verringern visuelle Impulse zusätzlich. Darüber hinaus lässt sich in den Eingabehilfen eine Graustufen-Darstellung aktivieren, die über Automatisierungsroutinen auch gezielt an den Start bestimmter Anwendungen gekoppelt werden kann.

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