Smart Glasses: Australien plant weltweit erstes nationales Verbot
Veröffentlicht am: 17.09.2026 um 17:04 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die australische Regierung erwägt umfassende Beschränkungen für kamerafähige Smart Glasses in Regierungsgebäuden. Als Grund für die Überlegungen werden Datenschutz- und Sicherheitsbedenken angeführt. Sollte die Maßnahme umgesetzt werden, handelte es sich laut Regierungsangaben um das weltweit erste Verbot dieser Art auf nationaler Ebene.
Public-Service-Ministerin Katy Gallagher hat die Public Service Commission (APSC) damit beauftragt, ein entsprechendes Verbot für Gebäude des Commonwealth sowie für den gesamten Australian Public Service zu prüfen. Dabei sollen auch mögliche Ausnahmeregelungen erarbeitet werden. Die Prüfung konzentriert sich vor allem auf Büros und staatliche Servicezentren.
Ein generelles Importverbot für die Geräte sei hingegen nicht vorgesehen. Kommunikationsministerin Rowland lehnte einen Importstopp unter Verweis auf die Bedeutung der Technologie für die Barrierefreiheit ab. Die Regierung plane zudem, im Zuge der laufenden Maßnahmen weitere Ankündigungen zu tätigen.
Nationale KI-Standards und Gesetzgebung
Parallel zu den Bestrebungen im Bereich der tragbaren Hardware hat das Office of AI eine öffentliche Konsultation zu nationalen Standards für Künstliche Intelligenz (KI) gestartet. Ein entsprechendes Diskussionspapier wurde veröffentlicht; Einreichungen sind bis zum 09.10.2026 möglich. Die Konsultation befasst sich unter anderem mit dem Betrieb von Rechenzentren und dem Training sogenannter Frontier-KI-Modelle.
Im Bereich der Rechenzentren konzentriert sich die Befragung auf Zusagen zur Stromversorgung, wobei betont wurde, dass keine Auswirkungen auf Stromrechnungen, Wasserverbrauch, Standorte oder Ausbildungskapazitäten zu erwarten seien.
Beim KI-Training stehen Aspekte der Sicherheit, Transparenz sowie lokale Investitionen im Fokus. Premierminister Albanese kündigte an, dass eine entsprechende Gesetzgebung zu den KI-Standards Anfang 2027 in das Parlament eingebracht werden soll. Der Premierminister wird zudem an diesem Freitag in die USA reisen.
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Vorreiterrolle lokaler Kommunen
Während die nationale Regelung noch geprüft wird, haben mehrere australische Kommunen bereits eigenständige Beschränkungen erlassen. Die Verwaltungen von Brisbane, Yarra und Canterbury-Bankstown setzen bereits Verbote für Smart Glasses um. Das Australian Capital Territory (ACT) prüft derzeit eine ähnliche Regelung.
Konkret hat der Canterbury-Bankstown Council in Sydney am 15.09.2026 mit großer Mehrheit beschlossen, KI-Smart-Glasses in allen öffentlichen Schwimmbädern zu untersagen. In Brisbane wurde bereits im August 2026 ein Verbot verdeckter Aufnahmen in 21 Schwimmbädern ausgesprochen.
Der Bass Coast Shire schloss sich diesen Maßnahmen an. Der Yarra City Council wiederum hatte Anfang September die Prüfung von Verboten in Freizeitzentren, Kindertagesstätten und auf Spielplätzen beschlossen. In Adelaide plant Stadtrat Phillip Martin, in der kommenden Woche die Prüfung von Beschränkungen zu beantragen.
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Innerhalb der Kommunalverwaltungen herrscht jedoch keine Einigkeit über die Zuständigkeit. Der Bürgermeister von Monash, Stuart James, erklärte, dass die Datenschutzproblematik bei Smart Glasses eine Tragweite besitze, die über die Kompetenzen lokaler Räte hinausgehe. Kommunen wie Whitehorse, Boroondara, Monash und Knox planen derzeit kein eigenes Verbot.
Marktentwicklung und Verfügbarkeit
Die regulatorischen Bemühungen fallen in eine Zeit, in der Smart Glasses zunehmend den Massenmarkt erreichen. Im australischen Handel sind einfache Modelle, etwa bei Kmart, bereits für 89 AUD erhältlich. Hochwertigere Produkte, wie die Smart Glasses von Ray-Ban Meta, kosten bis zu 700 AUD.
Die wachsende Verbreitung und die technische Fähigkeit zur unauffälligen Bild- und Tonaufnahme sind die zentralen Treiber für die aktuelle Debatte um die Sicherheit in öffentlichen und staatlichen Einrichtungen.
