Sjögren-Diagnose: Blutmarker und Ultraschall erreichen 92,96 Prozent Sensitivität
Veröffentlicht am: 25.09.2026 um 15:01 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Diagnose des primären Sjögren-Syndroms (pSS), einer chronisch-entzündlichen Autoimmunerkrankung, die vor allem die Speicheldrüsen und Tränendrüsen betrifft, gilt weiterhin als schwierig, da Symptome oft unspezifisch sind und sich schleichend entwickeln. Eine Studie, über die kmmu.edu.cn berichtete, liefert nun Hinweise darauf, wie sich die Früherkennung durch die Kombination aus Bluttests und Ultraschall verbessern lassen könnte.
Vierfachkombination verbessert Trefferquote
Im Zentrum der Untersuchung stehen sogenannte neutrophile extrazelluläre Fallen (NETs) – Strukturen, die neutrophile Immunzellen bei entzündlichen Prozessen freisetzen. Die Studie kombinierte zwei NET-assoziierte Marker, MPO-DNA und CitH3, mit Ultraschallwerten der Parotis- und Submandibulardrüsen.
Diese Vierfachkombination erreichte laut dem Bericht eine Fläche unter der ROC-Kurve (AUC) von 0,874 (95-Prozent-Konfidenzintervall 0,818–0,938) für das pSS-Screening, bei einer Sensitivität von 92,96 Prozent und einer Spezifität von 81,06 Prozent. Damit schnitt die kombinierte Testung den Angaben zufolge besser ab als die Einzelmarker oder Ultraschallwerte für sich genommen.
Bei Patient:innen mit pSS lagen die Ultraschallwerte von Parotis- und Submandibularisdrüsen den Studienautoren zufolge höher als in beiden untersuchten Kontrollgruppen. Auch die Werte für MPO-DNA und CitH3 waren bei pSS-Patient:innen sowie bei Personen mit systemischem Lupus erythematodes (SLE) höher als bei gesunden Kontrollpersonen.
Zudem korrelierten höhere Werte mit dem ESSDAI, einem gängigen Index zur Erfassung der Krankheitsaktivität bei Sjögren-Syndrom. Die Arbeit wurde laut dem Bericht durch einen Zuschuss der chinesischen National Natural Science Foundation (NSFC, Fördernummer 82374342) unterstützt.
Einordnung in ein breiteres diagnostisches Bild
Die Ergebnisse reihen sich in eine Reihe aktueller Arbeiten ein, die zeigen, wie heterogen sich das Sjögren-Syndrom klinisch präsentieren kann. Eine retrospektive südkoreanische Studie mit 731 zwischen 2020 und 2025 diagnostizierten Sjögren-Patient:innen, über die sjogrenssyndromenews.com berichtete, fand etwa, dass 48 Patient:innen (6,6 Prozent) bereits bei Diagnosestellung große Speicheldrüsenschwellungen aufwiesen.
Diese Gruppe war demnach deutlich jünger als Patient:innen mit anderen Erstmanifestationen – das mediane Alter lag bei 26 Jahren gegenüber 52 Jahren – und zeigte eine höhere objektive Krankheitsaktivität sowie stärkere Ultraschallveränderungen.
Trockenheit, Müdigkeit, Schmerzen – und trotzdem oft jahrelang keine klare Diagnose. Eine aktuelle Studie zeigt, wie die Kombination aus zwei NET-Blutmarkern und dem Ultraschall der Speicheldrüsen die Trefferquote beim Sjögren-Screening deutlich verbessern kann. Unser kostenloser Leitfaden erklärt die Marker und den Ultraschall-Score Schritt für Schritt. Sjögren-Diagnose-Leitfaden jetzt anfordern
Niedrige C3-Werte und ein jüngeres Diagnosealter blieben laut der Studie unabhängig mit dem Auftreten von Schwellungen verbunden, während höhere Ultraschallwerte nur einen statistisch nicht signifikanten Trend zeigten.
In der Schwellungsgruppe traten Lymphknotenvergrößerungen mit 26,7 Prozent häufiger auf als in der Vergleichsgruppe mit 15,2 Prozent, während Gelenkbeschwerden mit 8,9 Prozent seltener vorkamen als die 22,2 Prozent in der Vergleichsgruppe. Die Autoren wiesen jedoch darauf hin, dass die kleine Untergruppengröße die Aussagekraft begrenze.
Wie belastend die Erkrankung für Betroffene jenseits der reinen Diagnosestellung sein kann, verdeutlicht eine systematische Übersichtsarbeit, über die nature.com berichtete. Sie identifizierte fünf wiederkehrende Themen: unsichtbare und unvorhersehbare Symptome, individuelle Bewältigungsstrategien, Einschränkungen im sozialen und beruflichen Leben, Schwierigkeiten im Umgang mit dem Gesundheitssystem sowie unterschiedliche Wahrnehmungen von Krankheit und Behandlung.
Trockenheit, Müdigkeit und Schmerzen beeinträchtigten die Lebensqualität demnach erheblich, während verzögerte Diagnosen und mangelndes Verständnis im Gesundheitswesen als wiederkehrende Probleme genannt wurden.
Ultraschall als diagnostisches Werkzeug im Aufwind
Der Ultraschall gewinnt in der rheumatologischen Diagnostik generell an Bedeutung, wie eine multizentrische Beobachtungsstudie zeigt, die in Lancet Rheumatology veröffentlicht wurde und über die brightsurf.com berichtete.
Für die Arbeit wurden mehr als 28.000 Gelenke bei 802 gesunden Freiwilligen im Alter von 18 bis 80 Jahren aus 20 Zentren in 13 Ländern untersucht, um alters- und gelenkspezifische Referenzwerte zu erstellen. Dabei zeigten 13 Prozent der untersuchten Gelenke Befunde oberhalb von Grad 0, am häufigsten an den ersten und zweiten Zehengrundgelenken.
Wenn Symptome unspezifisch bleiben und der Weg zur Sjögren-Diagnose sich über Jahre zieht, fehlt Betroffenen vor allem eines: ein klarer Fahrplan. Dieser Leitfaden bündelt die wichtigsten Ansatzpunkte – von NET-Biomarkern über den Speicheldrüsen-Ultraschall bis zu den Fragen, die Sie im Termin stellen sollten. Kostenlosen Diagnose-Fahrplan herunterladen
Ein Doppler-Signal galt in den untersuchten Gelenken unabhängig vom Alter als abnormaler Befund, während normale Synovialhypertrophie und Gelenkergüsse je nach Alter und Gelenk variierten.
Solche Referenzwerte sollen künftig helfen, krankhafte von alterstypischen Veränderungen besser zu unterscheiden – eine Grundvoraussetzung für den zuverlässigen Einsatz bildgebender Verfahren in der Diagnostik chronisch-entzündlicher Erkrankungen.
