Seniorengesundheit, Menschen

Seniorengesundheit: 78% der über 65-Jährigen bewegen sich zu wenig

Veröffentlicht am: 11.09.2026 um 15:14 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Viele Menschen ab 65 bewegen sich zu wenig und tragen mehrere Gesundheitsrisiken. Fachleute empfehlen mehr Aktivität, ausgewogene Ernährung und Prävention.

Gesundheit ab 65: Bewegung und Ernährung beugen Risiken vor
Frisches Gemüse und gesunde Lebensmittel auf einem Holztisch in einer hellen Küche bei Tageslicht. Illustration mit AI erstellt.

Aktuelle Berichte und wissenschaftliche Untersuchungen unterstreichen die zentrale Rolle von Bewegung, Ernährung und fachkundiger Beratung für die Erhaltung der Gesundheit in der zweiten Lebenshälfte. Daten verschiedener Institutionen zeichnen dabei ein detailliertes Bild der derzeitigen gesundheitlichen Lage der Generation 65 Plus und zeigen konkrete präventive Handlungsfelder auf.

Gesundheitsrisiken und Bewegungsdefizite in der Bevölkerung

Eine Studie des Robert Koch-Instituts (RKI), deren Daten im Zeitraum vom Frühjahr 2021 bis zum Frühjahr 2023 erhoben wurden, weist auf erhebliche Defizite in der Gesundheitsvorsorge hin. Demnach bewegen sich 78 % der Menschen ab 65 Jahren in Deutschland unzureichend.

Die Untersuchung verdeutlicht zudem die Kumulation von Gesundheitsrisiken: Durchschnittlich weisen die Befragten 2,4 Risikofaktoren pro Person auf, während lediglich 2 % der Teilnehmer frei von solchen Faktoren sind.

Laut dem RKI-Bericht leiden 20 % der Senioren unter starkem Übergewicht, und 10 % sind Raucher. Besonders auffällig ist die Ernährungssituation: 72 % der Befragten konsumieren zu wenig Obst und Gemüse. Eine Kombination aus Bewegungsmangel, unzureichender Zufuhr von pflanzlichen Lebensmitteln und Alkoholkonsum findet sich bei 22 % der Personen.

Vor diesem Hintergrund forderte das Institut die Schaffung gesunder Lebensbedingungen sowie den Abbau gesundheitlicher Ungleichheiten. Eine Forsa-Befragung für die Gesundheitsstadt Berlin ergänzt diese Befunde: Demnach bewegen sich 53 % der über 55-Jährigen nicht ausreichend, wobei 72 % der inaktiven Frauen und 54 % der inaktiven Männer den Wunsch äußerten, körperlich aktiver zu werden.

Ernährung als Säule der Sturz- und Demenzprävention

Fachleute betonen die Relevanz einer gezielten Nährstoffzufuhr. Apothekerin Susanne Donate empfiehlt für Senioren eine Mahlzeitenzusammensetzung, die zur Hälfte aus Gemüse sowie zu jeweils einem Viertel aus Proteinen und Kohlenhydraten besteht.

Besonders proteinreiche Lebensmittel wie Skyr, Mozzarella oder Kichererbsen seien wichtig, um die Muskelmasse zu erhalten. Während die Expertin bei einem nachgewiesenen Vitamin-D-Mangel zur Supplementierung rät, bewertet sie die Einnahme von Kollagen als unnötig.

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Hinsichtlich spezieller Ernährungsformen lieferte die EPIC-Oxford-Studie, die über einen Zeitraum von durchschnittlich 17,6 Jahren fast 55.000 Menschen beobachtete, differenzierte Erkenntnisse.

Veganer wiesen demnach ein um rund 43 % höheres Gesamtrisiko für Knochenbrüche auf als Fleischesser. Das Risiko für Hüftfrakturen war bei veganer Ernährung deutlich erhöht, was statistisch etwa 14,9 zusätzlichen Fällen pro 1.000 Personen innerhalb von zehn Jahren entsprach.

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) sieht eine gut geplante vegane Ernährung für gesunde Erwachsene zwar als potenziell förderlich an, gibt für Senioren jedoch explizit weder eine Empfehlung noch eine Ablehnung ab. In Luxemburg wird zudem eine Erhöhung der täglichen Proteinzufuhr auf 1,2 bis 1,5 g pro Kilogramm Körpergewicht nahegelegt, verglichen mit früheren Referenzwerten von 0,8 g.

Konzepte für körperliche Aktivität und kognitive Gesundheit

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt Erwachsenen eine wöchentliche Aktivität von 150 bis 300 Minuten moderater oder 75 bis 150 Minuten intensiver aerober Bewegung, ergänzt durch Krafttraining an mindestens zwei Tagen. Die Relevanz dieser Vorgaben wird durch die Framingham Heart Study gestützt, die zeigt, dass eine hohe körperliche Aktivität im mittleren Alter mit einem verringerten Demenzrisiko korreliert.

Für die praktische Umsetzung im Alltag rät Personaltrainer Álvaro Puche, über einfache Spaziergänge hinauszugehen, um Knochenstabilität und Leistungsfähigkeit ab 60 Jahren zu sichern. Er empfiehlt ein Programm aus vier Übungen – darunter Stuhl-Kniebeugen, Liegestütze an der Küchenarbeitsplatte, einarmiges Rudern und Fersenheben –, das dreimal wöchentlich absolviert werden sollte.

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Kommunale Projekte greifen diese Ansätze auf. Die Stadt Zürich initiierte beispielsweise ein Pilotprojekt namens „Fit im Quartier“, das mit Informationstafeln und Bewegungsübungen wie dem Zehen- und Fersenstand zur Sturzprävention auf öffentlichen Spielplätzen beitragen soll. Das Projekt wird von Freiwilligen unterstützt und ist Teil einer langfristigen Altersstrategie bis zum Jahr 2035.

Strukturelle Rahmenbedingungen und die Rolle der Apotheken

Neben individuellen Maßnahmen spielt die strukturelle Prävention eine wesentliche Rolle. Eine Studie des PKV-Verbandes und der TU Dresden analysierte zehn kommunale Präventionsprojekte und identifizierte die persönliche Ansprache sowie die lokale Vernetzung als zentrale Erfolgsfaktoren.

Die Studienautoren kritisierten jedoch, dass befristete Förderungen und unklare Zuständigkeiten eine dauerhafte Etablierung dieser Angebote oft verhinderten. Gefordert wird daher eine nationale Gesamtstrategie im Rahmen des Präventionsgesetzes.

Auch die Apotheken werden verstärkt als Akteure der Prävention wahrgenommen. Gabriele von Elsenau Overwiening, Präsidentin der Apothekerkammer Westfalen-Lippe (AKWL), forderte in einem Austausch mit der Politik die rechtssichere Umsetzung neuer pharmazeutischer Dienstleistungen. Sie betonte die Bedeutung moderner Prozesse und der Präventionsberatung vor Ort, übte jedoch Kritik an steigenden Kassenabschlägen und dem grenzüberschreitenden Versandhandel, welche die Strukturen der Vor-Ort-Apotheken belasten könnten.

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