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Smart Glasses: NAND-Preise explodieren, Marktstart verzögert sich

Veröffentlicht am: 20.09.2026 um 05:54 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Teurer Speicher verzögert neue KI-Brillen, während Auslieferungen zulegen. Snap startet Specs für Unternehmen, zugleich wächst der Regulierungsdruck.

KI-Brillen: Speicherengpässe bremsen Starts, Markt wächst weiter
Ein steriler Reinraum in einer Halbleiterfertigungsanlage mit hochpräzisen Maschinen zur Siliziumwafer-Bearbeitung. Illustration mit AI erstellt.

Der für 2026 in der Branche erwartete „Hundert-Brillen-Krieg" – ein massiver Wettbewerb neuer KI-Brillenmodelle – ist zum Verkaufsereignis 618 ausgeblieben. Laut einem Bericht des chinesischen Portals fzcmkeji.cn belasten steigende Speicherkosten Entwicklung und Markteinführung KI-integrierter Smart Glasses und dämpfen damit den erwarteten Anstieg neuer Produktstarts.

Speicherpreise als Kostentreiber

Die Ursache liegt in der globalen Speicherbranche: Die Vertragspreise für LPDDR5X-Speicher stiegen im zweiten Quartal 2026 laut einem Bericht von memeburn.com gegenüber dem Vorquartal um 78 bis 83 Prozent. Auch bei NAND-Flash zieht der Preis an – Counterpoint Research meldete laut sedaily.com einen globalen NAND-Umsatzanstieg von 70 Prozent im Quartalsvergleich bei gleichzeitig um 55 Prozent gestiegenen NAND-Preisen.

Branchenakteure reagieren mit Kapazitätsausbau: SK hynix investiert über 4 Milliarden US-Dollar (umgerechnet rund 5,5293 Billionen Won) in ein Advanced-Packaging-Werk im indianischen West Lafayette, während die SK-hynix-Tochter Solidigm laut Branchenquellen die erste NAND-Massenproduktionslinie an der US-Ostküste prüft. Das Werk Dalian 1 läuft bereits, ein zweites Werk soll die Massenproduktion in der ersten Jahreshälfte 2027 aufnehmen.

Auch bei anderen Bauteilen zeigt sich der technische Aufwand: Samsung Electro-Mechanics veröffentlichte technische Dokumente zu einer „1 MW Rack Capacitor Solution" sowie zu Low-Profile- und Embedded-MLCCs.

Nach dem unternehmenseigenen „AI MLCC Law" verdoppelt sich demnach der pro GPU benötigte Kondensator-Kapazitätsbedarf jährlich mehr als. Für Foldables und Smart Glasses entwickelt das Unternehmen Low-Profile-MLCCs der 0,5- und 0,65-Millimeter-Klasse.

Eine Seagate-Studie unter mehr als 2.700 befragten Tech-Entscheidern unterstreicht den Handlungsdruck: 99 Prozent der Befragten erwarten, dass KI-Workloads ihre Speicheranforderungen binnen drei Jahren erhöhen werden, doch nur 38 Prozent fühlen sich darauf vollständig vorbereitet. 43 Prozent nennen die Speicherinfrastruktur als Haupthindernis für den KI-Einsatz, während 98 Prozent Speicher inzwischen als strategische Infrastruktur einstufen.

Marktwachstum trotz Bremsspuren

Trotz der Kostenbelastung wächst der Markt für Smart-Head-Wearables insgesamt kräftig. Counterpoint Research verzeichnete für das erste Quartal 2026 einen Anstieg der globalen Auslieferungen um 83 Prozent im Jahresvergleich. Während VR-Geräte um 17 Prozent zurückgingen, legten AR-Brillen um 136 Prozent zu und displaylose Smart Glasses sogar um 210 Prozent.

IDC rechnet damit, dass die globalen Smart-Glasses-Auslieferungen von 9,4 Millionen Einheiten im Jahr 2024 bis 2029 auf 19,7 Millionen Einheiten steigen, wobei sich der Markt in Performance-/Sport- sowie Alltags-Lifestyle-Segmente aufteilt.

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Auf Produktseite bleibt die Dynamik hoch: Rokid stellte am 26. Juni 2026 das KI-Betriebssystem YodaOS vor. Meta und EssilorLuxottica dominieren den globalen Markt mit einem geschätzten Anteil von 76 Prozent an den weltweiten Verkäufen; rund 7 Millionen Paar wurden im vergangenen Jahr abgesetzt, wobei KI-fähige Smart Glasses im zweiten Halbjahr des Vorjahres 88 Prozent aller Auslieferungen ausmachten.

