Seniorenwohnen, Wohnungen

Seniorenwohnen: Über 300 neue barrierefreie Wohnungen entstehen deutschlandweit

Veröffentlicht am: 22.09.2026 um 20:00 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Neue Wohn-, Pflege- und Freizeitangebote für ältere Menschen entstehen in mehreren Regionen und verbinden Barrierefreiheit mit Betreuung und Teilhabe.

Barrierefreies Seniorenwohnen: Neue Projekte in Deutschland und Österreich
Ein moderner, barrierefreier Wohnkomplex mit großen Fenstern in einer gepflegten Gartenanlage mit altem Baumbestand. Illustration mit AI erstellt.

Quer durch Deutschland und Österreich entstehen derzeit zahlreiche neue Projekte, die auf den wachsenden Bedarf an altersgerechtem Wohnen und sozialer Teilhabe im Alter reagieren.

Von barrierefreien Wohnanlagen über Tagespflegeeinrichtungen bis zu Freizeitangeboten wie Rikscha-Ausfahrten zeigt sich in mehreren Regionen ein ähnliches Muster: Kommunen, Genossenschaften und soziale Träger investieren in Infrastruktur, die älteren Menschen ein selbstbestimmtes Leben in vertrauter Umgebung ermöglichen soll.

Barrierefreies Wohnen als Schwerpunkt

In Bad Erlach errichtet die WET-Gruppe im Ortszentrum 21 geförderte, barrierefreie Seniorenwohnungen mit einer Größe zwischen 43 und 60 Quadratmetern. Das Areal des ehemaligen Cafés Fellinger wird damit neu genutzt.

Die Finanzierung läuft über die Wohnbauförderung, zusätzlich kann ein Wohnzuschuss beantragt werden. Für die Betreuung ist Mater Salvatoris zuständig, unter anderem mit dem Angebot „Seniorenwohnen Plus" sowie einer Tagesbetreuung. Das Vorhaben zählt zu insgesamt elf Pilotprojekten in Niederösterreich.

Auch in Bayern entsteht ein größeres Wohnprojekt: Die Immobiliengruppe Erl aus Deggendorf plant in Feldkirchen an der Hohenlindner Straße zwei vierstöckige Gebäude mit Flachdach und einer Höhe von jeweils 13 Metern.

Vorgesehen sind 140 Seniorenwohnungen im Rahmen des betreuten Wohnens sowie zusätzlich zehn Wohnungen für Pflegepersonal – insgesamt also 150 Einheiten zwischen 30 und 75 Quadratmetern, barrierefrei gestaltet. 106 dieser Wohnungen sollen nach dem neuen Modell „betreutes Wohnen plus" realisiert werden.

Auf dem rund 7000 Quadratmeter großen Grundstück sind 88 Wohneinheiten im Südgebäude und 52 im Nordgebäude geplant, verbunden durch einen zweigeschossigen Gang mit Personalwohnungen. Eine alte Villa sowie der bestehende Baumbestand sollen erhalten bleiben. Der Gemeinderat Feldkirchen beschloss das Konzept mit einem sogenannten „Bauturbo", der den Bebauungsplan von 1973 umgeht, gegen eine Stimme.

In Ostheim stimmte der Stadtrat der Baugenehmigung und Nutzungsänderung des ehemaligen Hotels „Café Kaak" in der Burgstraße zu. Dort soll eine ambulant betreute Senioren-Wohngemeinschaft entstehen. Bürgermeister Steffen Malzer bezeichnete das Vorhaben als ein Projekt, das dem Zeitgeist entspreche und dringend gebraucht werde.

Ein genossenschaftliches Modell verfolgt die Gemeinde Frickingen: Beim Spatenstich für ein Wohnprojekt in der Gemeindemitte an der Austraße wurde der Bau von zwei dreistöckigen Gebäuden mit insgesamt 31 barrierefreien Wohnungen für die Zielgruppe 55 Plus angestoßen.

Die Wohnungen mit 62 beziehungsweise 71 Quadratmetern entstehen in Holzbauweise, ergänzt um einen Gemeinschaftsraum mit Küche. Frickingen ist seit 15 Jahren Pilotgemeinde für die Pflegekonferenz Bodenseekreis und setzt auf Bürgerbeteiligung.

In Oberösterreich wurde beim Projekt „Betreubares Wohnen" in Roßleithen der Spatenstich im Sinne der sogenannten Betreuungsarchitektur 2040 gesetzt. Geplant sind 18 moderne Wohneinheiten, davon zwölf für betreubares Wohnen und sechs für Menschen aller Generationen, barrierefrei und mit wohnortnahem Betreuungsangebot. Sozial-Landesrat Christian Dörfel (ÖVP) und Bürgermeister Kurt Pawluk (SPÖ) begleiteten das Projekt.

