Singapur, Drip-Pricing

Singapur verbietet Drip-Pricing: Neue Regeln für Zahlungsanbieter

Veröffentlicht am: 03.08.2026 um 20:01 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Neue Vorschriften und Pilotprojekte verändern den internationalen Zahlungsverkehr. Singapur stärkt Verbraucherschutz, Indien öffnet Markt, Zentralbanken testen schnellere Abwicklung.

Globale Zahlungsregeln: Singapur, Indien und Zentralbanken treiben Wandel voran
Digitale Oberfläche mit globalen Finanzhandelsdaten und transparenten Wechselkursen in einem modernen Büro. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Internationale Finanzplätze verschärfen die Regeln für Überweisungen und Zahlungsverkehr – mit weitreichenden Folgen für Verbraucher und Unternehmen. Neue Initiativen in Singapur, Indien und bei den Zentralbanken sollen Kosten senken und Missbrauch eindämmen.

Singapur führt Verhaltenskodex für Zahlungsdienstleister ein

Der Finanzverband Singapurs (SFA) hat heute einen freiwilligen Verhaltenskodex für die Zahlungsbranche vorgestellt. Ziel ist der Schutz der Verbraucher vor versteckten Gebühren. Der Kodex richtet sich an alle Unternehmen, die unter dem Zahlungsdienstegesetz von 2019 lizenziert sind – ausgenommen sind Anbieter von Kryptowährungen.

Wer den Kodex unterzeichnet, verpflichtet sich zu vollständiger Preistransparenz. Konkret bedeutet das: Schluss mit der sogenannten „Drip-Pricing"-Masche, bei der Gebühren erst während des Bezahlvorgangs schrittweise hinzukommen. Zudem müssen Wechselkursaufschläge vor Abschluss der Transaktion offengelegt werden. Als Aufschlag gilt die Differenz zwischen angebotenem Kurs und Mittelkurs – der Referenzkurs darf dabei höchstens zehn Minuten alt sein.

SFA-Präsidentin Holly Fang betont: „Verbraucher müssen genau wissen, wofür sie zahlen." Jährliche Selbstprüfungen sollen die Einhaltung sichern. Der Kodex enthält außerdem standardisierte Betrugsbekämpfungsmaßnahmen und übernimmt bestehende Haftungsregeln der Banken – etwa eine Obergrenze von 100 Singapur-Dollar bei bestimmten unbefugten Transaktionen.

Der Hintergrund ist ernst: 2025 verzeichnete Singapur Schäden durch Betrugsmaschen in Höhe von 913,1 Millionen Singapur-Dollar. Das ist zwar ein Rückgang um 17,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr – aber immer noch ein alarmierender Wert.

Indien öffnet Handelszahlungen für Fintech-Unternehmen

Die indische Zentralbank (RBI) bricht ein Bankenmonopol: Künftig dürfen auch Nichtbanken bestimmte Handelszahlungen abwickeln. Die überarbeitete Devisenverordnung, die Ende April erlassen wurde, erlaubt Fintech-Firmen Transaktionen bis zu 25 Lakh Rupien (rund 26.000 Euro) pro Geschäft.

Das Unternehmen WSFx Global Pay erhielt heute die entsprechende Lizenz und kann nun Handels- und Überweisungsgeschäfte über eigene Konten abwickeln. Bereits am 21. Juli hatte EbixCash World Money die gleiche Genehmigung erhalten.

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Profitieren sollen davon vor allem die rund 63 Millionen kleinen und mittleren Unternehmen in Indien, die einen erheblichen Teil der Exporte des Landes stemmen. Bislang waren sie bei Auslandszahlungen auf traditionelle Banken angewiesen – mit langen Bearbeitungszeiten und hohen Gebühren.

Parallel bereitet die Regierung in Neu-Delhi ein Steuerreformgesetz vor, das auch das Zahlungssystem betrifft. Branchenbeobachter erwarten, dass damit Gebühren für das beliebte UPI-Zahlungssystem eingeführt werden könnten. Bislang ist UPI – mit rund 23 Milliarden Transaktionen pro Monat – für Händler und Verbraucher kostenlos.

Zentralbanken testen erfolgreich neue Abwicklungsinfrastruktur

Ein internationales Pilotprojekt zur Modernisierung des grenzüberschreitenden Zahlungsverkehrs ist abgeschlossen. Unter dem Namen „Projekt Agorá" testeten die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ), acht Zentralbanken – darunter die US-Notenbank und die Bank of England – sowie 28 Geschäftsbanken eine neue Plattform.

Das Ergebnis kann sich sehen lassen: 30 Transaktionen in sechs Währungen wurden in etwa 80 Sekunden abgewickelt. Möglich macht das eine programmierbare Umgebung, die digitales Zentralbankgeld mit tokenisierten Bankeinlagen verbindet. Die Abrechnung erfolgt „atomar" – Devisenumtausch und Zahlung werden gleichzeitig und rund um die Uhr abgeschlossen.

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Ein Vergleich zeigt allerdings: Technologie allein senkt die Kosten nicht automatisch. Eine Studie der italienischen Zentralbank aus dem Juli analysierte 200 reale Stablecoin-Überweisungen. Die Kosten schwankten je nach Korridor zwischen 0,30 und fast 9 Prozent. Zwar fielen die Blockchain-Gebühren minimal aus – der Löwenanteil entstand jedoch bei der Umwandlung in traditionelle Währungen und durch lokale Infrastrukturkosten.

Neue Partnerschaften gegen hohe Transfergebühren in Afrika

In Subsahara-Afrika gehen private Anbieter das Kostenproblem nun direkt an. Das Unternehmen eZi Remit kooperiert künftig mit dem Kreditkartenkonzern Mastercard und nutzt dessen Überweisungsplattform. Damit sind Überweisungen von Südafrika in 25 Länder möglich – darunter Simbabwe, Kenia und Indien.

Der Bedarf ist enorm: Im Regionaldurchschnitt kosten Überweisungen rund 8,37 Prozent des Betrags. Bei traditionellen Banktransfers sind es sogar mehr als 13 Prozent. Die neue Partnerschaft setzt auf die Integration von Mobil-Geldbörsen und Barauszahlungsstellen, um das klassische Korrespondenzbankensystem zu umgehen – ein Trend, der die Branche nachhaltig verändern dürfte.

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