Sepsis: Deutschland registriert 85.000 Todesfälle jährlich
Veröffentlicht am: 10.09.2026 um 22:12 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Im Vorfeld des Welt-Sepsis-Tages am 13. September 2026 rücken medizinische Institutionen und Kliniken in Deutschland die Notwendigkeit einer verbesserten Früherkennung in den Fokus. Ziel ist es, die hohe Sterblichkeitsrate bei Sepsis-Erkrankungen signifikant zu senken. Die Erkrankung gilt in Deutschland als dritthäufigste Todesursache, wobei Experten auf ein erhebliches Potenzial zur Vermeidung von Todesfällen hinweisen.
Statistische Einordnung und Handlungsbedarf
Nach Angaben des Bundesverbandes Medizintechnologie (BVMed) werden in Deutschland jährlich über 230.000 Sepsis-Erkrankungen und mehr als 85.000 Todesfälle registriert. Das RHÖN-KLINIKUM Campus Bad Neustadt beziffert die Zahl der vermeidbaren Todesfälle auf 15.000 bis 20.000 pro Jahr. Den Angaben zufolge liege die Sepsis-Sterblichkeit in Deutschland bis zu 20 Prozent höher als in vergleichbaren Ländern.
Die Sepsis-Stiftung weist darauf hin, dass 80 Prozent der Sepsis-Fälle außerhalb von Krankenhäusern entstehen. In einem Langzeitvergleich zwischen 1990 und 2019 sei die Sepsissterblichkeit in Deutschland um 10 Prozent gestiegen, während Länder wie Norwegen und Finnland im selben Zeitraum Rückgänge von jeweils über 20 Prozent verzeichneten. Die Sana Kliniken Duisburg, die jährlich rund 200 Sepsis-Patienten behandeln, geben die weltweiten Fallzahlen mit etwa 11 Millionen an.
Neue Qualitätsstandards in der stationären Versorgung
Zur Verbesserung der Versorgung wurde durch das Institut für Qualitätssicherung und Transparenz im Gesundheitswesen (IQTIG) im Auftrag des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) das Qualitätssicherungsverfahren Sepsis (QS Sepsis) entwickelt.
Neben der Früherkennung von Akutfällen ist das Verständnis der eigenen Körperwerte die wichtigste Basis für eine langfristige Gesundheit. Dieser kostenlose 25-Seiten-Report erklärt Ihnen verständlich, was Ihre Blutwerte wirklich bedeuten und wie Sie Fehldiagnosen vermeiden. Jetzt kostenlosen Laborwerte-Selbstcheck sichern
Dieses Verfahren ist seit dem 1. Januar 2026 bundesweit in der stationären Versorgung eingeführt. Es umfasst sieben Qualitätsindikatoren sowie sieben Kennzahlen. Erste Ergebnisse aus dieser Datenerhebung werden für den Herbst 2027 erwartet.
Ergänzend zu den qualitätssichernden Maßnahmen sind seit Januar 2026 Schulungen für mindestens 80 Prozent des ärztlichen und pflegerischen Personals vorgeschrieben. Nach Angaben der Sepsis-Stiftung sollen diese Schulungsmaßnahmen ab dem Jahr 2027 abrechnungsrelevant werden. Mit diesen strukturellen Vorgaben wird das Ziel verfolgt, die Zahl der Todesfälle jährlich um mindestens 10.000 zu reduzieren.
Prävention und technologische Früherkennungssysteme
Der BVMed betont, dass bis zu ein Drittel der nosokomialen Infektionen durch konsequente Hygiene vermeidbar wäre, und fordert die Verankerung von Präventionsmaßnahmen in kommenden Reformen. In diesem Zusammenhang sind verschiedene Fachveranstaltungen geplant, darunter Hygiene-Impulse Ende September 2026 sowie ein Hygieneforum im Dezember 2026.
Kliniken setzen verstärkt auf spezialisierte Strukturen und digitale Unterstützung. Die Sana Kliniken Lübeck verweisen auf ein interdisziplinäres Sepsisteam aus rund 20 Mitarbeitenden. In der Schweiz startet das Luzerner Kantonsspital im Oktober 2026 einen Pilotversuch mit einem digitalen Sepsis-Frühwarnsystem.
Wer die Sicherheit in medizinischen Einrichtungen oder im Betrieb erhöhen möchte, benötigt oft klare Leitlinien und rechtssichere Dokumente. Dieser kostenlose Muster-Hygieneplan unterstützt Sie dabei, Infektionsrisiken zu minimieren und Ihr Unternehmen zuverlässig abzusichern. Kostenlosen Muster-Hygieneplan jetzt herunterladen
Das System überwacht Vitalparameter wie Puls, Blutdruck und Atemfrequenz automatisiert. Nach einem ersten Test auf drei Abteilungen soll die Technologie bis Ende des Jahres am gesamten Standort Luzern implementiert werden. In der Schweiz werden jährlich rund 20.000 Hospitalisierungen aufgrund einer Sepsis und fast 4.000 Todesfälle verzeichnet.
Risikofaktoren und regionale Versorgungsunterschiede
Analysen von Krankenkassen verdeutlichen die Bedeutung des Alters als Risikofaktor. Daten der BARMER für Niedersachsen aus dem Jahr 2024 zeigen, dass in der Altersgruppe ab 65 Jahren 880 Sepsis-Fälle je 100.000 Einwohner auftraten. Dies entspricht fast dem Dreifachen des Landesdurchschnitts von 316 Fällen je 100.000 Einwohner.
Zusätzlich wird der Zusammenhang mit Infektionskrankheiten wie der Influenza betont. Die Techniker Krankenkasse (TK) in Thüringen weist darauf hin, dass die Impfquote bei über 60-Jährigen in der Grippesaison 2024/2025 regional stark schwankte.
Während Städte wie Jena und Weimar Quoten von 50 Prozent erreichten, lag der Wert im Landkreis Hildburghausen bei 28 Prozent. Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt die Grippeimpfung unter anderem für Personen ab 60 Jahren im Zeitraum von Oktober bis Mitte Dezember, auch um schweren Infektionsverläufen vorzubeugen.