Meta-Chef Mark Zuckerberg erklärte, die Verkäufe von KI-Brillen hätten sich im vergangenen Jahr verdreifacht; Berichten zufolge laufen zudem Gespräche über eine Verdopplung der Produktion auf mindestens 20 Millionen Einheiten bis Jahresende. Auch Google kündigte eine Smart-Glasses-Linie mit Warby Parker an, Apple entwickelt die N50, und Snap bereitet seine Specs-Brille vor.

Regulatorischer Gegenwind

Parallel zum Wachstum nimmt der regulatorische Druck zu. In Frankreich eröffnete die Pariser Staatsanwaltschaft ein Strafverfahren wegen mutmaßlicher sexueller Belästigung unter Einsatz von Smart Glasses. Die Datenschutzbehörde CNIL erhielt weniger als zehn Beschwerden über Smart Glasses am Arbeitsplatz, warnte aber, dass die Geräte Bilder und Stimmen nahezu unsichtbar erfassen könnten.

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Senator Hugues Saury bat die französische Regierung am 10. September 2026 um Klärung der Regeln für Beschäftigte, die kameraausgestattete Brillen tragen. Das französische Recht sieht bis zu einem Jahr Haft und 45.000 Euro Geldstrafe für unerlaubte Aufnahmen an privaten Orten vor, während auf EU-Ebene DSGVO und KI-Verordnung greifen – seit dem 2. August gelten zudem neue EU-Transparenzanforderungen für bestimmte KI-Systeme.

Auch außerhalb Frankreichs regt sich Widerstand: Australien prüft ein Verbot aufnahmefähiger Smart Glasses in Regierungsbüros, Ministerin Katy Gallagher bat die Public Service Commission um formelle Beratung dazu, und ein Roundtable mit Microsoft, Commonwealth Bank, Telstra und AGL zu KI-Richtlinien am Arbeitsplatz ist geplant.

Norwegen erwägt ebenfalls Regulierung; Oslo hat Smart Glasses bereits aus Schulen verbannt, Gerichte in England und Wales schlossen Metas Version aus.

Jersey, Guernsey und die Isle of Man gaben eine gemeinsame Datenschutz-Warnung heraus, in der Deputy Kirsten Morel ein vollständiges Verbot anregte; die Warnung verweist darauf, dass Meta bestätigt habe, dass KI-Funktionen erfasstes Material an Cloud-Server übertragen können, die von Mitarbeitern und Auftragnehmern geprüft werden.

Mehr als 70 Personen verklagten Meta mit der Behauptung, intime Bilder seien Auftragnehmern in Kenia offengelegt worden; die als Sammelklage vorgesehene Klage wurde Ende August 2026 geändert.

Snap positioniert Specs für Unternehmenskunden

Snap brachte seine Specs-Brille zu einem Startpreis von 2.195 US-Dollar auf den Markt, ausgestattet mit vier Stunden Akkulaufzeit, freihändiger Navigation und der KI-Plattform Specs Intelligence.

Beim Launch-Event performte die Künstlerin Imogen Heap einen improvisierten Song mit einer eigens entwickelten Lens. Für den Unternehmenseinsatz kooperiert Snap mit Nvidia, Amazon Web Services und Salesforce. CEO Evan Spiegel betonte, Specs sei ein Computer und keine Smart-Glasses-Brille zum bloßen Fotografieren.

Das Gerät wurde bereits im Juni gegen eine rückzahlbare Anzahlung von 200 US-Dollar vorgestellt und soll ab Herbst in den USA, Großbritannien und Frankreich ausgeliefert werden. Ein Verizon-Bundle mit 5G-Case kostet 2.395 US-Dollar, dazu kommen Datentarife ab 10 US-Dollar monatlich für Verizon-Kunden beziehungsweise 20 US-Dollar für Nicht-Kunden.

Die Brille bietet ein 51-Grad-Sichtfeld, zwei Snapdragon-Prozessoren sowie ein Dual-Display in LCoS-Technologie mit optischen Waveguides, das ein Bild wie auf einem 115-Zoll-Bildschirm aus rund zehn Fuß Entfernung erzeugen soll, inklusive Live-Übersetzung in bis zu 60 Sprachen. Snap verweist auf mehr als 7.000 Patente rund um Specs; ein Showroom in Los Angeles öffnet ab dem 1. Oktober.

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