Sleepmaxxing-Trend: Suchvolumen springt um 2.300 Prozent
Veröffentlicht am: 23.09.2026 um 04:01 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Verschiedene Medienformate, von Hypnose-Hörbüchern bis hin zu achtsamkeitsbasierten Ansätzen, widmen sich zunehmend Techniken zur mentalen Beruhigung und Schlafoptimierung. Angesichts von rund 30 Prozent der Erwachsenen, die unter regelmäßigen Durchschlafstörungen leiden, wächst das Interesse an wissenschaftlich begleiteten Methoden und akustischen Einschlafhilfen.
Akustische Formate und Achtsamkeitsübungen
Das Spektrum an Veröffentlichungen zur mentalen Beruhigung umfasst diverse Audioformate und Übungsanleitungen. Das Hörbuch „Einschlafen in 20 Minuten: Blitz Hypnose“ von Mentalreisen, gesprochen von Jessica Oldach, kombiniert bei einer Laufzeit von 36 Minuten Blitz-Hypnose mit autogenem Training, einer 4-7-8-Atemübung sowie Visualisierung, Trance-Induktion per Bodyscan und Suggestionen.
Marco Neumann veröffentlichte das Hörspiel „Geschichte zum Einschlafen: Die magische Sternenbrücke“ mit einer Spieldauer von 39 Minuten im Verlag Marco Neumann Traumreisen, das Naturgeräusche und sphärische Musik für eine geführte Entspannung nutzt.
Zudem beleuchtet das Hörbuch „Achtsam faulenzen“ von Heike Abidi und Daniela Nagel, gelesen von Bettina Hoffmann beim Verlag Avocado Hörbuch, bewusstes Nichtstun als Methode zur Stressreduktion und Förderung der mentalen Gesundheit.
Ergänzend dazu bietet SoakStream mit Beiträgen von Barrett Bogan ein achtstündiges Video mit Bibeltexten und Gebeten zur Beruhigung an. Für jüngere Zielgruppen legten Sandra Walkenhorst und Mona Bekteši mit Illustrationen von Beata Zurawska das Kartenset „30 x Entspannung und Achtsamkeit in der Grundschule“ im Verlag Don Bosco vor.
Christine Dohler adressiert mit dem Hörbuch „Unsere zauberhaften Rauhnächte – Mit Elfe Njóla die magischste Zeit des Jahres erleben“ Familien mit Einkehrübungen. Zudem vermittelt Premayjoti über Yoga Vidya ruhige Bewegungseinheiten im Sitzen und Liegen ohne Leistungsdruck.
Atemtechniken und Aktivierung des Vagusnervs
Zur physiologischen Beruhigung stehen Atem- und Körpertechniken im Fokus. Im Podcast „Beyond Lifespan“ verweisen Dr. Mario Gietl und Dr. Max Griessinger auf die Methode der Seufzeratmung (Cyclic Sighing). Eine doppelte Einatmung öffne kollabierte Lungenbläschen, während eine verlangsamte Ausatmung den Vagusnerv stimuliere. Akuter Stress könne nicht über reine Willenskraft, wohl aber über gezielte Atmung reguliert werden.
Zur Entlastung des Vagusnervs werden verschiedene Schritte empfohlen:
* die 4-7-8-Bauchatmung (vier Sekunden einatmen, sieben Sekunden halten, acht Sekunden ausatmen),
* Summen oder Singen,
* Reize durch kaltes Wasser im Gesicht oder ein 30-sekündiges Eispack im Nacken,
* fünf Minuten Achtsamkeit auf die Atmung,
* ein Augen-Reset mit veränderten Blickpunkten oder bedeckten Augen,
* sanfte Nacken- und Ohrmassagen sowie
* leichte Yoga-Haltungen wie die Vorwärtsbeuge oder der herabschauende Hund.
