Siemens, P&G

Siemens und P&G: KI-Inspektion senkt Ausschuss um bis zu 20 Prozent

Veröffentlicht am: 28.09.2026 um 22:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Die neue Anlage verbindet Reibrührschweißen und Fräsen mit Prozessdatenerfassung; weitere Meldungen beleuchten KI, Sensorik und Europas Investitionshürden.

KUKA und Hochschule Magdeburg-Stendal starten Forschungszelle für Fertigung
Ein moderner, leerer Industrieforschungsraum mit poliertem Betonboden und minimalistischer Stahlarchitektur. Illustration mit AI erstellt.

Die Hochschule Magdeburg-Stendal hat in Kooperation mit dem Automatisierungsspezialisten KUKA eine neue industrielle Forschungszelle für die Bereiche Reibrührschweißen und Fräsen in Betrieb genommen. Das System, dessen technologisches Herzstück ein KR FORTEC ultra MT bildet, soll künftig als zentrale Plattform für die Forschung, Lehre sowie die Entwicklung und Erprobung von Fertigungsprozessen unter produktionsnahen Bedingungen dienen.

Die Anlage zeichnet sich durch die Verbindung von moderner Produktionshardware mit einer kontinuierlichen Erfassung von Prozessdaten aus. Über einen digitalen Zwilling können die Abläufe zudem virtuell abgebildet und analysiert werden. Die Inbetriebnahme markiert einen weiteren Schritt in der Verzahnung von akademischer Forschung und industrieller Anwendung, insbesondere bei hochspezialisierten Fügeverfahren.

Fortschritte in der industriellen Bildverarbeitung und Sensorik

Parallel zur Eröffnung in Magdeburg kündigen führende Technologieunternehmen neue Lösungen an, die die Effizienz in der vernetzten Produktion steigern sollen. So plant Beckhoff für die Fachmesse VISION in Stuttgart, die vom 6. bis 8. Oktober 2026 stattfindet, die Präsentation von TwinCAT Vision.

Das System ermöglicht es, Bildverarbeitungsfunktionen synchron mit der Roboter- und Bewegungssteuerung in einer gemeinsamen Echtzeitumgebung auszuführen. Die dazugehörigen VCS2000-Kameras unterstützen Auflösungen bis zu 24 Megapixel und eine Synchronisierung im Mikrosekundenbereich.

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Ebenfalls in Stuttgart wird MVTec einen Prototyp des sogenannten AI Vision Solvers vorstellen. Dieser KI-Agent soll es Entwicklern ermöglichen, Bildverarbeitungsaufgaben per Text und Bild zu beschreiben, woraufhin das System selbstständig passende Operatoren wählt und Anwendungen erzeugt. Diese Entwicklung folgt dem Trend zur Vereinfachung komplexer Programmieraufgaben durch künstliche Intelligenz.

Dass solche KI-gestützten Inspektionssysteme bereits signifikante Produktivitätsvorteile bieten, zeigt die Zusammenarbeit von Siemens und Procter & Gamble. Ihr gemeinsam entwickeltes Visual Inspection Cockpit (VIC) reduziert laut Unternehmensangaben den Ausschuss an Produktionslinien um 10 bis 20 Prozent.

Die Lösung kombiniert Deep-Learning-Modelle mit industrieller Edge-Hardware und soll Inbetriebnahmen im Vergleich zu maßgeschneiderten Systemen deutlich beschleunigen.

Automatisierung und Sicherheit im Großanlagenbau

Auch in der Logistik und im Schwermaschinenbau kommen spezialisierte Sensorsysteme zum Einsatz, um Ausfallzeiten zu minimieren. Kalmar stellte das System „Spreader-Sense“ für Reach-Stacker vor, das mittels 2D-Lasern die Position von Container-Eckbeschlägen vermisst.

Fehlstellungen über 15 Millimeter werden automatisch korrigiert, während das System eine Absenkung bei Abweichungen von mehr als 30 Millimetern blockiert, um Schäden an den Twist-Locks zu verhindern. Dies soll die Reparaturkosten um bis zu 85 Prozent senken.

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Für den Bereich der Intralogistik hat Cognex den SLX-3804L zur Barcode-Erfassung eingeführt. Das Gerät erreicht bei Fördergeschwindigkeiten von über 2,5 bis 3,0 m/s eine Leserate von 99,9 Prozent und benötigt dank integrierter Verarbeitung keinen externen Industrie-PC mehr.

Marktentwicklung und regulatorische Herausforderungen

Die zunehmende Durchdringung der Industrie mit Sensorik spiegelt sich in aktuellen Marktprognosen wider. Branchenanalysten von MarketsandMarkets gehen davon aus, dass der weltweite Markt für Positionssensoren von 14,53 Milliarden US-Dollar im Jahr 2026 auf 23,40 Milliarden US-Dollar bis zum Jahr 2032 anwachsen wird. Dies entspricht einer jährlichen Wachstumsrate von 8,3 Prozent, wobei das digitale Segment die höchste Dynamik aufweisen soll.

Trotz des Wachstums warnte Siemens-Chef Roland Busch kürzlich vor regulatorischen Hürden in Europa. Von geplanten Investitionen in Höhe von einer Milliarde Euro für industrielle KI könnten etwa 500 Millionen Euro außerhalb der EU fließen, da Regelungen wie der EU AI Act als zu restriktiv empfunden würden.

Laut aktuellen Berichten entfallen derzeit rund 7,5 Prozent der weltweiten KI-Investitionen auf Europa, während Compliance-Anforderungen die Kosten für entsprechende Projekte um bis zu 20 Prozent erhöhen könnten.

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