Smartphone am Steuer: 28 Meter Blindflug bei zwei Sekunden Ablenkung
Veröffentlicht am: 07.10.2026 um 14:15 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Mit einer gemeinsamen Initiative wollen das Polizeipräsidium Südosthessen und die Stadtverwaltung Gelnhausen die Verkehrssicherheit im Stadtgebiet erhöhen.
Im Zentrum der Maßnahmen steht eine Plakat- und Banner-Aktion, die Verkehrsteilnehmer für die Risiken einer Smartphone-Nutzung am Steuer sensibilisieren soll. Das erste Banner mit der Aufschrift „Finger vom Handy“ wurde an einem Kreisverkehr neben dem Landratsamt im Wohngebiet Nippel platziert. Weitere Banner sollen schrittweise an verschiedenen Standorten in Gelnhausen folgen.
Die offizielle Übergabe der Plakate erfolgte durch Anna Bergmann, Polizeioberkommissarin und Fachberaterin für strategische Verkehrsprävention beim Polizeipräsidium Südosthessen, an den Gelnhäuser Bürgermeister Christian Litzinger. Die örtliche Maßnahme bindet sich in die bundesweite Verkehrssicherheitskampagne „Runter vom Gas“ ein.
Diese Initiative des Bundesministeriums für Verkehr und des Deutschen Verkehrssicherheitsrats läuft bereits seit dem Jahr 2008. Zu den zentralen Themenfeldern der Kampagne zählen neben der Ablenkung am Steuer auch überhöhte Geschwindigkeit, Alkohol- und Drogeneinfluss sowie zu geringe Sicherheitsabstände. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf dem Schutz von Kindern vor Schulen, Kitas, an Bushaltestellen und in Wohngebieten.
Zeitgleiche europaweite Kontrollwoche gegen Ablenkung
Die lokale Aktion in Hessen fällt zeitlich mit verstärkten verkehrspolizeilichen Maßnahmen zusammen. Vom 5. bis 11. Oktober 2026 richtet das europäische Verkehrspolizei-Netzwerk ROADPOL die Aktionswoche „Focus on the Road“ aus, an der sich Einsatzkräfte in Deutschland sowie in mehr als 20 weiteren europäischen Ländern beteiligen.
Zwei Sekunden Blick aufs Display bei Tempo 50 — das sind rund 28 Meter Blindflug. Wer sein Fahrverhalten jetzt anpasst, senkt sein Unfallrisiko und entgeht dem Bußgeld von 100 Euro plus Punkt in Flensburg. Kostenlosen Ratgeber jetzt anfordern
Ziel der Kontrollen ist die Bekämpfung von Ablenkung, die alle Verkehrsteilnehmer betrifft. Die rechtlichen Vorgaben und Verbote betreffen dabei nicht nur Mobiltelefone, sondern untersagen während der Fahrt auch die unzulässige Bedienung von Tablets, Musikplayern, großen Touchscreens sowie elektronischen Geräten auf dem Fahrrad.
Behörden verweisen in diesem Zusammenhang auf das erhebliche Gefahrenpotenzial flüchtiger Blicke auf mobile Displays. Wer bei einer Geschwindigkeit von 50 km/h für zwei Sekunden den Blick auf ein Smartphone richtet, legt eine Strecke von rund 28 Metern im Blindflug zurück.
Bei einem Tempo von 100 km/h erhöht sich diese Distanz auf rund 55 Meter. Unfälle durch Ablenkung verzeichnen laut Behördenangaben sowohl bundesweit als auch auf regionaler Ebene Zuwächse, wobei von einer noch höheren Dunkelziffer ausgegangen wird.
Ein Verstoß wird regulär mit einem Bußgeld in Höhe von 100 Euro und einem Punkt im Fahreignungsregister in Flensburg geahndet. Im Fall einer konkreten Gefährdung oder eines Unfalls steigen die Sanktionen auf bis zu 200 Euro und einen Monat Fahrverbot.
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Nach Angaben des Statistischen Bundesamts sind mehr als 90 Prozent der Unfälle auf menschliches Fehlverhalten zurückzuführen, während rund 30 Prozent aller tödlichen Verkehrsunfälle im Zusammenhang mit überhöhter oder nicht angepasster Geschwindigkeit stehen.
Branchenbeobachter und Präventionsexperten weisen zudem darauf hin, dass bereits wenige Sekunden Unaufmerksamkeit etwa an Stauenden verheerende Folgen nach sich ziehen können. Vor diesem Hintergrund setzt die Stadt Gelnhausen darauf, Verkehrsteilnehmer durch die sichtbare Platzierung der Banner im Alltag kontinuierlich an die Einhaltung der Verkehrsregeln zu erinnern.
