Singapur: Jeder fünfte Einwohner ist über 65 – Prävention im Fokus
Veröffentlicht am: 12.10.2026 um 05:52 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Diskussionen über den demografischen Wandel verengen sich in der Öffentlichkeit häufig auf die Belastungen der sozialen Sicherungssysteme. Wissenschaftliche Perspektiven auf das Altern setzen dem zunehmend differenzierte Modelle entgegen.
Auf dem gemeinsamen Jahreskongress der Deutschen Gesellschaft für Gerontologie und Geriatrie (DGGG) und der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie (DGG), der vom 23. bis zum 26. September 2026 in Frankfurt stattfand, befassten sich rund 1.200 Fachleute mit aktuellen Erkenntnissen aus Medizin, Philosophie und Präventionsforschung. Im Mittelpunkt stand dabei die Zielsetzung, gesellschaftliche Potenziale zu nutzen und die gesunde Lebenszeit systematisch zu erweitern.
Gesellschaftliche Chancen und der Fokus auf Teilhabe
Zum Auftakt der Fachtagung plädierten die Experten für ein verändertes Bild des Alterns in der Gesellschaft. Der Philosoph Otfried Höffe stellte dabei den Begriff der Unterjüngung anstelle der geläufigen Formulierung einer Überalterung in den Vordergrund. Eine steigende Lebenserwartung bringe für die Gesellschaft insgesamt mehr Chancen als Risiken mit sich.
Kongresspräsident Hans-Werner Wahl hob in diesem Zusammenhang hervor, wie wesentlich Selbstbestimmung und Teilhabe für ältere Menschen seien. Als zentrale Aufgabe der Geriatrie wurde formuliert, nicht allein die reine Lebensspanne zu verlängern, sondern vor allem die gesunde Lebensspanne – die sogenannte Gesundheitsspanne – auszubauen.
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Personalisierte Prävention und wissenschaftliche Validierung
Neben den gesellschaftlichen Rahmenbedingungen bildeten medizinische und biologische Ansätze einen Schwerpunkt der wissenschaftlichen Debatten. Prof. Brian Kennedy stellte auf der Tagung ein Konzept zur personalisierten Prävention vor. Dabei sollen spezifische Biomarker genutzt werden, um Alterungsprozesse sowie individuelle Risiken frühzeitig und präzise zu erfassen. Kennedy unterstrich jedoch zugleich, dass die Aussagekraft solcher Biomarker strikt wissenschaftlich validiert sein müsse.
Der Wissenschaftler mahnte zur Vorsicht gegenüber voreiligen Schlüssen: Wenn eine Messung ein biologisches Alter von 55 Jahren anstelle eines chronologischen Alters von 62 Jahren ausgebe, belege dies keineswegs zwingend, dass die betroffene Person tatsächlich sieben Jahre langsamer altere. Für zahlreiche sogenannte Longevity-Medikamente sowie für bestehende Altersuhren fehle es bislang an belastbaren Langzeitdaten bei Untersuchungen am Menschen.
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Internationale Modelle zur Gesundheitsförderung
Wie gesundheitspolitische Strategien zur Bewältigung der demografischen Entwicklung in der Praxis aussehen können, zeigte der Blick auf internationale Entwicklungen. Am Beispiel von Singapur verdeutlichten die Vortragenden die Dynamik moderner Gesellschaften: Dort ist mittlerweile rund jeder fünfte Einwohner über 65 Jahre alt.
Die Lebenserwartung bei der Geburt lag im Jahr 2025 bereits bei fast 84 Jahren. Um der steigenden Lebenserwartung mit präventiven Strukturen zu begegnen, setzt der Stadtstaat auf koordinierte Regierungsprogramme wie „Healthier SG“ und „Age Well SG“, die auf eine frühzeitige Begleitung und den Erhalt von Gesundheit im Alter ausgerichtet sind.

