Signal-Phishing: 300 Konten von Abgeordneten gehackt
Veröffentlicht am: 28.07.2026 um 17:22 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Deutsche Sicherheitsbehörden haben vor einer gezielten Kampagne russischer Akteure gewarnt, die mit Phishing-Attacken auf den Messenger-Dienst Signal die Kommunikation von Abgeordneten und weiteren hochrangigen Zielpersonen angreifen. Nach Erkenntnissen der Behörden stehen neben Mitgliedern des Bundestages auch Personen aus dem Militär sowie Journalisten im Fokus dieser Spionageaktivitäten. Deutschland vermutet staatliche Stellen in Russland hinter den koordinierten Angriffen, die darauf abzielen, vertrauliche Informationen aus dem politischen und militärischen Raum zu gewinnen.
Die Dimension der Angriffe wird durch aktuelle Zahlen der Ermittler deutlich. Demnach wurden etwa 300 Signal-Konten kompromittiert. Die Angreifer nutzten dabei eine technisch versierte Täuschungsmethode: Ein gefälschter Sicherheits-Chatbot kontaktierte die Nutzer innerhalb des Messengers und bewegte sie unter dem Vorwand notwendiger Sicherheitsvorkehrungen dazu, den Zugriff auf ihre Konten freizugeben. Der Generalbundesanwalt führt in diesem Zusammenhang bereits seit Mitte Februar 2026 umfangreiche Ermittlungen wegen des Verdachts auf geheimdienstliche Agententätigkeit und Spionage.
Bereits im Februar 2026 hatten das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) und das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) erste Warnungen vor dieser spezifischen Bedrohungslage ausgesprochen. Die Brisanz der Lage wurde im April 2026 weiter untermauert, als bekannt wurde, dass auch das Signal-Konto der Bundestagspräsidentin Julia Klöckner (CDU) durch einen solchen Phishing-Angriff kompromittiert worden war. In der Folge unterrichtete das BfV auch Bundeskanzler Merz über die Risiken für die Regierungs- und Parlamentskommunikation. Eine Überprüfung seines Mobiltelefons ergab zu diesem Zeitpunkt jedoch, dass das Gerät nicht von den Angriffen betroffen war.
Dennoch warnte das BfV die Abgeordneten eindringlich vor der Nutzung ungesicherter Kommunikationswege für sensible Inhalte. Den Sicherheitsbehörden lägen Erkenntnisse vor, dass viele parlamentarische Signal-Gruppen von den Angreifern erfolgreich infiltriert wurden und somit aktiv mitgelesen werden könnten. Dies stelle ein erhebliches Risiko für die Vertraulichkeit parlamentarischer Abstimmungsprozesse dar.
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Die Warnungen der deutschen Behörden stehen im Kontext einer breiteren internationalen Bedrohungslage. Auch niederländische Geheimdienste wiesen zuletzt auf eine umfassende russische Kampagne hin, die weltweit gegen Konten der Dienste Signal und WhatsApp gerichtet sei. Die Experten mahnen an, Sicherheitswarnungen innerhalb der Messenger-Apps kritisch zu prüfen und keine Berechtigungen an unvifizierte Chatbots oder Dienste zu vergeben, um die Integrität der digitalen Kommunikation zu wahren. Die Ermittlungen des Generalbundesanwalts zu den Hintermännern und dem genauen Umfang der abgeflossenen Daten dauern an.
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