Smartphone-Betrug: Mindestens eine Million Geräte als Neuware verkauft
Veröffentlicht am: 29.09.2026 um 17:12 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Kriminelle Netzwerke haben mindestens eine Million Smartphones aus gebrauchten Komponenten zusammengebaut und über das Internet als angebliche Neuware verkauft. Nach Angaben der Europäischen Staatsanwaltschaft (EUStA) entstand EU-Verbrauchern dadurch ein Gesamtschaden von mindestens 300 Millionen Euro. Seit 2018 wurden Geräte führender Hersteller über Online-Marktplätze in der Europäischen Union vertrieben.
Am 26. September 2026 schlugen die Behörden in einem großangelegten Zugriff zu. Rund 1.770 Steuer-, Zoll- und Polizeifahnder führten im Rahmen einer koordinierten Razzia etwa 160 Durchsuchungen in 19 Ländern durch, darunter in Deutschland und Österreich. Die EUStA meldete die Festnahme von sieben Verdächtigen: vier in Deutschland, zwei in Österreich und eine Person in Spanien.
Unter den Festgenommenen befinden sich zwei mutmaßliche Rädelsführer. In Düsseldorf nahmen die Einsatzkräfte den 43-jährigen Ukrainer Oleksiy S. fest, der die Gruppierung gemeinsam mit dem Moldauer Eugen R. gegründet haben soll. Bei Durchsuchungen in Krefeld stießen die Beamten auf eine Lagerhalle, in der rund 10.000 bis 15.000 Mobiltelefone lagerten.
Weltweite Lieferketten und getäuschte Käufer
Die Vorgehensweise der Organisation war nach Erkenntnissen der EUStA arbeitsteilig und international organisiert. Die Mobiltelefone wurden in Hongkong sowie den Vereinigten Arabischen Emiraten aus gebrauchten Bauteilen zusammengesetzt, gereinigt, neu verpackt und anschließend über die Niederlande nach Deutschland transportiert.
Von dort aus erfolgte der Vertrieb über gängige Verkaufsplattformen. Wie Medienberichte unter Verweis auf Recherchen von WDR, NDR und Süddeutscher Zeitung darlegen, seien die Mobiltelefone äußerlich nicht von echten Samsung-Smartphones zu unterscheiden gewesen.
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Über Plattformen wie Amazon wurden die Geräte überwiegend auf dem deutschen Markt abgesetzt. Aus einem Mitte Juni abgehörten Telefonat ging hervor, dass monatlich 10.000 bis 20.000 Geräte aus China und Dubai nach Europa geliefert worden sein sollen.
Steuerhinterziehung über Briefkastenfirmen
Neben dem direkten Schaden für Verbraucher ermitteln die Behörden wegen massiver Steuerhinterziehung. Nach Berechnungen der EUStA beläuft sich der Mehrwertsteuerausfall in mehreren Mitgliedstaaten auf rund 30 Millionen Euro, wovon mindestens 25 Millionen Euro auf Deutschland entfallen.
Recherchen von WDR, NDR und Süddeutscher Zeitung beziffern die Steuerausfälle in mehreren EU-Ländern ebenfalls auf über 30 Millionen Euro und den Anteil der Steuerhinterziehung in Deutschland auf mindestens 24 Millionen Euro.
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Die Täter wandten laut Berichten seit 2018 über ein Geflecht von Briefkastenfirmen in Deutschland, Österreich, Bulgarien, den Niederlanden und der Schweiz unberechtigt die Differenzbesteuerung an, um Abgaben zu umgehen.
Den Anstoß für das Verfahren gab ein Hinweis der Europäischen Betrugsbekämpfungsbehörde OLAF. Die EUStA ermittelt gegen die Beteiligten nun unter anderem wegen gewerbsmäßigen Einfuhrschmuggels, Verstößen gegen das Markenrecht sowie der Bildung einer kriminellen Vereinigung.
