Siemens-KI-Agent: Steuerungsprogramme für Fabriken in rund einer Stunde
Veröffentlicht am: 02.11.2026 um 21:09 Uhr | Redaktion boerse-global.deAuf dem Digital-Gipfel 2026 in Berlin haben Spitzenvertreter aus Politik und Wirtschaft die Weichen für den Industriestandort neu ausgerichtet. Im Zentrum des Treffens steht die Verknüpfung von physischer künstlicher Intelligenz mit industrieller Robotik. Ziel der gemeinsamen Initiative von Bundesregierung und Industrie ist es, Deutschland in diesem Anwendungsfeld als weltweit führenden Akteur zu etablieren.
Industrielle Anwendungen als Chance für den Standort
Bundesdigitalminister Karsten Wildberger forderte auf dem Gipfel eine deutlich größere Offenheit für technologische Neuerungen. Deutschland bewege sich in diesem Bereich noch zu langsam, während die industrielle Nutzung von KI den Schlüssel für ein wirtschaftliches Comeback darstelle.
Die sogenannte denkende Fabrik setze jedoch voraus, dass auch der Mittelstand verlässlichen Zugang zu Daten und Rechenkapazitäten erhalte. Zugleich warnte der Minister davor, jedes technologische Detail bereits im Vorfeld durch strikte Vorschriften einzuengen.
Auch Siemens-Chef Roland Busch sieht das größte Potenzial in den Werkshallen. Während das weltweite Rennen um große Allzweckmodelle weitgehend entschieden sei und die USA sowie China hier einen deutlichen Vorsprung hielten, liege die eigentliche Chance für Europa in der tiefen Integration intelligenter Systeme in Konstruktion und Fertigung.
Wie weit die Entwicklung fortgeschritten ist, zeigt die Automatisierung bei Siemens: Dort erstellt ein KI-Agent bereits eigenständig Steuerungsprogramme für Speicherprogrammierbare Steuerungen in rund einer Stunde.
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Kuka-Vorstandschef Christoph Schell unterstrich ebenfalls, dass jahrzehntelanges Fertigungswissen und reale Produktionsdaten einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil darstellen. Mit Konzepten wie der herstellereigenen Plattform, die unter anderem in der nordamerikanischen Automobilfertigung eingesetzt wird, verbinde das Unternehmen etablierte Automatisierung mit Software und KI.
Reine Hardwarelösungen würden künftig nicht mehr ausreichen. Dass die Anforderungen in der Praxis hoch sind, verdeutlichte Bosch-Geschäftsführerin Tanja Rückert: Das Unternehmen setzt KI-gestützte optische Inspektionen in mehr als 1.000 Produktionslinien seiner über 230 Werke ein, wobei eine Erfolgsquote von 95 Prozent für industrielle Maßstäbe unzureichend sei.
Industrie und Verbände fordern bessere Rahmenbedingungen
Um den Wandel erfolgreich zu gestalten, mahnte Bitkom-Präsident Ralf Wintergerst den zügigen Aufbau eines funktionierenden Ökosystems an. Nach Erhebungen des Verbands setzen zwar bereits 97 Prozent der Industrieunternehmen auf Anwendungen im Rahmen von Industrie 4.0, die spezifische Stärke liege jedoch primär in der Sensorik, den Antrieben und der Steuerungs- und Regelungstechnik.
Aus Sicht des Bundesverbands der Deutschen Industrie benötigt das Land einen verbindlichen Umsetzungsfahrplan für Rechenkapazitäten, beschleunigten Technologietransfer und Anwendungen der physischen KI. Zudem müsse Berlin in Brüssel für den Abbau von Doppelregulierungen und übermäßiger Bürokratie eintreten.
Sarah Bäumchen, Geschäftsführerin des Branchenverbands ZVEI, betonte die Bedeutung des gesamten elektronischen Umfelds – von Halbleitern über die Energietechnik bis zur Sensorik. Neben geringeren Dokumentationspflichten verlangte sie investitionsfreundliche Rahmenbedingungen und eine raschere Genehmigungspraxis beim Infrastrukturausbau.
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Hohe globale Dynamik und nationale Zielmarken
Die Dringlichkeit der Batterie unterstreichen aktuelle Branchendaten. Einer Untersuchung des Fraunhofer-Instituts in Stuttgart zufolge flossen im Jahr 2026 weltweit bereits 75 Milliarden US-Dollar an Wagniskapital in Robotik-Start-ups – mehr als in den vergangenen drei Jahren zusammen.
Demgegenüber steht eine verhaltene Branchenkonjunktur: Für das Jahr 2026 rechnet der VDMA in der deutschen Robotik und Automation mit einem Umsatzrückgang von fünf Prozent auf 14,1 Milliarden Euro.
Laut einem Bericht der KI-Taskforce der Bundesregierung soll Deutschland dennoch bis zum Jahr 2030 zu einer souveränen KI-Nation aufgebaut werden. Für die kommenden 12 bis 18 Monate sind insgesamt 18 Maßnahmen vorgesehen, darunter der Ausbau der Recheninfrastruktur sowie Kooperationen mit Partnern in Frankreich und Kanada.
Vorgesehen ist unter anderem, die Rechenzentrumskapazität für KI gegenüber dem Basisjahr 2025 um 300 Prozent zu steigern. Bis 2030 sollen zudem mindestens 80 Prozent der Großunternehmen und 55 Prozent der kleinen und mittleren Betriebe KI-Technologien im operativen Geschäft einsetzen.
