Smartphone-Krise, Speichermangel

Smartphone-Krise: Speichermangel lässt Budget-Segment um 81% kollabieren

Veröffentlicht am: 28.08.2026 um 16:23 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Teure Speicherchips lassen günstige Smartphones einbrechen, während Hersteller reagieren und Premiumgeräte trotz Engpässen gefragt bleiben.

Speicherchip-Knappheit setzt günstige Smartphones weltweit unter Druck
Moderne Fertigungsanlage für Halbleiter und Speicherchips in einer sterilen Umgebung. Illustration mit AI erstellt.

Der globale Smartphone-Markt steht vor einer massiven Verschiebung, da eine anhaltende Knappheit bei Speicherchips insbesondere die Verfügbarkeit günstiger Mobiltelefone gefährdet. Aktuellen Daten des Marktforschungsunternehmens IDC zufolge ist das Segment der Geräte unter 10.000 Indischen Rupien (entspricht etwa 110 Euro) hochgradig instabil geworden.

Während im zweiten Quartal des Vorjahres der Marktanteil dieser Preisklasse noch bei 19 Prozent lag, brach dieser im zweiten Quartal 2026 auf lediglich 4 Prozent ein. Der Absatz in diesem Bereich ging im Jahresvergleich um 81 Prozent zurück.

Drastischer Rückgang im Einsteiger-Segment

Die Entwicklung betrifft nicht nur den indischen Markt, wo das Segment unter 10.000 Indischen Rupien laut IDC im zweiten Quartal 2026 um 60 Prozent gegenüber dem Vorjahr schrumpfte.

Auch in den USA verzeichnete Counterpoint einen Kollaps des Marktes für Geräte unter 100 US-Dollar um 65 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Analysten von IDC warnen, dass im Jahr 2025 insgesamt 173 Millionen Smartphones in dieser günstigen Preisklasse durch den Komponentenmangel gefährdet sind.

Die Ursache liegt in den explodierenden Kosten für Hardware-Komponenten. Counterpoint wies darauf hin, dass ein Mobiltelefon in der Preisklasse von 10.000 Indischen Rupien bereits Speicherkomponenten im Wert von 4.000 bis 4.500 Indischen Rupien erfordert. Da die Preise für Speicherchips bis 2028 um voraussichtlich 300 Prozent steigen werden, geraten die Margen der Hersteller unter unhaltbaren Druck.

Explodierende Speicherpreise und Kapazitätsengpässe

Marktanalysen von Omdia belegen die Schwere der Krise: Im zweiten Quartal 2026 stiegen die Preise für DRAM-Speicher im Vergleich zum Vorquartal um 90 bis 95 Prozent, während NAND-Speicher eine Teuerung von 70 bis 75 Prozent erfuhren.

Morgan Stanley prognostiziert für das dritte Quartal 2026 weitere Preissteigerungen bei DDR4-Speichern um 50 Prozent, gefolgt von einem Plus von 10 Prozent im vierten Quartal.

Ein wesentlicher Treiber dieser Knappheit ist die hohe Nachfrage nach HBM-Speichern (High Bandwidth Memory) für Anwendungen im Bereich der Künstlichen Intelligenz. Dieser Bedarf reduziert die effektive Waferkapazität in der Produktion erheblich. Laut Branchenberichten sank die monatliche Kapazität von ursprünglich 2,005 Millionen auf 1,543 Millionen Wafer.

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In der Folge steigen die Kosten für Endgeräte wie Smartphones und PCs im Jahr 2026 voraussichtlich um 15 bis 40 Prozent. Der weltweite Durchschnittspreis für Smartphones kletterte laut Omdia bereits auf 400 US-Dollar, was einem Anstieg von 17 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht.

Reaktionen der Hersteller und Software-Anpassungen

Während Unternehmen wie Samsung versuchen, die gestiegenen Speicherkosten vorerst selbst zu tragen, um ihre Marktführerschaft zu verteidigen, schrumpfte der Gesamtabsatz im zweiten Quartal 2026 laut Counterpoint um 11 Prozent.

SK Hynix prognostiziert unterdessen, dass der weltweite Speichermangel bis zum Ende des Jahrzehnts anhalten wird und derzeit keine Anzeichen für eine Entspannung der Lage erkennbar sind. Um die Versorgung mit KI-relevanten Chips zu sichern, investiert SK Hynix über 4 Milliarden US-Dollar in eine neue Verpackungsanlage in den USA, die ab der zweiten Jahreshälfte 2028 den Betrieb aufnehmen soll.

Auch auf Softwareseite erzwingt der Ressourcenmangel Veränderungen. Google hat neue Performance-Anforderungen für Android-Apps angekündigt, um die Effizienz bei geringem Arbeitsspeicher zu steigern. Entwickler müssen entsprechende Anpassungen bis Februar 2027 vornehmen. Zudem führt Google neue Werkzeuge wie den „Memory Limiter“ ein, um den Speicherverbrauch von Anwendungen proaktiv zu begrenzen.

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Trotz der Krise im Budget-Bereich zeigen sich Premium-Modelle resilient. Das iPhone 17 war im zweiten Quartal 2026 mit einem Anteil von 6 Prozent am Gesamtabsatz das meistverkaufte Smartphone weltweit, gefolgt vom Samsung Galaxy S26 Ultra als erfolgreichstem Ultra-Premium-Android-Gerät.

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