Pflege- und Tagesbetreuung wird ausgebaut

Neben reinem Wohnraum entstehen auch neue Betreuungsstrukturen. Die Ökumenische Sozialstation Thierhaupten eröffnete Anfang September eine Tagespflege im Seniorenzentrum, die von Montag bis Freitag Platz für 25 Tagesgäste bietet – noch sind Plätze frei.

Ab Oktober soll ein Fahrdienst für Ortschaften östlich des Lechs in den Landkreisen Aichach-Friedberg und Donau-Ries eingerichtet werden, für den nördlichen Landkreis Augsburg übernimmt dies der Ambulante Krankenpflegeverein Holzen. Älteste Gästin der Einrichtung ist Maria Drachsler im Alter von 102 Jahren.

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In Rosenfeld plant die Sozialstation Oberes Schlichemtal-Rosenfeld einen Neubau der Tagespflege „Elisabeth Blickle Haus" auf einem Grundstück in der Leidringer Straße. Mit 25 Plätzen würde die Kapazität gegenüber den bisherigen zwölf Plätzen im Ursula Haus mehr als verdoppelt.

Die Firma Blickle Räder+Rollen spendet das Grundstück und übernimmt zudem per Geldspende die Hälfte der Gesamtkosten; ergänzend ist ein Landeszuschuss aus dem „Innovationsprogramm Pflege 2026" zugesagt. Über Baugenehmigung und Baugesuch sollte der Gemeinderat am 24. September entscheiden. Baubeginn ist noch in diesem Jahr oder im zeitigen Frühjahr geplant, die Fertigstellung für das Frühjahr 2028.

In Bernau am Chiemsee eröffnete die Ökumenische Kranken- und Bürgerhilfe eine neue Seniorentagesstätte. Der Verein blickt auf eine mehr als 40-jährige Geschichte mit über 500 Mitgliedern zurück. Die Baukosten liegen bei über zwei Millionen Euro, wovon noch 250.000 Euro offen sind; finanziert wird über Vereinsaktivitäten und Spenden.

Die Idee zu dem Projekt entstand 2016, ein konkreter Impuls folgte 2019, Baugenehmigung und Spatenstich datieren aus dem Vorjahr. Der Betrieb mit Öffnungszeiten montags und donnerstags wurde nun aufgenommen.

Freizeit- und Bewegungsangebote als ergänzender Baustein

Über den reinen Wohn- und Pflegebereich hinaus setzen mehrere Träger auf Angebote zur sozialen Teilhabe. In Lingen plant der Betreiber Curanum gemeinsam mit Partnern ein wohnortnahes Trainingsangebot für ältere Menschen, das Kraft, Beweglichkeit und Selbstständigkeit fördern soll. Ein Aktionstag vor der Seniorenresidenz in der Jochem-Hamann-Straße ist kostenlos und ohne Anmeldung zugänglich; Interessierte können dort Trainingsgeräte ausprobieren.

In Oberkirch wurde das Projekt „Radeln ohne Alter" vorgestellt. Ehrenamtliche, geschulte Rikscha-Piloten nehmen zunächst Bewohner der Pflegeheime St. Josef und St. Barbara kostenlos zu Ausflügen in und um Oberkirch mit.

Zwei Rikschas stehen im Einsatz – eine wurde von Christels Blumenstube gespendet, die zweite durch die Franz- und Gabriele Hättig-Stiftung sowie den Verein Altenpflegeheime finanziert. Bereits mittwochs finden zwei Fahrten statt, ein Ausbau ist geplant.

Die Stadt ist dem Verein „Radeln ohne Alter Deutschland e.V." beigetreten; die Initiative stammt ursprünglich aus Dänemark und ist mittlerweile in mehr als 40 Ländern vertreten. Eine Ausfahrt dauert in der Regel zwischen einer halben und zwei Stunden.

Auch generationenübergreifende Projekte finden sich im aktuellen Angebot: Die Compassio Residenz Meine bei Wolfsburg hat gemeinsam mit der benachbarten Kita „Altes Freibad" einen Generationengarten geschaffen, der von beiden Seiten dauerhaft genutzt und gepflegt werden soll – mit Aktivitäten wie Säen, Pflanzen und Ernten sowie einer Erdbeerwand.

Die Hochbeete sind rollstuhl- und rollatorgerecht gestaltet. Der VfL Wolfsburg unterstützte den Aufbau im Rahmen eines sozialen Aktionstags, bei dem unter anderem ein bestehender Sinnesgarten erweitert wurde.

Einordnung

Die Vielzahl der Projekte verdeutlicht, dass barrierefreies Wohnen, wohnortnahe Tagespflege und soziale Teilhabeangebote zunehmend als zusammenhängende Bausteine einer altersgerechten Infrastruktur verstanden werden.

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Ob geförderte Wohnungen, genossenschaftliche Modelle oder ehrenamtlich getragene Freizeitangebote – die Beispiele aus Österreich und mehreren deutschen Bundesländern zeigen, dass sowohl kommunale als auch private und zivilgesellschaftliche Akteure an der Umsetzung beteiligt sind.

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