SGLT2-Hemmer: 82% weniger Herzinsuffizienz bei Genträgern
11.06.2026 - 05:14:00 | boerse-global.de
SGLT2-Hemmer und Finerenon wirken offenbar bei deutlich mehr Patienten als bislang angenommen.
Bisher galten SGLT2-Inhibitoren bei chronischen Nierenerkrankungen (CKD) ohne Albuminurie als wenig wirksam. Eine heute veröffentlichte Metaanalyse korrigiert diese Annahme. Demnach bieten die Wirkstoffe auch in diesen Patientengruppen einen signifikanten Nierenschutz. Das könnte die klinischen Leitlinien grundlegend verändern – bisher war der Nachweis von Eiweiß im Urin oft Voraussetzung für den Einsatz.
Zwei weitere Metaanalysen vom heutigen Donnerstag untersuchten den Zusammenhang zwischen Antidiabetika und Tumorentstehung. Die Ergebnisse lieferten deutliche Hinweise auf Sicherheit und mögliche protektive Effekte.
Anzeige: Die DECLARE-TIMI-58-Studie zeigt: Bei Trägern von 121 Genvarianten senkt Dapagliflozin das Risiko für Herzinsuffizienz um 82%. Erfahren Sie in diesem Leitfaden, wie Sie Ihre Patienten identifizieren und die Therapie anpassen. Jetzt kostenlosen Praxis-Leitfaden anfordern
Genetik als Schlüssel zum Herzschutz
Einen Durchbruch in der personalisierten Medizin markiert eine Analyse der DECLARE-TIMI-58-Studie, gestern veröffentlicht in Nature Medicine. Forscher untersuchten die Wirkung von Dapagliflozin bei Trägern von 121 Genvarianten, die mit Kardiomyopathien verbunden sind.
Das Ergebnis ist beeindruckend: In dieser Gruppe senkte der SGLT2-Hemmer das Risiko für Krankenhauseinweisungen wegen Herzinsuffizienz um 82 Prozent. Zum Vergleich: Bei Patienten ohne diese genetische Veranlagung lag die Risikoreduktion bei 30 Prozent. Die Daten basieren auf über 12.000 Erwachsenen mit Typ-2-Diabetes. Besonders bemerkenswert: Bei asymptomatischen Genträgern traten unter der Behandlung gar keine klinischen Ereignisse auf.
Finerenon: Auch ohne Diabetes wirksam
Die FIND-CKD-Studie, am Dienstag auf dem ERA-Kongress präsentiert und im New England Journal of Medicine veröffentlicht, erweitert die Behandlungsmöglichkeiten für CKD-Patienten ohne Typ-2-Diabetes. Der nicht-steroidale Mineralokortikoidrezeptor-Antagonist (MRA) Finerenon verlangsamt den Nierenfunktionsverlust auch bei Nicht-Diabetikern.
Die Analyse von 1.584 Probanden ergab eine Risikosenkung für Nierenversagen, CKD-Progression sowie Herzinsuffizienz oder kardiovaskulären Tod um 23 Prozent. Daten aus JAMA zeigen zudem eine Risikoreduktion von 26 Prozent bei Glomerulopathien. Die Albuminurie sank innerhalb von zwölf Monaten um 42 Prozent. Eine gepoolte Analyse im Lancet mit über 14.000 Teilnehmern bestätigt den Trend: Das Risiko für Nierenversagen fiel um 24 Prozent, die Gesamtmortalität um 12 Prozent.
GLP-1-Agonisten: Mehr als nur Blutzuckersenkung
Auch bei GLP-1-Rezeptoragonisten zeigen aktuelle Studien erweiterte Einsatzmöglichkeiten. Eine Untersuchung der Charité Berlin belegt: Die Gewichtsreduktion unter GLP-1-RA erfolgt überwiegend durch den Verlust von Fett- und Lebermasse. Die Muskelkraft bleibt erhalten, ein klinisch relevanter Muskelschwund tritt nicht auf.
Anzeige: Patienten mit Kardiomyopathie-Varianten profitieren massiv von SGLT2-Hemmern – asymptomatische Genträger hatten unter Therapie gar keine Ereignisse. Nutzen Sie die neue Evidenz für Ihre Risikostratifizierung. Genetischen Test-Leitfaden jetzt sichern
Für den CKD-Bereich startete am Dienstag eine großangelegte Phase-III-Studie mit dem oralen GLP-1-Agonisten HRS-7535. 3.690 Patienten nehmen teil, Ziel sind renale Endpunkte und Schutz vor kardiovaskulärem Tod. Zudem zeigten ERA-Kongress-Daten: Semaglutid verbessert die gesundheitsbezogene Lebensqualität bei Typ-2-Diabetes und CKD in fast allen Bereichen.
Neue Hoffnung für Therapieresistente
Am Dienstag wurden zudem Phase-2b-Daten zum Wirkstoff CU01 bei diabetischer Nierenerkrankung vorgestellt. In einer Subgruppe, die bereits Standardtherapien wie SGLT2-Inhibitoren erhielt, konnte die zusätzliche Gabe die Proteinurie um bis zu 35,2 Prozent senken. Die Nierenfunktion blieb dabei stabil.
