Shared Decision Making: Über 90% der Patienten fordern Mitsprache
Veröffentlicht: 15.07.2026 um 03:10 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Neben pharmakologischen Behandlungen rücken präventive Lebensstilinterventionen, digitale Unterstützungssysteme und die aktive Patienteneinbindung in den Mittelpunkt.
„MiT MiR“: Kampagne für mehr Patientenautonomie
Ein breites Aktionsbündnis startete am 13. Juli 2026 die Kampagne „MiT MiR“. Sie setzt sich für die flächendeckende Verankerung des Shared Decision Making (SDM) ein – der gemeinsamen Entscheidungsfindung zwischen Arzt und Patient.
Der Hintergrund: Über 90 Prozent der Patienten wünschen sich stärkere Einbindung in medizinische Entscheidungen. Ein Programm am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein in Kiel belegt die klinischen Vorteile. Dort sanken die Notfalleinweisungen um 13 Prozent – mit entsprechenden Kosteneinsparungen.
KI in der Gesundheitsberatung: Jeder Zweite nutzt sie
Künstliche Intelligenz hält Einzug in die medizinische Beratung. Eine Stada-Umfrage aus dem Jahr 2026 zeigt: Bereits 45 Prozent der Deutschen nutzen KI-Tools für Gesundheitsfragen. Die generelle Offenheit für KI-gestützte Versorgung liegt bei 81 Prozent.
Gleichzeitig sinkt die Zufriedenheit mit dem Gesundheitssystem – von 80 Prozent im Jahr 2020 auf 63 Prozent im Jahr 2026. Die Bevölkerung erwartet schnellere Termine und hybride Versorgungsmodelle.
Neue Regeln für Cannabis-Arzneimittel
Der Gesetzgeber hat im Juli 2026 neue Rahmenbedingungen geschaffen. Mit dem GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz vom 10. Juli 2026 wird der Einsatz von Cannabis in der vertragsärztlichen Versorgung neu geordnet.
Cannabisblüten und -extrakte gelten künftig als nachrangig gegenüber Fertigarzneimitteln. Vor einer Erstattung von Blüten ist in der Regel ein sechsmonatiger Therapieversuch mit zugelassenen Fertigpräparaten nötig. Experten warnen vor potenziellen Versorgungslücken für Schmerzpatienten.
Phagen-Therapie: Alternative zu Antibiotika in der Forschung
Das Verbundprojekt „MEDphage“ unter Leitung der Universität Halle-Wittenberg erforscht Alternativen zur klassischen Antibiotikatherapie. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung fördert das Projekt über drei Jahre mit rund 970.000 Euro.
Ziel ist es, technische und rechtliche Hürden für den Einsatz von Phagen-Therapien abzubauen. Bisher sind individualisierte Phagen-Arzneimittel nicht im regulären Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen enthalten.
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Prävention: 101 Empfehlungen für gesündere Lebensstile
Ein internationaler Expertenkonsens hat die Bedeutung von Ernährung und Bewegung hervorgehoben. Ein im Zeitraum 2025/2026 veröffentlichter Fahrplan enthält 101 Empfehlungen – mit dem Ziel, gesunde Lebensstile als Mindeststandard in Bildung und Politik zu etablieren.
Nichtübertragbare Krankheiten sind weltweit für 75 Prozent der Todesfälle verantwortlich. Die Experten fordern eine stärkere Verzahnung von Prävention und medizinischer Versorgung.
Achtsamkeit gegen Diabetes-Stress
Eine globale Partnerschaft kombiniert seit dem 14. Juli 2026 Medizintechnik mit Achtsamkeitstraining. Hintergrund ist der hohe psychische Stress bei Diabetes-Patienten: Zwei Drittel berichten über schlechte Schlafqualität.
Spezielle Programme mit Meditation und Atemübungen sollen die psychische Resilienz stärken. Auch im Bildungsbereich werden solche Ansätze erprobt – Schüler in Frechen beendeten im Sommer 2026 ein zweijähriges Yoga-Kunstprojekt, das künftig fortgeführt werden soll.
Neue Kassenleistung: Lichttherapie gegen Akne inversa
Fortschritte gibt es bei der Behandlung von Hauterkrankungen. Auf Basis eines Beschlusses des Gemeinsamen Bundesausschusses vom 22. Januar 2026 ist die kombinierte Bestrahlung mit intensivem gepulstem Licht und Radiofrequenz (IPL+RF) nun Kassenleistung.
Sie wird bei leichter bis mittelschwerer Akne inversa eingesetzt. Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) hatte zuvor einen therapeutischen Mehrwert gegenüber herkömmlichen Antibiotika-Behandlungen belegt. Die Therapie ist als ambulante Leistung in Arztpraxen abrechenbar.
HPV-Impfaktionen: Bayern geht in die Schulen
Psychischer Stress bei chronischen Erkrankungen belastet viele Patienten. Mit den 5 Achtsamkeitsübungen aus diesem Ratgeber stärken Sie Ihre Resilienz – und lernen, wie Sie beim Arzt Ihre Stimme erheben. Ratgeber für mehr Selbstbestimmung sichern
Das bayerische Gesundheitsministerium setzt auf verstärkte Aufklärung und Impfaktionen gegen HPV direkt in Bildungseinrichtungen. Modellprojekte in Rosenheim und Aschaffenburg zeigten regionale Unterschiede in der Inanspruchnahme.
Die aktuellen Zahlen liegen noch unter den globalen Zielvorgaben der Weltgesundheitsorganisation. Weitere Impftermine sind für Oktober 2026 und Januar 2027 geplant.
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