Sicherheitslücken: 66.000 gemeldete Schwachstellen und 46% Anstieg
16.06.2026 - 11:23:54 | boerse-global.de
Das Fraunhofer-Institut FOKUS hat eine neue Methode entwickelt, die mithilfe künstlicher Intelligenz Schwachstellen automatisch erkennt und Patches prüft.
Marktforscher des Forums of Incident Response and Security Teams (FIRST) rechnen für 2026 mit rund 66.000 gemeldeten Sicherheitslücken – ein Anstieg von über 46 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Haupttreiber: KI-gestützte Werkzeuge, die sowohl von Sicherheitsforschern als auch von Angreifern eingesetzt werden.
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Automatisierung gegen die Flut
Das EU-Projekt DOSS hat eine neue Methodik zur Automatisierung von Security-Tests entwickelt. Der Ansatz kombiniert statische und dynamische Analysen mit KI. Das System erkennt Schwachstellen im Code autonom und validiert anschließend die erstellten Korrektur-Updates.
Die Ergebnisse dieser Prüfprozesse werden in maschinenlesbarer Form bereitgestellt. Das soll die Transparenz in Lieferketten erhöhen. Unternehmen können so die Anforderungen des kommenden EU Cyber Resilience Act (CRA) erfüllen. Die Regelungen werden ab 2027 verbindlich und verpflichten Hersteller vernetzter Geräte zu umfassenden Sicherheitsvorkehrungen.
Druck auf Smartphone-Hersteller
Wie dringend die automatisierte Absicherung ist, zeigt der Smartphone-Sektor. Xiaomi verteilt seit Mitte Juni ein Sicherheitsupdate für Modelle wie das Xiaomi 15 Pro und das Redmi K70 Ultra. Der Patch-Level vom 1. Juni 2026 reagiert auf eine Google-Warnung über eine Schwachstelle im Android-Framework, die bereits aktiv ausgenutzt wird.
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Auch Router-Hersteller fordern strengere Vorgaben. Der neu gegründete Verband SAFENet – mit Devolo, Lancom Systems und den Fritz!-Herstellern – setzt sich für mehr digitale Souveränität ein. Die Allianz fordert Transparenz bei Hardware- und Firmware-Herkunft sowie eine spezielle Sicherheits-Toolbox für Netzwerktechnologie.
Das Problem der Geschwindigkeit
Die Analyse von über einer Milliarde Datensätzen der US-Sicherheitsbehörde CISA zeigt ein klares Missverhältnis: 88 Prozent der ausgenutzten Schwachstellen wurden langsamer behoben, als die ersten Angriffe erfolgten. Rund 63 Prozent der kritischen Lücken waren sieben Tage nach Entdeckung noch ungepatcht.
Dezentrale Verteilungsmethoden könnten helfen. Tests mit dem Qualys Cloud Agent 6.5 zeigten: Eine Peer-to-Peer-Verteilung von Updates reduziert die externe Bandbreitennutzung um bis zu 99 Prozent. Ein acht Gigabyte großes Update-Paket ließ sich so in etwa dreieinhalb Minuten verteilen – herkömmliche Downloads brauchten über eine Stunde.
Die Kombination aus automatisierten Tests und schnellerer Verteilung gilt als notwendiger Schritt. Laut Branchenberichten haben KI-gesteuerte Cybervorfälle im Vergleich zum Vorjahr bereits um 72 Prozent zugenommen.
