Smarte Brillen-Erpressung: Neue Masche filmt Opfer heimlich ab
Veröffentlicht am: 06.08.2026 um 14:53 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Smarte Brillen mit Kameras werden zum Werkzeug für eine neue Form der Internetkriminalität. Erpresser filmen Unbeteiligte heimlich und fordern Lösegeld für die Löschung der Aufnahmen. Datenschützer und Kommunen schlagen Alarm.
Die Masche: Filmen, hochladen, abkassieren
Ein Fall aus London zeigt die dreiste Vorgehensweise. Eine Frau wurde in einem Einkaufszentrum mit einer smarten Brille gefilmt – ohne ihr Wissen. Das Video landete auf einer Social-Media-Plattform und erzielte rund 40.000 Aufrufe. Anschließend boten die Täter dem Opfer an: Geld gegen Löschung.
Die Betroffene erstattete Anzeige, doch die Ermittlungen wurden eingestellt – zu wenig Informationen über die Täter. Die Plattformen reagierten immerhin: Ein Anbieter sperrte den Account, ein anderes Netzwerk entfernte das Video.
Städte ziehen die Reißleine
Augsburg reagiert bereits. Der Sportausschuss beschloss einstimmig ein Verbot smarter Brillen in Schwimmbädern, Sportanlagen und Schulen. Der Grund: Die Aufnahme-LEDs lassen sich technisch umgehen – heimliche Aufnahmen sind kaum zu erkennen.
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Auch die Hersteller reagieren. Meta hat in Modellen, die seit Juli auf dem Markt sind, eine Funktion integriert: Wird die LED manipuliert oder abgeklebt, deaktiviert sich die Kamera automatisch. Doch die Erkennung solcher Geräte bleibt im Alltag schwierig. Juristen betonen: Der Eingriff in die Privatsphäre ist intensiver als beim Smartphone – die Kameras sind oft kaum als solche erkennbar.
Datenschützer fordern klare Regeln
Frankreichs Datenschutzbehörde CNIL hat einen Aktionsplan für smarte Brillen veröffentlicht. Eine Umfrage aus Januar zeigt: 67 Prozent von über 2.000 Befragten sehen ein erhebliches Risiko für ihre Privatsphäre. Die Behörde empfiehlt, Aufnahmefunktionen in sensiblen Bereichen grundsätzlich zu deaktivieren und vor Aufnahmen die Einwilligung einzuholen.
Auch Hamburgs Datenschutzbeauftragte warnt vor den Gefahren des heimlichen Filmens. Rechtlich drohen Verstöße gegen die DSGVO, das Kunsturhebergesetz und das Strafgesetzbuch – etwa beim Schutz des vertraulichen Wortes und des eigenen Bildes.
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Was Betroffene jetzt tun sollten
Behörden raten Nutzern zu verantwortungsbewusstem Umgang. Wer erpresst wird, sollte kein Geld zahlen, sondern sofort die Polizei informieren und die betroffenen Plattformen zur Löschung auffordern.
Doch die Gefahr geht über smarte Brillen hinaus. Seit Mitte Juli beobachten Sicherheitsforscher eine Kampagne, bei der Hacker manipulierte Hotel-WLAN-Anschlüsse nutzen, um Zugriff auf Mikrofone und Kameras von Endgeräten zu erlangen. Die Botschaft ist klar: In einer vernetzten Welt wird der Schutz der eigenen Privatsphäre zur Daueraufgabe.
