Smartphone-Betrug: NFC-Angriffe steigen um 188 Prozent
Veröffentlicht am: 13.08.2026 um 13:45 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Polizeibehörden warnen vor einer Eskalation gezielter Betrugsversuche, bei denen Kriminelle die Identität von Behördenvertretern missbrauchen. Wie aktuelle Ermittlungsergebnisse zeigen, drängen die Täter ihre Opfer zur Installation von Fernzugriffssoftware auf deren Mobilgeräten. Ziel dieser Angriffe ist die vollständige Übernahme von Online-Banking-Konten sowie die Plünderung finanzieller Rücklagen.
Strategischer Missbrauch von Behörden-Identitäten
Die Vorgehensweise der Täter ist hochgradig organisiert. Laut Berichten der chinesischen Botschaft in den Niederlanden geben sich Betrüger als Mitarbeiter der diplomatischen Vertretung oder als Polizeibeamte aus. Unter dem Vorwand dringender bürokratischer Angelegenheiten oder angeblicher Straftaten fordern sie die Zahlung von Kautionen. Die Botschaft rät dringend dazu, niemals auf telefonische Geldforderungen einzugehen und stattdessen offizielle Kontaktwege zur Verifizierung zu nutzen.
In Hangzhou dokumentierte die Polizei einen Fall, bei dem durch falsche Sozialversicherungsmitarbeiter ein Schaden von fast 2,85 Millionen Yuan (285??) entstand. Das Opfer war zuvor angewiesen worden, eine Fernwartungssoftware zu installieren. Die Behörden stellen klar, dass offizielle Stellen niemals einen Remote-Zugriff auf private Endgeräte fordern würden. Für legitime Beratungen stehe in diesem Zusammenhang die Telefonnummer 12333 zur Verfügung.
Technische Analyse: WindRelay und NFC-Betrug
Analysen des IT-Sicherheitsunternehmens Group-IB verdeutlichen die technische Komplexität der neuen Angriffe. Experten identifizierten die Malware-Kombination „WindRelay“ und „SpyNote“, die insbesondere in Tschechien, der Slowakei und Slowenien eingesetzt wird. Seit November 2025 wurden insgesamt 23 proben dieser Software sichergestellt.
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Ein typischer Angriff dauert laut den Sicherheitsforschern lediglich etwa 13 Minuten. Während eines Telefonats werden NFC-Daten abgegriffen und unmittelbar Kredite im Namen der Opfer aufgenommen. Die Statistiken von Group-IB belegen einen massiven Anstieg der NFC-basierten Angriffe auf Android-Systeme um 188 Prozent im Zeitraum von Januar bis April 2026 im Vergleich zum Vorjahr. Als technische Indikatoren für eine Kompromittierung (IoCs) wurden unter anderem die IP-Adressen 88.86.124.114, 185.100.87.116, 185.100.87.223 und 213.218.160.48 identifiziert.
Regionale Häufungen und polizeiliche Ermittlungserfolge
Auch in Deutschland berichten regionale Polizeidienststellen von einer Zunahme ähnlicher Delikte. In Mittelhessen warnten Beamte vor Anrufen falscher Bankmitarbeiter und Polizisten, die es auf Bargeld und Wertsachen abgesehen haben. In Neunburg vorm Wald verlor eine 67-jährige Frau Schmuck in einem mittleren vierstelligen Euro-Bereich. Hierbei nutzten die Täter eine manipulative Methode, indem sie die Telefonleitung offen hielten, um den anschließenden Notruf der Frau an die 110 abzufangen und vorzutäuschen.
Einen Fahndungserfolg meldete die Polizei in Halle und im Saalekreis. Im Rahmen einer Razzia wurden fünf Personen festgenommen. Den sieben Verdächtigen im Alter zwischen 15 und 24 Jahren wird vorgeworfen, als falsche Polizeibeamte agiert zu haben. Die Ermittler stellten Bargeld im unteren fünfstelligen Bereich sowie Datenträger und ein Fahrzeug sicher. Vier der Verdächtigen befinden sich derzeit in Untersuchungshaft.
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Erweiterte Gefahrenlagen im Dienstleistungssektor
Zusätzlich zu den telefonischen Betrugsversuchen beobachten Sicherheitsbehörden neue Varianten im Bereich des digitalen Diebstahls. In Freiburg warnt die Polizei vor „Quishing“, dem Einsatz manipulierter QR-Codes auf Schildern oder Briefen, um Zahlungsströme umzuleiten. Parallel dazu geraten Hotels und deren Kunden ins Visier. Der IT-Dienstleister Seekda meldete Phishing-Wellen gegen Beherbergungsbetriebe in Österreich, bei denen echte Buchungsdaten genutzt werden, um Kreditkartendaten zu ergaunern. Bitdefender wies zudem auf Kampagnen hin, die über Plattformen wie Booking.com verbreitet werden und durch PowerShell-Befehle Malware auf den Rechnern der Nutzer installieren.
Experten raten generell dazu, bei unangeforderten Anrufen oder digitalen Zahlungsaufforderungen höchste Vorsicht walten zu lassen. Banken und Behörden würden niemals telefonisch nach PIN-Nummern, Wertsachen oder dem Zugriff auf Endgeräte fragen. Im Verdachtsfall sollte das Gespräch sofort beendet und die jeweilige Institution über eine selbst gewählte, offizielle Nummer kontaktiert werden.