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Verhaltenstherapie und Schlafhygiene
Strukturierte Verhaltensanpassungen zeigen in Untersuchungen deutliche Effekte. Eine verhaltenstherapeutische Stimuluskontrolle verbessert bei 70 bis 80 Prozent der Menschen mit nächtlichem Wachliegen die Schlafqualität dauerhaft. Ein fester Schlaf-Wach-Rhythmus kann die Einschlaflatenz um bis zu 40 Prozent verkürzen.
Sollte das Einschlafen nach 15 bis 20 Minuten Wachliegen nicht gelingen, raten Fachleute zum Verlassen des Schlafzimmers. Zudem steigert progressive Muskelentspannung die subjektive Schlafqualität nach mehrwöchigem Training um fast vier Punkte auf der Pittsburgh-Skala.
Für die Schlafumgebung wird eine Temperatur von 15 bis 17 Grad Celsius beziehungsweise 16 bis 18 Grad Celsius empfohlen. Tagsüber unterstützen Bewegung, ein maximal 20-minütiger Mittagsschlaf vor 15 Uhr und der Verzicht auf Koffein fünf bis sechs Stunden vor dem Zubettgehen die Nachtruhe.
Andrew Huberman von der Stanford University beschreibt zudem eine Augenbewegungstechnik mit geschlossenen Lidern zur Förderung des Wiedereinschlafens, die über Propriozeption und das Kleinhirn erklärt wird, wenngleich direkte Studien dazu fehlen.
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Eine Untersuchung der Universitäten Genf und Lausanne mit 18 Erwachsenen in einem schaukelnden Bett zeigte, dass rhythmische Bewegungen die Zeit bis zum Non-REM-Schlaf verkürzten.
Ursachen für Schlafmangel und Nahrungsergänzungsmittel
Das Hinauszögern des Schlafengehens, die sogenannte „Bedtime Procrastination“, betrifft laut Helen Slawik vom Zentrum für Schlafmedizin der Basler Universitätskliniken vermehrt Frauen.
Ursachen seien das Gefühl, abends zu wenig erlebt zu haben, schlechte Strukturierung, fehlender emotionaler Abschluss oder Protest gegen extreme Belastungen („Revenge Bedtime Procrastination“). Schlafmangel könne in der Folge zu Kreislauf-Erkrankungen, Gewichtszunahme, Schlafstörungen und Depressionen führen.
Gleichzeitig verzeichnet der trend des „Sleepmaxxing“ seit Anfang 2026 im DACH-Raum einen starken Anstieg: Der Suchbegriff legte um über 2.300 Prozent zu, begleitet von mehr als 200 Millionen TikTok-Aufrufen. Schlafforscher der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg merken an, dass der Großteil dieser Methoden wissenschaftlich kaum belegt sei. Eine übermäßige Fixierung (Orthosomnie) könne Einschlafprobleme sogar verstärken.
Hinsichtlich Nahrungsergänzungsmitteln ist die Studienlage zu Magnesium uneinheitlich. Während eine Metaanalyse aus dem Jahr 2021 bei älteren Teilnehmenden ein um circa 17 Minuten schnelleres Einschlafen und rund 16 Minuten längeren Schlaf feststellte, fand eine Übersichtsarbeit von 2022 keinen nachweisbaren positiven Effekt.
Schlafmediziner Michael Feld sieht eine Einnahme ein bis zwei Stunden vor dem Schlafen bei festgestelltem Mangel, starker Stressbelastung oder höherem Alter als Option.
Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) empfiehlt maximal 250 Milligramm Magnesium pro Tag über Nahrungsergänzungsmittel, da ab 300 Milligramm Durchfall und ab 2.500 Milligramm Blutdruckabfall drohen; nach Angaben der Verbraucherzentrale überschreiten rund 57 Prozent der online erhältlichen Präparate diese Höchstmenge.
Für Melatonin ist hingegen in einer Dosierung von 1 Milligramm kurz vor dem Zubettgehen eine verkürzte Einschlafzeit als Wirkung anerkannt, wobei das Mittel nicht für Schwangere, Stillende oder Minderjährige vorgesehen ist.
