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Smart Glasses: Bis zu 45.000 Euro Strafe für heimliche Aufnahmen

Veröffentlicht am: 24.09.2026 um 02:22 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Frankreich prüft mögliche Privatsphäre-Verstöße durch Smartbrillen. Datenschutzbedenken, eine Klage gegen Meta und Forderungen nach Einschränkungen begleiten den Absatzanstieg.

Meta-Smartbrillen: Pariser Ermittlungen wegen heimlicher Aufnahmen
Ein belebter öffentlicher Platz in Paris bei hellem Tageslicht mit verschwommenen Silhouetten von Passanten. Illustration mit AI erstellt.

Die Pariser Staatsanwaltschaft hat Vorermittlungen im Zusammenhang mit der Nutzung von intelligenten Brillen eingeleitet. Hintergrund sind mehrere Strafanzeigen wegen der Verletzung der Privatsphäre, insbesondere durch heimliche Videoaufnahmen im öffentlichen Raum.

Die Ermittlungsbehörde reagiert damit auf einen beobachteten Trend in sozialen Netzwerken, bei dem Frauen ohne deren Zustimmung gefilmt und die Aufzeichnungen anschließend online veröffentlicht werden.

Vorwürfe der gezielten Belästigung und Nötigung

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft werden Frauen teilweise gezielt provoziert oder belästigt, um deren Reaktionen mit den in die Brillen integrierten Kameras festzuhalten.

In einigen Fällen erstrecken sich die Ermittlungen auch auf den Verdacht der sexuellen Belästigung sowie der sexuellen Nötigung, sofern die Aufnahmen mit nicht einvernehmlichen Kontakten einhergehen. Den Tätern drohen nach französischem Recht bis zu zwei Jahre Haft und Geldstrafen von bis zu 45.000 Euro.

Die Organisation e-Enfance berichtet von etwa 20 Meldungen heimlich gefilmter Frauen seit Jahresbeginn. In der Mehrzahl der Fälle seien dabei Brillen des Herstellers Meta zum Einsatz gekommen. Während die Staatsanwaltschaft Paris keine expliziten Angaben zu den verwendeten Marken machte, teilte die französische Datenschutzbehörde CNIL mit, dass ihr bislang rund zehn Beschwerden vorliegen.

Datenschutzrechtliche Bedenken bei der Hardware

Ein aktueller Bericht des Hamburgischen Datenschutzbeauftragten Thomas Fuchs vom 10. September untermauert die technischen Bedenken. Bei einer Prüfung der Ray-Ban Meta Smart Glasses wurde festgestellt, dass die integrierte LED-Leuchte, die eine laufende Aufnahme signalisieren soll, in vielen Umgebungen schlecht erkennbar ist.

Insbesondere bei hellem Tageslicht oder aus einer gewissen Distanz sei die Signalwirkung unzureichend. Zudem ließen sich die LEDs einfach abkleben, ohne dass die Aufnahmefunktion bei älteren Firmware-Versionen stoppte.

Die Hamburger Behörde kritisierte zudem, dass fünf integrierte Mikrofone Gespräche in bis zu zwei Metern Entfernung aufzeichnen. Da die Brillen ständig auf das Aktivierungskommando reagieren und Daten zum KI-Training an Server übertragen, sieht die Behörde die Gefahr, dass Nutzer die Kontrolle über die Datenverarbeitung verlieren.

Werden unbeteiligte Dritte im öffentlichen Raum gefilmt, fallen die Träger laut den Datenschützern in vielen Fällen nicht mehr unter die sogenannte Haushaltsausnahme der DSGVO und tragen damit die volle rechtliche Verantwortung als Datenverarbeiter.

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Sammelklage und Marktentwicklung

Trotz der Kritik verzeichnet Meta steigende Absatzzahlen; im vergangenen Jahr wurden mehr als sieben Millionen Stück der mit EssilorLuxottica entwickelten Brillen verkauft. Parallel dazu sieht sich der Konzern in Kalifornien mit einer Sammelklage konfrontiert.

Den Klägern zufolge sollen menschliche Prüfer private Aufnahmen, die etwa in Umkleidekabinen oder Sanitärräumen entstanden sind, nach dem Upload auf Meta-Server gesichtet und für das KI-Training markiert haben. Meta bestreitet die Vorwürfe und verweist auf Software-Updates, die eine Aufnahme nun unterbrechen, sobald die Signal-LED verdeckt wird.

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Diskussionen über Verbote und Gegenmaßnahmen

In Deutschland und der Schweiz fordern Politiker bereits Konsequenzen. In der Hamburgischen Bürgerschaft wurde Anfang September über ein Verbot von Smart Glasses in städtischen Freibädern sowie im öffentlichen Nahverkehr beraten. In der Schweiz unterzeichneten über 17.000 Personen eine Petition, die ein Verkaufs- und Importmoratorium für KI-Brillen fordert.

Als Reaktion auf die schwer erkennbare Aufnahmetechnik hat der Entwickler Pawe? Szyd?owski die App „ZuckOff“ veröffentlicht. Diese erkennt Bluetooth-Signale von Brillen wie Ray-Ban Meta oder Snap Spectacles und schätzt deren Entfernung ein. Die App wurde bereits mehrere tausend Mal heruntergeladen, kann jedoch systembedingt nicht anzeigen, ob eine Brille in diesem Moment tatsächlich aktiv aufzeichnet.

Für den kommenden Mittwoch wird im Rahmen der Meta-Connect-Konferenz die Vorstellung neuer Modelle erwartet. Analysten rechnen mit aktualisierten Versionen der Kamera-Brillen sowie einem neuen Design ohne Kameras, um gezielt auf die Datenschutzbedenken der Nutzer und Behörden zu reagieren.

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