Siemens, IFS

Siemens und IFS: Partnerschaft für geschlossene KI-Regelkreise

29.06.2026 - 20:09:58 | boerse-global.de

Siemens und IFS schließen strategische Allianz zur KI-gestützten Fertigung. Die Kooperation soll Produktentwicklung und Betriebsdaten vernetzen.

Siemens und IFS: KI-Partnerschaft für die Industrie der Zukunft
Siemens - Industrieller Roboterarm in einer modernen deutschen Fabrik, Symbol für KI in der Fertigung und gegen Arbeitskräftemangel. 29.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Die Industrieriesen bündeln ihre Kräfte: Engineering trifft auf Betriebsdaten.

Siemens und IFS haben am heutigen Montag eine strategische Partnerschaft bekannt gegeben. Ziel ist es, künstliche Intelligenz in der industriellen Fertigung voranzutreiben. Die Zusammenarbeit kommt zu einem Zeitpunkt, an dem neue Prognosen dem deutschen Standort ein milliardenschweres Potenzial durch KI bescheinigen.

Vom Design zur Produktion

Die Kooperation soll die Lücke zwischen Produktentwicklung und tatsächlicher Fertigung schließen. Siemens bringt seine Digital-Twin-Technologie ein, IFS steuert seine Kompetenzen im Anlagenmanagement bei. Gemeinsam wollen die Unternehmen sogenannte „geschlossene Regelkreise" für die Industrie schaffen.

Das bedeutet: Daten aus der Konstruktion fließen direkt in den laufenden Betrieb ein. Umgekehrt speisen Maschinendaten die Weiterentwicklung von Produkten. „So entsteht ein nahtloser Übergang von der Ingenieursleistung in die aktive Produktion", erklärten die Vorstände beider Häuser.

Die Ankündigung reiht sich ein in eine Serie von Automatisierungs-Neuheiten im Juni 2026. Dazu gehören neue Steuerungslogiken für Siemens Simatic AX sowie Edge-KI-Lösungen für Sicherheitsrobotik von Anbietern wie Advantech und Rockwell Automation.

Kampf gegen den Fachkräftemangel

Der Vorstoß in die Tiefe der KI-Integration hat einen handfesten Grund: Deutschland droht ein dramatischer Arbeitskräftemangel. Aktuelle Berechnungen gehen von einem jährlichen Defizit zwischen 320.000 und 400.000 Arbeitskräften aus – verursacht durch den Renteneintritt der Babyboomer-Generation.

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Die Wirtschaftsanalyse verspricht Abhilfe: KI könnte der deutschen Volkswirtschaft in den nächsten zehn Jahren 300 Milliarden Euro zusätzlich bringen. Besonders betroffen sind Schlüsselbranchen:

  • Automobilindustrie mit VW und BMW
  • Gesundheitssektor with Siemens Healthineers und Philips
  • Finanzdienstleistungen und Logistik

Während Goldman Sachs den Großteil des Wandels innerhalb des nächsten Jahrzehnts erwartet, haben die deutschen Gewerkschaften bereits Verhandlungen über Umschulungsprogramme aufgenommen. Ziel ist es, die bestehende Belegschaft auf die Zusammenarbeit mit KI vorzubereiten.

Sicherheit und Infrastruktur

Mit der beschleunigten KI-Einführung wächst der Druck auf Cybersicherheit und Infrastruktur. Die Organisation PROFIBUS & PROFINET International (PI) hat kürzlich ein Whitepaper zur sicheren Nutzung industrieller Kommunikationsprotokolle veröffentlicht. Zusammen mit der FieldComm Group, ODVA und der OPC Foundation geht es um Risikomanagement für Protokolle wie PROFINET und IO-Link.

Ein zentrales Thema wird auch die Handelsblatt-Konferenz zu deutschen Rechenzentrumsstandorten am 1. und 2. Juli 2026 in Düsseldorf sein. Experten des German Datacenter Association diskutieren dort über die Energie- und Digitalinfrastruktur, die KI benötigt. Bereits im Frühjahr stand die Rolle von Open-Source-Software in der modernen OT-Sicherheit im Fokus – mit Blick auf Zero-Trust-Architekturen und Mikrosegmentierung zur Erfüllung der NIS-2-Richtlinie.

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Rückstand im globalen Wettbewerb

Trotz dieser Fortschritte hinkt Europa hinterher. Ein Deloitte-Bericht vom 27. Juni 2026 zeigt: Europa bleibt im KI-Wettbewerb hinter den USA und China zurück. Grund ist die starke Abhängigkeit von externen Lieferketten und globalen Hyperscalern, die 85 Prozent des Cloud-Marktes kontrollieren.

Der internationale Wettbewerb bringt auch rechtliche und ethische Herausforderungen mit sich. So warf der KI-Entwickler Anthropic am 10. Juni 2026 dem chinesischen Qwen-Lab von Alibaba vor, über Millionen von Abfragen von tausenden Fake-Accounts im Frühjahr Fähigkeiten seines Claude-Modells abgezogen zu haben.

Um Sicherheitsbedenken zu begegnen, sind OpenAI und Microsoft der britischen International Coalition to Safeguard AI Development beigetreten. Sie haben Millionen Pfund für KI-Ausrichtungsprojekte zugesagt. Parallel dazu verfolgt Südkorea eine eigene Strategie: Die „Manufacturing AI 2030 Strategy", ebenfalls am 29. Juni 2026 vorgestellt, setzt auf nationale Fertigungsdatenbibliotheken und vollständige KI-Fabriken.

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